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"Bürokratie und Handwerkermangel bremsen Energiewende"

Die Firma SPSolar aus Gescher hat sich auf Dach- und Freiflächenanlagen in der Landwirtschaft spezialisiert. Wir sprachen mit Jochen Schulze Pröbsting über den Solarboom und die Herausforderungen.

Lesezeit: 6 Minuten

Die SPSolar GmbH aus Gescher (Nordrhein-Westfalen) projektiert seit 2010 Solaranlagen auf Dächern und auf der Freifläche. Dabei bietet die Firma eine schlüsselfertige Montage einschließlich Speicher und Ladesäulen für Elektroautos an. Ein besonderer Fokus liegt auf Lösungen für die Landwirtschaft: Geschäftsführer Jochen Schulze Pröbsting hat 2014 von Landwirtschaft im Vollerwerb ausschließlich auf die Solarprojektierung umgesattelt.

Sie planen und bauen Dach- und Freiflächenanlagen. Welche sind derzeit besonders gefragt?

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Schulze Pröbsting: Aktuell werden wöchentlich Freiflächenanlagen in privilegierten Gebieten angefragt. Die Größen variieren zwischen 2,5 und 25 ha. Auch gefragt sind PV-Anlagen auf Industriehallen für den Eigenbedarf. Bei den Anfragen für Einfamilienhäuser verliert man schon den Überblick. Wir mussten deshalb unseren Angebotsradius sehr einschränken, um jedem Kunden qualitativ gerecht zu werden.

Wie hat der Strompreisanstieg im vergangenen Jahr die Nachfrage nach Dachanlagen in der Landwirtschaft erhöht?

Schulze Pröbsting: Die Landwirtschaft ist seit jeher ein starker Kundenstamm in unserem Unternehmen. Die Anfragen speziell auf landwirtschaftlichen Dachflächen halten sich jedoch in Grenzen. Dies ist vielfach damit verbunden, dass die Verteilnetze nur begrenzte Kapazitäten im Außenbereich haben. Des Weiteren haben viele Landwirte bereits PV-Anlagen in nennenswerter Größe ab etwa 135 kW. Bei Erweiterungen kommen dann vielfach zwingend auch die Abgabe von Zertifikaten und Nachbauten in Trafostationen zum Tragen. Dies ist ein immenser bürokratischer Aufwand und auch mit hohen zusätzlichen Kosten verbunden, den viele Landwirte scheuen.

Welche Landwirte fragen derzeit Dachanlagen nach?

Schulze Pröbsting: Das ist unterschiedlich. Hauptsächlich sind dies Landwirte, die zum Teil keine oder nur kleine PV-Anlagen auf ihren Dächern haben. Es handelt sich dabei um Haupterwerbsbetriebe, die ihren Strom zum Eigenbedarf herstellen möchten.

Wie stark sind Speicher gefragt und wie legen Sie diese aus nach Größe, Abgabeleistung usw.?

Schulze Pröbsting: Wir erstellen aktuell zu jeder zweiten PV-Anlage auch ein Speichersystem. Die Auslegung der Größe und Abgabeleistung wird bestimmt durch den Verbrauch/Last in den Abend und Nachtstunden von 19 bis 9 Uhr. Wir legen Wert darauf, dass die Systeme erweiterbar sind und am Anfang nicht überdimensioniert werden. Dies führt bei den aktuellen Strompreisen schnell zur Wirtschaftlichkeit. Im Ganzen sollte auch eine Wallbox /Ladesäule in das System passen, sodass auch der Bedarf erfasst werden kann. Wir legen Wert auf komplette Systeme eines Herstellers, um alle Details in die Onlineübersicht und App einfügen zu können.

Wir sehen außerdem in naher Zukunft große Speichersysteme im Megawattbereich, an bereits entwickelten Windzonen und Freiflächen-Solaranlagen. Dort ist die Infrastruktur vorhanden, um die Energie aufzunehmen und bei Bedarf in das Netz abzugeben. Diese werden auch über die Netzleitsysteme der Netzbetreiber gesteuert werden können, um Spannungsschwankungen auszugleichen. Das alles trägt zu Netzstabilisierung bei, die in den kommenden Jahren wichtiger denn je sein wird. Diese Speicher werden wohl bis zum Übergang einer wirtschaftlichen Power-to-Gas-Strategie betrieben werden können.

Das EEG 2023 soll mit der neuen Vergütung dazu anreizen, die Dächer voll zu belegen und Überschüsse ins Netz einzuspeisen. Machen die Kunden davon Gebrauch oder steht der Eigenverbrauch bei der Anlagengröße weiterhin im Fokus?

Schulze Pröbsting: Wir sind sehr erfreut das sich nach vielen Jahren endlich wieder positive Änderungen im EEG erkennen lassen! Wir beraten seit jeher unsere Kunden ihre Dachflächen komplett zu nutzen. So wurde automatisch der Überschuss ins Netz eingespeist.

