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topplus Wirtschaftsjahr 2023/24

Landwirtschaftskammern erwarten Gewinneinbruch in der Landwirtschaft für 2024

Das Wirtschaftsjahr 2023/24 bringt für die Haupterwerbsbetriebe in der Landwirtschaft merklich verschlechterte Rahmenbedingungen. Die Unternehmensergebnisse können zwischen 33 und 53 % nachgeben.

Lesezeit: 6 Minuten

Die Landwirtschaftskammern legen jährlich im Januar ihre Vorschätzung über die Entwicklung der Ergebnisse für das laufende Wirtschaftsjahr 2023/24 vor. Die vorliegende Prognose basiert auf den Buchführungsergebnissen von Haupterwerbsbetrieben des Vorjahres 2022/23, auf Ergebnissen des laufenden Wirtschaftsjahres und auf Trendanalysen.

Das Wirtschaftsjahr 2023/24 bringt für die landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe insgesamt merklich verschlechterte Rahmenbedingungen. Die Unternehmensergebnisse in der Gesamtheit geben in einer Spanne zwischen 33 und 53 % nach.

Preise der Marktfrüchte uneinheitlich

Die durchschnittlichen Erlöse für Getreide liegen bundesweit circa ein Viertel unter dem Niveau des Vorjahres, in dem die Unsicherheiten des Ukraine-Krieges zu starkem Preisanstieg geführt hatten. Über das gesamte Wirtschaftsjahr gesehen und im Durchschnitt aller Vermarktungen rechnen die Landwirtschaftskammern mit Notierungen, die um 15 bis 30 % unter dem Vorjahreszeitraum liegen.

Der Rapspreis reicht nicht an das hohe Niveau der Vorjahre heran und liegt um gut ein Drittel niedriger als im Vorjahr. Hohe Importmengen durch ein weltweit großes Angebot sowie der geringere Ölgehalt der Ernte 2023 haben dazu geführt. Für das laufende Wirtschaftsjahr 2023/24 wird im Vergleich zum Vorjahr ein zwischen 15 und 35 % niedrigerer Vermarktungspreis erwartet.

Die Ertrags- und Qualitätseinbußen der Kartoffeln durch die Wetterkapriolen haben zu einer angespannten Versorgungslage und zu weiter steigenden Kartoffelpreisen geführt. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich ein Plus von überwiegend 30 %.

Zuckerrüben werden weiterhin gut bezahlt. Seit Oktober 2023 hat der Weißzuckerpreis in der EU mit 840 €/t ein neues Rekordniveau erreicht. Ein Erzeugererlös von mehr als 50 €/t Rüben erscheint nahezu bundesweit möglich und verbessert die Preissituation in einer Spanne von 5 bis 10 %.

Milchpreise mit erheblichem Abwärtstrend

Milcherzeuger müssen seit Beginn des Milchwirtschaftsjahres deutlich rückläufige Milchpreise verzeichnen. Ausgehend von außergewöhnlich hohen Vorjahrespreisen zwischen 52 und 55 Cent je kg Milch, gaben die Notierungen deutlich nach.

Zu Beginn des laufenden Wirtschaftsjahres erlösten die Milchbauern nur noch etwa 41 bis 42 Cent/kg. Ende 2023 zeigte der Milchmarkt wieder eine leichte Erholung. Nach Einschätzung der Landwirtschaftskammern könnten sich die Preise im zweiten Halbjahr auf einem etwas höherem Niveau halten. Insofern wird von einem Preis ausgegangen, der zwischen 17 und 26 % unter dem Vorjahresniveau liegt.

Schlachtrindernotierungen schwächeln

Gegenüber dem Vorjahr sind die Preise für Rindfleisch gesunken. Auf den gesamten Betrachtungszeitraum gesehen erwarten die Landwirtschaftskammern Preise, die zwischen einem und 8 % unter dem des Vorjahres liegen. Für Altkühe und Kälber werden die Preise stabil bis leicht über dem Vorjahr prognostiziert. Diese Einschätzung ist auch den höheren Kälbergewichten aufgrund der neuen Transportverordnung geschuldet.

Ferkelpreise auf höchstem Niveau

Marktexperten erwarten eine anhaltende Ferkelknappheit, bei einem bundesweiten Selbstversorgungsgrad von ca. 80 %. Ferkel werden gesucht, denn die Sauenbestände sind EU-weit eingebrochen. Das Ergebnis sind aktuell Ferkelnotierungen auf Rekordniveau mit stabiler Tendenz. Die Landwirtschaftskammern gehen von einem Preis- plus zum Vorjahr von bis zu 13 % aus.

Schweinefleisch stabil

Auch der Absatz von Schweinefleisch wird positiv eingeschätzt, denn der inländische Selbstversorgungsgrad liegt bei den Edelteilen deutlich unter 100 %. Damit ist auch bei einem weiterhin rückläufigen Schweinefleischverzehr von stabilen Absatzmöglichkeiten auszugehen. Gravierende Änderungen der Marktlage sind vorerst nicht zu erwarten. Über das gesamte Wirtschaftsjahr gesehen rechnen die Landwirtschaftskammern mit Erzeugerpreisen auf Vorjahresniveau (-2 bis + 3 %).

