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Nützlinge & Pflanzenschutzmittel: Tipps gegen Schädlinge im Raps

Insektizide erst nach Überschreiten der Bekämpfungsschwelle, Nützlinge und Bienenschutz – worauf Landwirte beim Pflanzenschutz im Raps achten sollten.

Lesezeit: 9 Minuten

Ein Fachbeitrag von Manja Landschreiber von der Landwirtschafts­kammer Schleswig-Holstein

SCHNELL GELESEN
Resistenzen weiten sich aus und erschweren zusammen mit dem Wirkstoffwegfall die Schädlingskontrolle im Raps.
Ermitteln Sie mit Gelbschalen den ­Zuflug von Erdflöhen und Rüsslern. ­Behandeln Sie erst bei Überschreiten der jeweiligen Bekämpfungsrichtwerte.
Setzen Sie Insektizide unbedingt bei passender Witterung ein.
Schonen Sie Nützlinge und achten Sie bei Behandlungen auf den Bienenschutz – vor allem bei Mischungen!

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Eine erfolgreiche Schädlingskon­trolle ist im Rapsanbau mittlerweile eine große Herausforderung: Neben nur noch wenigen zugelassenen Wirkstoffen und zunehmenden Resistenzen tummeln sich viele Schädlinge von der Aussaat bis zur Ernte im Bestand, die in Kombination mit Wettereinflüssen unterschiedlichen Populationsdynamiken unterliegen.

Gelbschalen besser früh aufs Feld stellen

Neben der Kleinen Kohlfliege und dem Schwarzen Kohltriebrüssler ist es vor allem der Rapserdfloh, der im Herbst eine Rolle spielt. Das A und O einer guten Bekämpfungsstrategie ist die regelmäßige Bestands- und Gelbschalenkontrolle ab dem Auflaufen der Bestände.

Zu bedenken ist, dass die Monate November bis Fe­bruar keine Gewähr mehr für eine ausgeprägte Vegetationsruhe sind. Späte Eiablagen durch überlebende Weibchen sind mittlerweile keine Seltenheit mehr.

Je nach Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen verbleiben die Käfer noch eine gewisse Zeit auf der alten Rapsstoppel im aufgelaufenen Ausfallraps. Das heißt, nicht immer begeben sie sich sofort zur Sommerruhe in Waldränder oder Knicks. Wird die Rapsstoppel dann für die Getreidesaat bearbeitet, fliegen die Käfer von dort in die Neu­ansaaten.

Generell wird der Raps, je nach Wetterlage, ab Mitte August bei ca. 16 bis 20 °C angeflogen (das ist das Temperaturoptimum für die Käfer). Steht dann die Gelbschale auf dem Acker, hüpfen die Erdflöhe eher zufällig in die Schale – die gelbe Farbe ist weniger entscheidend. Ein Eingraben der Schalen erhöht die Fängigkeit. Bei mehr als  50 Käfern pro Schale innerhalb von drei Wochen  ist die Bekämpfungsschwelle erreicht. Es ist wichtig, dass man Flächen, die in der Nähe zu Altrapsflächen liegen, be­sonders überwacht. Kontrollieren Sie die Gelbschalen bei stärkerem Zuflug möglichst täglich und wechseln Sie dann auch das Wasser.

Neben den Gelbschalenkontrollen muss vom Auflaufen bis ca. zum 4-Blattstadium auch der Blattfraß beachtet werden. Die Bekämpfungsschwelle liegt bei  10 % zerstörter Blattfläche. Blattfraß wird immer dann kritisch, wenn viele Käfer auf einen schlecht entwickelten, kleinen Raps treffen.

Wie Sie Strategien gegen Erdflöhe helfen

Mit dem Einflug der Käfer in den Raps vollziehen sie einen Reifungsfraß an den Blättern. Weil zu Beginn dieses Fraßes eine Lichtempfindlichkeit einsetzt, sollte ein dann erforderlicher Insektizideinsatz in der Dämmerung/nachts erfolgen.

Ab Anfang Oktober schreiten die Weibchen zur Eiablage. Dann schwächt sich die Lichtempfindlichkeit ab oder verschwindet ganz. Sinnvoll ist es, dann notwendige Maßnahmen vor der Ei­ablage durchzuführen. Dabei ist die Bekämpfungsschwelle von 50 Käfern pro Gelbschale in drei Wochen nicht als absolut fixe Größe zu sehen. Ein Beispiel: Ist die Schwelle zwar überschritten, aber es kündigt sich das Ende einer warmen Phase an, kann man – wenn es der Rapsbestand erlaubt – weiteren Zuflug zulassen und erst danach behandeln. Tipp: Der Zusatz von Folicur (bei einer gleichzeitigen Maßnahme zur Sicherung der Stand- bzw. Winterfestigkeit) verstärkt die insektizide Wirkung.