Um hier jedoch einen Boom auszulösen, damit auch die letzten Dächer in den Industriegebieten voll belegt werden, ist die aktuelle Vergütungshöhe nicht ausreichend, da zeitgleich mit der Erhöhung auch die Kosten gestiegen sind. Wir wurden in der Coronakrise zunächst von hohen Modulpreisen überrascht und im Anschluss folgte der Krieg. Allein dieser führte zu einem Anstieg aller Rohstoffkosten für Kabel, Unterkonstruktion usw. Jetzt haben wir einen Wechselrichtermangel. Dieser entstand durch extrem hohe Nachfragen in Deutschland und EU, die so schnell nicht durch Importe gedeckt werden konnten. Die europäischen Hersteller waren auch nicht in der Lage, die Nachfrage zu decken, da auch Bauteile wie Halbleiter und Zellen aus China kommen. Für die Zukunft steht schon jetzt fest, dass der Handwerkermangel die Geschwindigkeit der Energiewende bremsen wird

Wo planen Sie Freiflächenanlagen?

Schulze Pröbsting: Die Bundesregierung hat im Januar §35 im Baugesetzbuch geändert. Wir planen aktuell 75% der Freiflächenanlagen in den dort festgesetzten privilegierten Gebieten. Dies sind vor allem Flächen im 200 m Abstand von Autobahnen und doppelten Schienenwegen. Allerdings sind auch viele Projekte seit längerer Zeit in der Planungsphase. Diese finden sich in unserem Portfolio auf Deponien und Flächen mit guter Infrastruktur wie z.B. mit Umspannwerk wieder. Einige Anlagen werden auch in Industriegebieten geplant, da viele Firmen keine weiteren Dachlasten auf ihre Hallen aufbringen können.

Wie bewerten Sie Ansätze, um die Flächenkonkurrenz in der Landwirtschaft zu begrenzen wie Agri-PV, Moor-PV oder Biotopsolaranlagen?

Schulze Pröbsting: Dazu habe ich eine hoffentlich nachvollziehbare klare Meinung. Flächenkonkurrenz herrscht vor allem Dingen dort, wo intensive Landwirtschaft auf erneuerbare Energien trifft. Um die Konkurrenzsituation zu entschärfen, ist bisher bei unseren Projekten vorrangig der Flächeneigentümer auch Anteilseigner der PV-Anlage geworden. Dies werden wir auch in Zukunft beherzt weiter vorantreiben, damit die Wertschöpfung lokal erwirtschaftet werden kann.

Wir empfehlen unseren Kunden, ihre Flächen optimal zu nutzen. Bei Freiflächenanlagen ist dies eine Ost/West Ausrichtung. Je dichter die Reihen aneinander stehen, desto weniger Fläche wird verbraucht. Auch in der Infrastruktur wird hier immens gespart: keine überlangen Zaunanlagen und kurze Wege der verlegten Leitungen zum Einspeisepunkt sowie Kapazitätseinsparungen bei Wechselrichter und Trafostationen. Zusätzlich schont es die Netze, die zur Mittagszeit schon heute oft überlastet sind.

Wir müssen die Gemeinden und Landkreise auch auf die Vorteile hinweisen, die diese Erzeugung von Energie auf intensiven Ackerstandorten mit sich bringt. Die Idee vieler Gemeinden, eine Freiflächenanlage mit Ausgleichsflächen zu bestrafen, wirkt sich kontraproduktiv aus. Durch die Kompensierung dieser privilegierten Standorte werden weiter Ackerstandorte aus der Bewirtschaftung fallen. Es kann nicht das Ziel sein, bei einer weiter stark steigenden Erdbewohnerzahl die Nahrungsmittelproduktion zu bremsen.

Ich halte Agri-PV für eine willkommene Lösung in Dauerkulturen. Aber wenn wir die Energiewende schaffen wollen, kommen diese Anlagen nicht über ein Nischendasein hinaus.

Moor-PV und Biotopanlagen bieten sicher zusätzliches Potenzial. Doch dazu benötigt es eine weitere Novelle im Baugesetzbuch, um diese Flächen ohne große Hürden zu entwickeln.

Haben Sie auch in der Landwirtschaft schon „Garten-PV-Anlagen“ gebaut, wenn das Dach für die PV nicht geeignet war? Bei welchen Dächern kommt das vor?

Schulze Pröbsting: Dies kam noch nicht vor, da es bis dato noch keine Genehmigungsfähigkeit gibt. Ein Passus im aktuellen EEG würde dies jedoch vielleicht bald zulassen. Es gibt in Zukunft bessere Modelle, um diese Problemdächer auszunehmen. Die Produktion von Energie in einer Freiflächenanlage wird schon heute auch über Bilanzkreise direkt an große Firmen verkauft. Warum sollte es nicht auch im Kleinen möglich sein, das z.B. der Bewohner eines Reetdachhauses auf Sylt Energie an der Energieautobahn in Gescher produziert und verbraucht?

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