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topplus Rapsanbau in Deutschland

Rapszüchtung gefragter denn je

Die Ansprüche an die Züchtung wachsen bei Raps stetig. Merkmale wie Schädlingstoleranz und N-Effizienz von Rapssorten rücken noch mehr in den Fokus. Wo stehen wir und welche Erfolge gibt es?

Lesezeit: 5 Minuten

Ein Interview mit Dr. Georg Leufen, Fachberater Saatgut bei BASF Agricultural Solutions Deutschland

SCHNELL GELESEN
Die Ertragsstabilität von Sorten ist ­eines der wichtigsten Merkmale.
An toleranten Sorten gegenüber den Larven von Rapserdflöhen wird geforscht.
In puncto N-effiziente Sorten , die sich besonders für den Anbau in Roten Gebieten eignen, gibt es Züchtungsfortschritte.
Kohlhernie-resistente Sorten liegen mittlerweile auf dem Leistungsniveau von konventionellen Sorten.

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Immer häufiger – wie auch in diesem Jahr – kommt es zu Hitzephasen, teils mit lokalen Starkregenfällen. Ist das Zuchtziel „Ertragsstabilität“ vor diesem Hintergrund mittlerweile am wichtigsten? Welche Fortschritte wurden bislang erzielt?

Dr. Georg Leufen: Wir passen unsere Zuchtziele beim Winterraps regelmäßig den sich ändernden Umweltbedingungen an. Ertragsstabilität ist neben Kornertrag und Marktleistung eines der wesentlichsten Züchtungsziele. Unsere Zuchtgärten und Entwicklungsversuche sind deutschlandweit in allen Boden-Klimaräumen verteilt, sodass wir ein gutes Bild davon bekommen, wie stabil eine Sorte unter verschiedenen Standort­bedingungen ist. Ebenso testen wir ­unsere Sorten vor der Markteinführung in ­angrenzenden EU-Ländern auf ihre Umweltstabilität.

Die Züchtungserfolge der letzten Jahre erkennt man daran, dass Anfälligkeiten gegenüber Krankheiten wie Phoma und Sklero­tinia, aber auch die Lageranfälligkeit der Sorten, so gering geworden sind, dass man dies nur noch schwer in den Versuchen boni­tieren kann.

Ob sich stabil hohe Kornerträge ernten lassen, hängt von vielen einzelnen ­Faktoren ab: So hat z. B. die Einführung der ­Wasserrübenvergilbungs-Resistenz (TuYV) vor einigen Jahren als auch die Einkreuzung der genetisch fixierten Schotenplatzfestigkeit dazu geführt, dass der Ertrag und die Ertrags­stabilität zugenommen haben.

Als Kreuzblütler ist Raps ein willkommenes Ziel auch für Schadinsekten. Weil Wirkstoffe zunehmend wegfallen, Resistenzen auftreten und die Politik zusätzlich den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln senken will (SUR), wird die Züchtung insekten-toleranter ­Sorten noch wichtiger. Wie ist der Stand der Züchtung dazu?

Leufen: Was das Thema Schadinsektenresistenz bzw. -toleranz angeht, so arbeiten wir aktuell an einer geringeren Anfälligkeit der Rapssorten gegenüber den Larven des Rapserdflohs. Mit den konventionellen Züchtungsmethoden, die uns aktuell in Deutschland zur ­Verfügung stehen, ist dies jedoch nicht einfach und schnell zu realisieren. Es gibt Fortschritte, jedoch erreichen die Sorten hinsichtlich der Wirkung gegen den Schädling noch nicht das Niveau, was wir von den insektiziden ­Beizen kennen.

Standard ist in unserem Zuchtprogramm hingegen die Resistenz gegenüber dem Wasserrübenvergilbungs­virus, das durch die Grüne Pfirsichblattlaus übertragen wird.

Würde man mithilfe neuer Züch­tungstechnologien wie CRISPR/Cas deutlich schneller Fortschritte im ­Bereich der Schädlingstoleranz von Rapssorten ­erzielen können?