Empfehlung: Unter den Pyrethroiden gibt es Wirkunterschiede. Lambda-Cyhalothrin wirkt am stärksten gegen Rapserdflöhe. Innerhalb der Lambda-Cyhalothrine gibt es Abstufungen basierend auf der Formulierung des Mittels. Die Unterschiede äußern sich in Wirkungsschnelligkeit und Dauer.

Da die Resistenzentwicklung bei den Pyrethroiden voranschreitet, ist es besonders wichtig, die Anzahl an Maßnahmen zu begrenzen und alternative Wirkstoffe zu nutzen. Im Herbst letzten Jahres war es möglich, die Produkte Minecto Gold und Exirel, beide mit dem Wirkstoff Cyantraniliprole, per Notfallzulassung zu nutzen. Auch für diesen Herbst ist ein Antrag auf Notfallzulassung gestellt. Beide Produkte wirken teilsystemisch, sodass der Einsatzschwerpunkt auf der Eiablage bzw. der beginnenden Larvenentwicklung liegt. Für eventuelle Blattfraßspritzungen liegt der Schwerpunkt nach wie vor auf den Pyrethroiden.

Welche Bedeutung Frühjahrsschädlinge für den Raps haben

Im Frühjahr sind mittlerweile die Stängel- und Schotenschädlinge viel bedeutender als der Rapsglanzkäfer.

Als Erstes erwacht der  Große Rapsstängelrüssler  auf vorjährigen Rapsflächen bei Bodentemperaturen ab ca. 5 °C. Um das Erwachen nicht zu verpassen, sollte man Gelbschalen auf diese Flächen stellen. Gehört die Vorjahres­befallsfläche einem Berufskollegen, richten Sie die Schale im eigenen Raps zu dieser Fläche hin aus. Generell empfiehlt es sich, vor allem bei größeren Flächen mehrere Schalen aufzustellen.

Die Rüssler suchen direkt nach dem Erwachen die nächstgelegenen Raps­flächen zur Eiablage auf. Dabei scheiden sie Wuchsstoffe aus, wodurch die typischen Verdrehungen der Stängel entstehen. Die Bekämpfung muss zeitnah (innerhalb von drei Tagen) mit dem Zuflug vor der Eiablage erfolgen. Resistenztechnisch ist die Welt beim Großen Rapsstängelrüssler noch in Ordnung.

Der  Gefleckte Kohltriebrüssler  benötigt höhere Temperaturen. Ihn erkennt man an dem weißen Fleck auf dem Rücken. Nach dem Erwachen im Winterquartier und dem Einflug in die Rapsbestände vollzieht er einen ausgiebigen Reifungsfraß, bevor er mit der Eiablage beginnt. Somit stehen für eine eventuelle Bekämpfung, je nach Witterung, sieben bis zehn Tage zur Verfügung. Nach erfolgter Eiablage wachsen die Rapsstängel gerade weiter, sodass die Larven äußerlich oft unentdeckt bleiben. In Resistenztests konnte das Julius Kühn-Institut eine beginnende Resistenz gegen Pyrethroide feststellen.

Nicht verwechseln: Wichtig ist – auch im Hinblick auf die niedrigere Bekämpfungsschwelle von 5 Käfern/Gelbschale innerhalb von drei Tagen – den Großen Rapsstängelrüssler sicher zu erkennen. Er ist komplett schwarz gefärbt, wirkt durch seine dichte Behaarung aber eher grau. Demgegenüber hat der Gefleckte Kohltriebrüssler neben dem markanten weißen Fleck auf dem Rücken rotbraune, feingliedrige Füße.

Empfehlung: Gegen Stängel- und Trieb­­rüssler (ohne Rapsglanzkäfer) emp­fehlen sich Pyrethroide der Klasse II (z. B. Karate Zeon u. a.). Treten neben den Stängelschädlingen auch Glanz­käfer in bekämpfungswürdigem Umfang auf, sollte das Klasse-I-Pyrethroid Trebon 30 EC (B2!) zum Einsatz kommen. Mavrik Vita/Evure (B4) hat gegen Stängelschädlinge keine Zulassung.