Betriebsmittel: Situation normalisiert sich langsam

Hohe Steigerungen der Betriebsausgaben und eine stark gestiegene Inflation kennzeichneten das Vorjahr. Aktuell normalisiert sich die Situation wieder. Futtermittel (-9 bis -25 %) und vor allem aber Düngemittel (-20 bis -40 %) werden günstiger.

Insbesondere die teureren Ferkel führen bundesweit zu einem Kostenanstieg von 3 bis 11 % bei Tierzukäufen. Die gestiegene CO2-Abgabe und höhere Transportkosten werden sich auf Betriebsmittel wie Heiz- und Kraftstoff sowie auf Strom auswirken. Diese Einflüsse auf die Betriebsergebnisse werden regional unterschiedlich eingeschätzt.

Allein Veredlungsbetriebe können Unternehmensergebnisse verbessern

Die Einkommen der Veredlungsbetriebe werden auch im laufenden Wirtschaftsjahr den allgemeinen Rentabilitätsanforderungen gerecht. Schweinemastbetriebe erreichen in etwa das Niveau der auskömmlichen Unternehmensergebnisse des Vorjahres.

Aufgrund der positiven Marktentwicklungen profitieren die Ferkelproduzenten sowie die Betriebe im (teil)geschlossenen Vermarktungssystem besonders. In den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erwarten die Schweinehalter Unternehmensergebnisse zwischen 114.000 und 165.000 € je Betrieb. Dadurch ist eine angemessene Entlohnung der eingesetzten Familienarbeitskräfte zu erzielen.

Marktfruchtbetriebe mit heterogenen Entwicklungen

Gegensätzlich verlaufende Marktentwicklungen der Getreide- und Hackfruchtbetriebe führen im Ackerbau zu unterschiedlichen Gewinnerwartungen. In Niederachsen sollte wegen des hohen Hackfruchtanteils in der Fruchtfolge mit 117.000 € das Unternehmensergebnis des Vorjahres zu erreichen sein.

Für die Ackerbaubetriebe in Nordrhein-Westfalen wird ein leicht rückläufiges Unternehmensergebnis von 99.700 € erwartet. In den überwiegend auf Getreide und Raps ausgelegten Marktfruchtbetrieben in Schleswig-Holstein oder Rheinland-Pfalz sind dagegen deutliche Gewinneinbrüche auf 51.000 bzw. 45.000 € je Betrieb zu befürchten.

Futterbaubetriebe fallen unter Durchschnittswerte zurück

Nach einem ausnehmend positiv verlaufenen Vorjahr 2022/23 werden sich in der laufenden Abrechnungsperiode die Unternehmensergebnisse der Milchviehbetriebe nahezu halbieren und sich wieder auf unterdurchschnittlichem Niveau bewegen.

Im Bereich des Futterbaus wurden Unternehmensergebnisse zwischen 59.000 € für Nordrhein-Westfalen und 100.000 € für das Saarland berechnet. Diese Entwicklung korrespondiert mit Werten bezüglich der Nettorentabilität zwischen 68 % für Nordrhein-Westfalen und 124 % für das Saarland. Damit lassen sich die eingesetzten Produktionsfaktoren in weiten Bereichen nicht vollständig vergüten.

Mit Ausnahme des Saarlandes sind somit im laufenden Wirtschaftsjahr im Futterbau keine Unternehmergewinne zu erwirtschaften.

Unternehmensergebnisse erreichen Größenordnungen des langjährigen Durchschnitts

Mit Ausnahme der Schweineproduktion sind die Einkommen in der deutschen Landwirtschaft durchgängig rückläufig. Zumindest in den Hochburgen der Veredlungswirtschaft wird dadurch der deutliche Gewinnrückgang in den anderen Betriebsformen in nennenswerter Form abgefedert.

In Summe sinken die Unternehmensergebnisse der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe um mehr als ein Drittel. Es werden Durchschnittsgewinne zwischen 60.000 € und 100.000 € erwartet. Von regionalen Besonderheiten abgesehen, werden die Unternehmensergebnisse im Wirtschaftsjahr 2023/24 in etwa auf die Größenordnungen des langjährigen Durchschnitts zurückgehen.

Gewinn reicht nicht

Dieses Niveau ist nicht ausreichend, um einer angemessenen Entlohnung und Risikodeckung zu entsprechen, mahnt der Verband der Landwirtschaftskammern weiter.

Die für 2023/24 erwarteten Unternehmensergebnisse würden für einen Familienbetrieb im Schnitt nicht ausreichen, um davon zunächst die privaten Lebenshaltungskosten sowie Einkommenssteuern zu bestreiten. Zudem müssten betrieblich bedingte Ausgaben wie Sozialversicherungen, die Mitversorgung des Altenteils, die Tilgung der privaten Darlehen sowie Zukunftsinvestitionen aus dem Gewinn finanziert werden.

Um in die von Gesellschaft und Gesetzesgeber geforderte Neuausrichtung der Tierhaltung investieren zu können und nachhaltig zu wirtschaften, wäre für einen Haupterwerbsbetrieb ein Unternehmensergebnis von mindestens 100.000 € erforderlich, so der Verband.

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