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Bioenergie-Demo: „Der Heiligenschein der Umweltverbände muss weg!“

Johannes Lackmann von WestfalenWind ruft anlässlich des Sommerfestes der Deutschen Umwelthilfe in Berlin zu einer Demo für die Bioenergie auf. top agrar hat mit ihm über den Anlass gesprochen.

Lesezeit: 4 Minuten

Am Dienstag, 4. Juli findet ab 19 Uhr in der Bundesgeschäftsstelle der Deutschen Umwelthilfe das Sommerfest der Organisation statt. Eingeladen sind Vertreter aus den Bereichen Umwelt, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Diese Zusammenkunft will Johannes Lackmann, Geschäftsführer des Unternehmens WestfalenWind aus Lichtenau (Nordrhein-Westfalen) für eine Demonstration für die Bioenergie nutzen. WestfalenWind projektiert und betreibt Wind- und Solarparks und liefert Wind- und Solarstrom an Kunden. Im top agrar-Interview erläutert der Geschäftsführer, warum er auch die Bioenergie für unersetzlich hält.

Sie wollen am 4. Juli vor dem Gebäude der Deutschen Umwelthilfe in Berlin demonstrieren. Was ist der Anlass?

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Lackmann: Wir kritisieren die überwiegend negative Haltung der Deutschen Umwelthilfe, kurz DUH, zur Bioenergie. Am 4. Juli veranstaltet die DUH ihr Sommerfest. Es werden neben vielen Umweltverbänden auch entsprechend viele Politiker anwesend sein. Darum haben wir mit relativ wenig Aufwand viel Aufmerksamkeit.

Als Unternehmen sind Sie vor allem im Bereich Wind und Solar unterwegs. Warum eine Demo für die Bioenergie?

Lackmann: Aus meiner Zeit als Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energien vor rund 20 Jahren weiß ich, dass die Haltung der Umweltverbände immer schon negativ gegenüber der Bioenergie war. Es fing an mit Biokraftstoffen, ging über Biogas und trifft jetzt auch Holz als Brennstoff. Dabei muss klar sein: Ohne Bioenergie schaffen wir keine Energiewende. Sie macht heute schon über 50 % aller erneuerbaren Energien aus. Wir brauchen Biogas und Holz für Strom und Wärme sowie Biokraftstoffe für den Verkehr.

Die DUH, aber auch andere Umweltverbände und sogar das Umweltbundesamt erklären, dass eine Energiewende auch ohne Bioenergie möglich ist. Viele Politiker hören darauf.

Lackmann: Genau das ist der Fehler. Es kann nicht sein, dass die Umwelthilfe oder der NABU ein alleiniges Definitionsrecht haben und uns erklären wollen, was richtig und was falsch ist. Ein typisches Beispiel ist z.B. das Ausspielen von Solarparks gegen Bioenergie. Es gibt eine von der DUH beauftragte Studie des IFEU, die zum Schluss kommt, dass Freiflächen-Photovoltaik über 20-mal effizienter als Energiepflanzen für die Stromerzeugung ist. Aber dabei wird bewusst ausgeblendet, dass Biomasse bereits gespeicherte Sonnenenergie ist. Bei Solarstrom müssen wir den Strom vom Sommer in den Winter mithilfe von Speichern übertragen. Batterien oder Wasserstoff sind dafür aber zu teuer. Es würde Hunderte Milliarden Euro kosten, wenn wir Energiepflanzen für Biogasanlagen 1:1 durch Solarstrom ersetzen wollen.

Zudem gibt es nicht an jedem Acker eine Einspeisemöglichkeit für den Strom. Auch dafür ist die dezentrale Stromproduktion in Biogasanlagen sinnvoll. Und damit bleibt auch die Struktur der bäuerlichen Landwirtschaft erhalten – Solarparks sind eher in der Hand von größeren Unternehmen. Wenn Biogasanlagen komplementär immer dann Strom produzieren, wenn es keine Produktion von Wind- oder Solarstrom gibt könnten wir mit erneuerbaren Energien schon deutlich mehr vom Verbrauch abdecken als heute.

Mit der Demo nutzen Sie ein medienwirksames Mittel, das bislang vor allem die Umweltverbände einsetzen. Wird es nicht zu noch mehr Ablehnung bei den Bioenergiekritikern führen?

Lackmann: Das ist zweitrangig. Denn wir haben es mit dem Dialog probiert. Ich habe als DUH-Mitglied Anträge auf der Mitgliederversammlung gestellt oder Briefe an den Vorstand geschrieben – ohne Erfolg. Wir müssen dafür sorgen, dass die Verbände den Heiligenschein und die Deutungshoheit als vermeintlich moralische Instanz verlieren. Bei einer Demo von uns gegen die Klagewelle des NABU-Landesverbandes NRW im Jahr 2022 hat das zu Erfolg geführt: Der Verband wurde von der Öffentlichkeit plötzlich als Verhinderer der Energiewende wahrgenommen. Die Medien haben kritischer berichtet, was sich auch den Richtern nicht verborgen geblieben ist: Der NABU verliert immer häufiger Prozesse, bei denen der Natur- und Artenschutz nur vorgeschoben wird, um Windparks zu verhindern. Ähnliches erhoffen wir uns jetzt auch von der Demo in Berlin.

Wir wollen klar machen, dass die Umweltverbände mit der Ablehnung der Bioenergie das fossile Zeitalter verlängern. Es ist absolut unverständlich, warum wir anstelle von Energie aus Russland jetzt LNG aus politisch fragwürdigen Ländern importieren, aber heimisches Potenzial nicht erschließen, das wir mit nachhaltig produzierter Biomasse haben.

Anmerkung: Die Demonstration findet am 4. Juli ab 18:30 Uhr am Hackeschen Markt 4 in Berlin statt.

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