Wie Sie Rapsglanzkäfern keine Chance geben

Nur in Einzelfällen waren Rapsglanzkäfer seit den Starkbefallsjahren ein wirkliches Problem. Sie erwachen ab 8 °C im Winterquartier (Hecken, Waldränder) und fliegen ab ca. 15 °C in die Rapsbestände. Bei wechselhafter Witterung mit kühlen Phasen oder starken Winden kann sich der Zuflug über einen längeren Zeitraum erstrecken. Dann gilt es, die Nerven zu bewahren. Erst das Auszählen der Käfer pro Pflanze (nicht nur am Vorgewende) entscheidet, ob eine Maßnahme nötig ist. Somit heißt es: Bekämpfungsschwellen ermitteln, Zustand des Rapses einschätzen und die Folgewitterung in die Entscheidung mit einbeziehen.

Weil der Pollen das Ziel der Käfer ist, fällt der Schaden umso größer aus, je kleiner die Knospen sind. Sind sie hingegen geöffnet, können sich die Käfer frei bedienen. Während sich die Schadwirkung in wüchsigem Raps meist in Grenzen hält, ist sie in gestressten Beständen (lange Nachtfrostphasen oder bei gleichzeitig auftretender abiotischer Knospenwelke) sowie bei sehr starkem Druck mit mehreren Zuflugwellen höher.

Beim Rapsglanzkäfer hat die metabolische Resistenz gegen Pyrethroide weiter zugenommen. Zusätzlich muss man inzwischen auch von einer beginnenden Resistenz gegen Neo­ni­ko­tinoide (Mos­pilan SG, Danjiri) sprechen.

Empfehlung: Gehen Sie beim Auszählen der Käfer sorgfältig vor und zählen Sie nicht nur in Waldrandlage. Beziehen Sie die Folgewitterung bei der Wahl des Behandlungszeitpunktes mit ein. Der Spritzzeitpunkt entscheidet besonders bei den Pyrethroiden über den Erfolg oder Misserfolg. Man muss den Zuflug erst zulassen! Wenn sich dann z. B. drei Tage warmes Wetter ankündigt und danach kühles Wetter folgen soll, ist die Spritzung zum Ende des dritten Tages zu terminieren. Das kühle Folgewetter sorgt dann dafür, dass kein neuer Zuflug erfolgt.

Die als Kontaktinsektizide fungierenden Pyrethroide Trebon 30 EC und Mavrik Vita/Evure bekämpfen die sich aktuell im Raps befindlichen Glanzkäfer. Mit neuem Zuflug tun sie sich schwer, besonders bei warmem Wetter. Kühle Temperaturen verlangsamen den Abbau der Pyrethroide hingegen, wodurch sich die Wirkungsdauer verlängert.

Was gegen Schotenschädlinge hilft

Ab dem Blühbeginn können Kohlschotenrüssler im Bestand auftreten. Da eine Larve je Schote lediglich drei bis fünf Samenkörner frisst, ist nur ein Starkbefall ertragsrelevant. Weil sich der Rüssler bei Bewegungen im Bestand sehr schnell zu Boden fallen lässt, ist die genaue Anzahl nur schwer festzustellen. Die Pyrethroidresistenz ist mittlerweile weit fortgeschritten (bei Typ I und II).

Der Druck mit Kohlschotenmücken war letztes Jahr eher gering. Für den Schlupf auf ehemaligen Befallsflächen benötigen sie feuchte Böden. Bei windstillem Wetter fliegen sie in die Bestände ein. Das kann nur einige Stunden andauern, oder aber in mehreren Wellen erfolgen. Die Feldränder sind oft am stärksten betroffen. Das Schadpotenzial der Mücke ist deutlich höher als das der Rüssler, da pro Schote mehrere Eier abgelegt werden können.

Empfehlung: Gegen Kohlschotenrüssler sind lediglich Pyrethroide zugelassen. Diese wirken aber aufgrund von Resistenzen nur noch eingeschränkt. Gegen die Kohlschotenmücke sind Pyrethroide zwar voll wirksam, allerdings erwischt man sie kaum. Bei starkem Zuflug ist Mavrik Vita/Envure als Randbehandlung zum Hauptzuflug der Mücke als Schadensbegrenzung die ­einzig vertretbare Möglichkeit.

Warum Sie Nützlinge schonen sollten

Generell tragen auch nützliche Insekten zur Bekämpfung von Rapsschädlingen bei. Bodenräuber, wie räuberische Laufkäfer, Kurzflügler und Spinnen, ernähren sich von zur Verpuppung abwandernden Larven. In der Blüte dezimieren Schlupfwespen-Arten die Larven von Rapsglanzkäfern. Erfolgt dann ein Insektizideinsatz, beeinflusst dieser direkt die Population der Schlupfwespen. Mavrik Vita/Evure schont sie teilweise, andere Pyrethroide aber nicht. Legen Sie bei ­Insektizidanwendungen immer auch höchsten Wert auf den Bienenschutz!

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