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Forschungsprojekt Eurokite: Schadet Windkraft Rotmilan weniger als gedacht?

Derzeit sorgt ein Beitrag in der ZDF-Sendung „Frontal 21“ für Diskussionen. Darin erklären Wissenschaftler, dass wesentlich weniger Rotmilane mit Windrädern kollidieren als bisher angenommen.

Lesezeit: 5 Minuten

Wegen des Rotmilans droht jedes zweite Windprojekt in Deutschland zu scheitern. Dennoch ist die Population hierzulande parallel zur Zahl der Windenergieanlagen gestiegen. Dieses Dilemma war das Kernthema des Beitrags „Rotmilan gegen Windkraft – Das Märchen vom bedrohten Greifvogel“ in der ZDF-Sendung „Frontal 21“ vom 22. Februar 2022.

In der Sendung kommen Wissenschaftler vom europaweiten Forschungsprojekt „Eurokite“ zu Wort, die über 500 Vögel mit GPS-Sendern ausgestattet haben. Ein Zwischenstand zu dem Forschungsprojekt: Es sterben wesentlich mehr Rotmilane durch andere Raubtiere, durch Gift, Kollisionen im Straßenverkehr und an Stromleitungen. Die Windenergie steht erst auf Rang 7 der Todesursachen.

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Diskussionen in sozialen Medien

Der Beitrag hat in den sozialen Medien für erheblichen Wirbel gesorgt. Die zitierten Wissenschaftler des Eurokite-Projekts sowie das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) haben deswegen dazu Stellung genommen.

Das „Life Eurokite“-Projekt wird von der MEGEG (Mitteleuropäische Gesellschaft zur Erhaltung der Greifvögel) in Zusammenarbeit mit 18 Partnern (NGOs, Netzbetreiber, Regionale Behörden) aus 10 europäischen Ländern und mehr als 20 Kooperationspartner (Universitäten, NGOs, Behörden und Ministerien) durchgeführt. 
„Da der Klimawandel die Lebensbedingungen für den Rotmilan in Europa verändert, ist ein effizienter Klimaschutz Voraussetzung für eine langfristige Erhaltung des Rotmilans in weiten Teilen Europas. Der Ausbau erneuerbarer Energie muss im Einklang mit der Erhaltung wertvoller Lebensräume und Arten stehen“, heißt es in der Stellungnahme.

Um diese Ziele zu erreichen, bauen die Projektpartner auf eine Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Jagd und Naturschutz sowie Energieversorgern. 
Das Ranking der Mortalitätsursachen des Rotmilans bezieht sich auf eine Stichprobe von mehr als 1.300 besenderten Rotmilanen. Die Auswertung ist ein Zwischenergebnis vom 10. November 2021 und bezieht sich auf die Mortalitätsdaten von 556 verstorbenen Rotmilanen in Festland-Europa. Bei 426 Individuen war zu diesem Zeitpunkt die Todesursache endgültig (Mortalitätsprotokoll lag vor und ein pathologischer Befund wurde erstellt, sofern dies möglich war) beurteilt. Von den restlichen 130 Individuen lagen zu diesem Zeitpunkt von 106 Rotmilanen noch keine endgültigen Ergebnisse vor, da die pathologischen Untersuchungen in der Regel mehrere Monate in Anspruch nehmen. Bei 24 Individuen war zu diesem Zeitpunkt die Todesursache nicht bestimmbar (z. B. wenn der Kadaver zu spät gefunden wurde).

Daten nicht nur aus Deutschland

Die Projektpartner räumen ein, dass sich die im Beitrag angesprochenen Zwischenergebnisse auf alle im Projekt auswertbaren Rotmilane beziehen. Diese Ergebnisse seien nicht per se auf die aktuelle Debatte um Todesursachen vom Rotmilan in Deutschland übertragbar (auch wenn dies im Beitrag so dargestellt wurde), da die Todesursachen in Europa ungleichmäßig verteilt seien. So würden z.B. Vergiftungen und illegale Abschüsse sowie der Stromschlag an Elektroleitungen in Deutschland wesentlich seltener auf als in anderen europäischen Staaten. Es sei zum derzeitigen Projektstand nicht auszuschließen, dass es in Zukunft zu Verschiebungen bei der Häufigkeit der Todesursachen kommt. Das Projekt läuft bis Ende 2027.

KNE: "Keine voreiligen Schlüsse ziehen!"

Auch das KNE warnt vor voreiligen Schlüssen, u.a. zu der Frage, ob aufgrund der Zwischenegebnisse das Kollisionsrisiko im Genehmigungsfall nicht mehr zu prüfen und auch Schutzmaßnahmen nicht erforderlich wären. „Die in der ZDF-Sendung berichteten Zwischenergebnisse sind bisher nicht wissenschaftlich nachprüfbar veröffentlicht. Bevor daher Schlussfolgerungen über die hauptsächlichen Todesursachen des Rotmilans und damit für den Umgang derselben in Genehmigungsverfahren gezogen werden können, bedarf es einer Überprüfung und wissenschaftlicher Einordnung der Ergebnisse“, erklärt das KNE in einer Pressemitteilung.

Zielführend wäre es, die Ergebnisse der Analyse von Todesursachen zu regionalisieren, denn es ist zu vermuten, dass die Häufigkeit der Todesursachen in den Sommer- und Winterverbreitungsgebieten variiert. Der europäische Durchschnitt verzerrt unter Umständen die Darstellung der Todesursachen. Zudem sind brütende Altvögel in der Eurokite-Untersuchung derzeit noch unterrepräsentiert, da die meisten Rotmilane als Jungtiere im Nest besendert wurden. All diese Faktoren können in Zukunft zu Verschiebungen bei der Häufigkeit der Todesursachen führen, meint auch das KNE.

Mögliche Schutzmaßnahmen

Zur Minimierung des Kollisions- und Tötungsrisikos werden regelmäßig Schutzmaßnahmen ergriffen. Diese dienen in der Signifikanzprüfung laut KNE dazu, das Risiko im Einzelfall auf ein zulässiges Maß zu senken und so zu verhindern, dass das Verbot verwirklicht wird. „Die Schutzmaßnahmen werden nicht überflüssig, wenn der Erhaltungszustand der betroffenen Art günstig ist, denn der Zustand der Population spielt bei der Beurteilung der Signifikanz gerade keine Rolle“, erklärt das Kompetenzzentrum. Zum Schutz, während der Brut- und Aufzuchtphase, in der die Aktivität der Vögel im Bereich des Horstes besonders hoch ist, könnten beispielsweise Abschaltungen der Windenergieanlagen auferlegt werden. Alternativ zu diesen pauschalen Abschaltauflagen könnten auch Antikollisionssysteme die Windenergieanlage anlassbezogen abschalten, wenn sich ein Vogel der Anlage gefährlich nähert.


Das Fazit

Das KNE resümiert: Aus dem Zwischenstand des Eurokite-Vorhabens können keine direkten Schlussfolgerungen über die Behandlung des Rotmilans in Genehmigungen von Windenergieanlagen gezogen werden. Als europäische Vogelart ist er laut Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Union geschützt. Die Frage, ob er durch Windenergieanlagen im konkreten Einzelfall signifikant erhöhten Tötungsrisiken ausgesetzt ist, wird durch die Zwischenergebnisse von Eurokite nicht beantwortet. Insofern können die Erkenntnisse derzeit keine Rückwirkungen auf seine Einstufung als kollisionsempfindliche Art oder das Erfordernis von Schutzmaßnahmen haben. Diese Entscheidungen seien an anderer Stelle zu treffen.

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