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Brancheneinschätzung: Was der Solarstrategie der Bundesregierung noch fehlt

Statt Solarpflicht oder einer höheren Förderung sollte die Bundesregierung über die Vorteile der Photovoltaik aufklären und dem Fachkräftemangel begegnen, fordert das Photovoltaikunternehmen enerix.

Lesezeit: 6 Minuten

enerix ist eine Fachbetriebskette für Photovoltaikanlagen. Das erste Franchisesystem im Bereich der erneuerbaren Energien wurde 2007 von Peter Knuth und Stefan Jakob gegründet. Heute gibt es über 100 enerix-Fachbetriebe in Deutschland und Österreich. Zu den Produkten gehören Photovoltaikanlagen, Stromspeicher, Ladestationen für E-Autos, Wärmepumpen und Energiedienstleistungen. Im top agrar-Interview gibt Pressesprechern Lucas Flügel seine Einschätzung zur aktuellen Solarstrategie der Bundesregierung.

Sie fordern Nachbesserungen bei der Photovoltaik-Strategie der Bundesregierung. Nicht alle Beschlüsse seien so gut, wie sie zunächst erscheinen und bedürfen einer anderweitigen Umsetzung. Wo sehen Sie Nachbesserungsbedarf?

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Flügel: Beim Ausbau der Freiflächenanlagen sehen wir die Problematik, dass der Naturschutz den Kommunen überlassen wird. Es ist zwar wichtig, die Photovoltaiklandschaft Deutschland weiter auszubauen, aber dies auf Kosten der Umwelt zu machen, ist falsch. So heißt es in der Photovoltaikstrategie des BMWK „Kommunen können (...) naturschutzfachliche Vorgaben machen“. Die Betonung liegt hierbei auf „können“. Was wir uns hierbei wünschen würden, ist, dass es konkrete Angaben und Richtlinien zur Gewährleistung des Naturschutzes gibt. Wir gehen da ganz mit dem Motto: ‚So viel Solar auf die Dächer wie irgendwie möglich.‘

Was wir nicht brauchen, ist eine höhere Förderung oder eine Solarpflicht. Eine Solarpflicht könnte sogar falsche Anreize setzen und eher abschrecken. Bessern wäre eine Aufklärung über die Vorteile der Solarenergienutzung.

Ein weiteres Thema ist die Bürokratie. So brauchen wir bundesweit einheitliche Anmeldeverfahren bei den Energieversorgern. Es kann nicht sein, dass jeder Energieversorger seine eigenen Formulare oder Onlineplattform hat.

Und zuletzt meinen wir, dass Energiegemeinschaften nach dem österreichischen Modell es ermöglichen würden, dass noch mehr Menschen in den Genuss von Solarstrom kommen.

Wie lässt sich Ihrer Meinung nach das Potenzial der deutschen Solarwirtschaft vollends ausschöpfen?

Flügel: Was wir vor allem brauchen, sind Fachkräfte. Zwischen 2012 und 2014 haben wir über 100.000 Arbeitsplätze in der Solarwirtschaft verloren. Allein im 1. Quartal gab es laut Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung in Deutschland 1,7 Millionen offene Stellen. Hier ist es unserer Meinung nach nötig, die Solarteurausbildung sektorübergreifend für Dachdecker, Elektriker und Heizungsbauer zu bündeln.

Wie können Verbraucher und Firmen wie Sie mit dem Fachkräftemangel umgehen?

Flügel: Monteure für die Installation der Photovoltaikdachanlagen sowie Elektroinstallateure und Elektromeister sind die größten Herausforderungen bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels und der Mitarbeiterrekrutierung. Diese Berufsgruppen sind schwer zu finden und müssen meistens aus anderen Unternehmen abgeworben oder aus anderen Branchen rekrutiert und eingearbeitet werden. Etwas leichter ist bei den kaufmännischen oder vertrieblichen Positionen. Um unsere Mitarbeiter auf ihre neuen Positionen vorzubereiten, haben wir verschiedene Ausbildungen für Planer, Verkäufer und Monteure entwickelt und lassen die Qualifikation durch den TÜV-Rheinland überprüfen. Wir haben sogar einen Song „Solarstromhelden“ komponieren lassen, um auf die Situation und die Branche aufmerksam zu machen.

Wie kann der Zugang zu den erneuerbaren Energien verbraucherfreundlicher gestaltet werden?

Flügel: Zunächst sollte die Akzeptanz der erneuerbaren Energien gesteigert werden. Da die praktische Umsetzung von Photovoltaikanlagen auf kommunaler und lokaler Ebene erfolgt, spielen lokale und regionale Akteure eine wichtige Rolle. Gezielte Aufklärung über Klimathemen und die Auswirkungen der Klimakrise sind wichtig, um Akzeptanz zu schaffen. Daher ist es auch nötig, die Solarenergie als essenziell für unsere Zukunft, auch im ländlichen Raum darzustellen. Dadurch können Arbeitsplätze und Wertschöpfung im ländlichen Raum steigen.