Leufen: Die Verwendung neuer Züchtungstechnologien wie CRISPR/Cas würde sich deutlich positiv auf alle Bereiche bei den Rapssorten auswirken. Leider ist der Einsatz in der EU bisher nicht erlaubt. Jedoch sieht man in anderen ­Teilen der Welt, was diese Technologie beim Raps bewirken kann, wie z. B. eine Her­bizidresistenz, eine bessere Ölsäure­zusammensetzung oder Verbesserungen bei der Schotenplatzfestigkeit.

Zur Wachstumskontrolle und zum Schutz vor Krankheiten wie Phoma lassen sich Fungizide einsetzen. Ist es vor dem Hintergrund des SUR-Entwurfs mit neueren Sorten möglich, die Fungizidintensität ­herunterzuschrauben, ohne Ertrag aufs Spiel zu setzen?

Leufen: Die deutsche Wertprüfung – also das dreijährige Zulassungsverfahren – testet alle Sorten hinsichtlich ihrer Anfälligkeit gegenüber den wichtigsten Rapskrankheiten. Fungizide werden in dieser Prüfung nicht eingesetzt. Daher sind die in Deutschland zugelassenen Sorten eher als gesund einzustufen, da diese sonst auch nicht zugelassen werden würden.

Trotzdem können Fungizide zu ­einem wirtschaftlichen Mehrertrag führen und die Erträge absichern – das zeigen viele Versuche und auch die Praxis.

Unter welchen Bedingungen kommen die Sorten­toleranzen in puncto Phomatoleranz und Wachstumskontrolle/Standfestigkeit an ihre Grenzen?

Leufen: Das sind Jahre, in denen es einen langen Herbst und kaum Winter­ruhe gibt. Eine gewisse Vegetationspause hat ihre Vorteile – gerade dann, wenn ein Pathogenbefall im Herbst stattgefunden hat und die befallenen Blätter über den Winter absterben, ­bevor das Pathogen auf den Wurzelhals übergeht.

Standfestigkeit kann immer dann ein Thema sein, wenn die Pflanzen optimal mit Nährstoffen und Wasser versorgt sind. Bei zusätzlich guten Wetter­bedingungen, insbesondere bei nicht zu ­hohen Temperaturen und gleichzeitig hoher Lichtintensität, kann es auch bei standfesten Sorten wackelig werden.

Eine weitere Herausforderung sind die strengen Düngeregeln im Rahmen der Düngeverordnung. Wie hoch sind die Züchtungsfortschritte bei der N-Effizienz von Sorten?

Leufen: Hinsichtlich der N-Effizienz gibt es bei Raps deutliche Züchtungsfortschritte. Mittlerweile gibt es einige Sorten, die sich für die Roten Gebiete bzw. bei reduzierter N-Düngung ­besonders gut eignen. Wir arbeiten an dem Thema schon länger und haben ein ­intensives Versuchsprogramm ­dafür. Unser Ziel ist es, mit einem möglichst geringen N-Einsatz den maximalen Ölertrag zu generieren. Unsere neue zugelassene Sorte Cheeta hat z. B. eine besonders gute N-Effizienz.

Spielt die Züchtung von Halbzwerg­hybriden in puncto N-Effizienz ­überhaupt noch eine Rolle?

Leufen: Halbzwerghybriden haben sich in Deutschland nicht durchgesetzt und daher keine große Bedeutung. ­Einen direkten Zusammenhang zwischen Pflanzenlänge und N-Effizienz sehe ich nicht, auch wenn das logisch erscheinen mag.

Auf stark mit Kohlhernie befallenen Flächen empfiehlt sich der Einsatz Kohlhernie-resistenter Sorten. Können sie mittlerweile mit konventionellen Sorten beim Ertrag mithalten?

Leufen: Ja, die Sortenleistung der Kohlhernie-resistenten Sorten ist inzwischen auf dem Leistungsniveau der nicht-resistenten konventionellen Sorten angelangt. Wir empfehlen den Einsatz dieser resistenten Sorten, wenn der Verdacht beziehungsweise die ­Gefahr besteht, dass eine Fläche mit Kohlhernie befallen ist oder wird. Ein gutes Resistenzmanagement beinhaltet aber auch, dass man Resistenzen nicht unnötig nutzt, um diese langfristig zu erhalten. Das bedeutet: Resistente Sorten sollten so wenig wie möglich und so viel wie nötig genutzt werden.

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