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topplus Interview

Carbon Farming: Zwischen Euphorie und Ernüchterung

Christian Egel vom Thüringer Landesamt in Jena beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit Carbon Farming. Seine Einschätzung schildert er uns im Interview.

Lesezeit: 3 Minuten

Herr Egel, wie schätzen Sie das Potenzial von Carbon Farming ein?

Egel: Die Aktivitäten zum freiwilligen Handel mit Klima- bzw. Humuszertifikaten haben in den letzten fünf Jahren an Dynamik gewonnen. Die anfängliche Euphorie – wesentlich befeuert durch die 4-Promille-Initiative aus Frankreich – ist jedoch schnell der Realität gewichen, in der die tatsächlichen Potenziale der Klimawirksamkeit sowie der zusätzlichen Erlöse für ausgewählte Maßnahmen weitaus geringer sind, als von Politik und auch Wirtschaft suggeriert wird.

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Können Betriebe mit Carbon Farming Geld verdienen?

Egel: Nicht zu unterschätzen ist, dass man sich als Landwirt in Folge dieses neuen Geschäftsmodells noch intensiver u. a. mit dem Aufbau von Humus und der damit verbundenen Steigerung der Bodenfruchtbarkeit auseinandersetzt. Hierbei liefern die unterschiedlichen Anbieter Modelle und Anreize, die das ureigene Interesse der Landwirte zur nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer Böden forcieren. Der Handel mit Zertifikaten kann sicher dazu beitragen, entsprechende Maßnahmen anteilig zu finanzieren – als zusätzliches Standbein taugt er nach aktuellem Ermessen aber nicht.

Können Betriebe, die schon lange regenerativ wirtschaften, trotzdem noch an Carbon Farming-Konzepten teilnehmen oder sind diese benachteiligt?

Egel: In jedem Geschäftsmodell, in dem nur mit einem theoretischen Bilanzierungsmodell gearbeitet wird (z.B. bei Klim), können die entsprechenden Betriebe dennoch an den Programmen teilnehmen. Grundsätzlich sind diese Betriebe jedoch bei den meisten Anbietern benachteiligt, explizit bei denen, die auf Bodenproben setzen.

Nach geltender Rechtslage können landwirtschaftliche Betriebe mit beliebigen Abnehmern CO2-Kompensationsvereinbarungen abschließen. Ob und wie diese „erwirtschaftet" werden, bleibt den Betrieben überlassen. Dies soll sich jedoch im Rahmen einer EU-Verordnung in naher Zukunft (2026) ändern. Dann müssen sich die Anbieter selbst zertifizieren lassen, um anerkannt zu werden.

Wie schätzen Sie die Entwicklung in Zukunft ein? Werden regenerative Maßnahmen irgendwann zum Standard erklärt?

Egel: Durch die Schaffung eines rechtlichen Rahmens zum Handel mit entsprechenden Zertifikaten wird die Thematik noch einmal einen Schub bekommen. Durch die künstliche Verknappung der CO2-Emissionsrechte im EU-Emissionshandelssystem (EU-EHS) werden zudem die Preise für CO2-Äquivalente steigen und daher mutmaßlich auch das Interesse am titulierten „Carbon Farming“.

Die Frage zur Zukunft regenerativer Praktiken sehe ich nicht zwingend mit der Thematik gekoppelt. Zunächst ist die Frage, was genau unter regenerativen Maßnahmen verstanden wird – hier fehlt es an einer konkreten Definition! Hinsichtlich der Förderung von Bodenleben, der Steigerung des Erosions- oder Verdunstungsschutzes können Teile regenerativer Verfahren durchaus punkten - sind aber noch immer auf einen schlagkräftigen Pflanzenschutz angewiesen.

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