Viele Verbraucher und Unternehmen fürchten bei zunehmender Energiewende einen Anstieg der Strompreise. Wie kann man dem begegnen?

Flügel: Photovoltaik aufs Dach. Das klingt jetzt einfacher als gedacht, aber eine Photovoltaikanlage sollte wie die Investition in eine Immobilie betrachtet werden. Ist die Anlage einmal auf dem eigenen Dach installiert, zahlt sie sich alleine ab. Wird der erzeugte Strom selbst genutzt, verflüchtigen sich auch die steigenden Stromkosten. Außerdem wird der Strom grün erzeugt und auch in den Jahren nach der Amortisation der Anlage nicht an Wert verlieren. Die Angst, dass Strompreis steigen, weil mehr Solarstrom in den Markt eingespeist wird, ist ein unbegründetes Szenario. Andernfalls wären die Preise auch nach dem Atomausstieg und dem Überschuss an alternativen Energieträgern gestiegen. Das war nicht der Fall. Photovoltaikanlage, Speicher und Wärmepumpe sind und bleiben die geeigneten Mittel, um sich unabhängig von steigenden Strompreisen zu machen.

Ist die Angst vor einem Blackout berechtigt und was kann man dagegen machen?

Flügel: Der Grund zur Sorge ist hierzulande unbegründet, weil die durchschnittliche Ausfallzeit eines Stromausfalls bei gerade mal 15 Minuten pro Jahr liegt. Einen Blackout gab es noch nie. Es gab aber schon Ausfälle, die über mehrere Stunden oder Tage gingen. Wer die Anschaffung einer Photovoltaikanlage mit Stromspeicher für sein Eigenheim plant, muss eigentlich nur über die Mehrkosten für die Ersatzstromfähigkeit entscheiden. Diese liegt bei rund 3.000 €. Wie bei einer Versicherung gilt hier die gleiche Antwort: Solange man diese nicht braucht, ist die Investition überflüssig. Erst im Ernstfall weiß man die Versicherung zu schätzen. Fällt der Strom aus, sollte man seinen Stromverbrauch auf die wichtigsten Geräte reduzieren. Verbrauchsintensive Geräte wie Herd, Backofen, Mikrowelle, Spülmaschine oder Waschmaschine sollten möglichst ausbleiben.

Wie bewerten Sie generell die Entwicklung der Solarbranche in Deutschland: Wird es nach dem Rückgang ab 2012 einen zweiten Boom geben?

Flügel: Nach dem Rückgang ab 2012, bedingt durch Kürzungen der Förderungen und Importkonkurrenz, hat sich die Branche stabilisiert und verzeichnet wieder Wachstum. Der Ausbau erneuerbarer Energien, einschließlich der Solarenergie, ist weiterhin ein wichtiges Ziel in Deutschland, um die Energiewende voranzutreiben und den Klimawandel zu bekämpfen. Die zunehmende Kosteneffizienz von Solartechnologien, innovative Geschäftsmodelle und die steigende Nachfrage nach sauberem Strom sind positive Indikatoren für die Entwicklung der Solarbranche. Hinzu kommt, dass es zwischenzeitig wieder mehr Anbieter im Markt gibt. Das bedeutet, dass weniger Anfragen sich auf mehr Anbieter verteilen. Die Kosten pro Auftrag steigen damit und die Anlagenverkaufspreise fallen aufgrund der gestiegenen Wettbewerbssituation. Die Materialengpässe der vergangenen Monate, gerade bei den Elektronikbauteilen aus Fernost, haben sich wieder verbessert und damit auch die Lieferfähigkeiten gerade bei den Speichern und Wechselrichtern. Durch die besseren Lieferfähigkeiten sind die Warte- bzw. die Realisierungszeiträume wieder stark gesunken.

Welche Antworten muss die Politik jetzt darauf finden?

Flügel: Schlechte Nachrichten wie Fachkräftemangel bedürfen einer guten Antwort der Politik. Sie muss richtige und vor allem langfristige Anreize setzen und die Investition in die erneuerbaren Energien fördern. Dies umfasst rechtliche Vorschriften, einheitliche Genehmigungsverfahren bei Netzanbietern und auch den Ausbau der Netzinfrastruktur. Die Zukunft besteht aus Solar-und Windenergie, das muss auch der Politik, vor allem der Opposition klargemacht werden. Es ist erforderlich, dass Politik und Wirtschaft zusammenarbeiten, um die notwendigen Veränderungen in Richtung einer nachhaltigen Energiezukunft zu ermöglichen.

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