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topplus Keine Nutzungskonflikte

Großteil des deutschen Strombedarfs kann über Wind und Sonne gedeckt werden

Der Thünen-Präsident geht davon aus, dass langfristig der Großteil des deutschen Strombedarfs über Wind und Sonne gedeckt werden kann, ohne die Lebensmittelsicherheit zu gefährden.

Lesezeit: 3 Minuten

Der Ausbau der erneuerbaren Energien – ob Wind oder Photovoltaik (PV) – findet zum großen Teil auf landwirtschaftlich genutzten Flächen statt. Kritiker meinen, dass dies langfristig zu Lasten der landwirtschaftlichen Produktivität gehen könnte, da die Nutzung von Wind und Sonne schließlich noch deutlich ausgeweitet werden soll. Nach Einschätzung des Präsidenten des Thünen-Instituts, Prof. Folkhard Isermeyer, steht aber auch dann mehr als genug Fläche für Teller, Biomasse und regenerative Energien zur Verfügung.

Weitere 2 Millionen Hektar Nutzfläche verschwinden

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Wie Isermeyer beim Strategischen Forum der Deutschen Agrarforschungsallianz (dafa) gestern in Berlin feststellte, werden in den nächsten 50 Jahren rund 2 Mio ha der heutigen 16,6 Mio ha Landwirtschaftlicher Nutzfläche verschwinden. Dafür werden entweder die fortschreitende Versiegelung oder die politisch gewollte Ausweitung der Waldflächen und sonstiger Vegetation sorgen. Hinzu kommt der Flächenbedarf für PV- und Windkraftanlagen sowie die steigenden Ökosystemleistungen der Landwirte. Vor diesem Hintergrund scheinen ernste Zielkonflikte bei der Flächennutzung fast sicher.

Laut dem Thünen-Präsidenten ist jedenfalls die Konzentration auf die jeweils optimale Flächennutzung und die Nutzung von Synergieeffekten unumgänglich. Hier schneidet die herkömmliche Agrarproduktion – gemessen am Energieoutput pro Hektar – deutlich schlechter ab als erneuerbare Energien. Während mit Kulturpflanzen zwischen 30 und 50 Megawattstunden pro Hektar geerntet werden können, liegt die jährliche Energieausbeute mit Photovoltaik bei rund 1.000 MWh/ha, bei Windkraft noch deutlich höher.

Bedarf für Elektroenergie vervierfacht sich

Hinzu kommt: Das politische Ziel zum deutschen Ausstieg aus den fossilen Energien und der verstärkte Einsatz von Elektroenergie zum Heizen und im Verkehr werden nach Isermeyers Berechnungen langfristig einen jährlichen Energiebedarf von bis zu 2.000 Terawattstunden nach sich ziehen. Das wäre ungefähr viermal so viel wie heute.

Nach Überzeugung des Braunschweiger Agrarökonomen lässt sich der Gesamtbedarf jedoch zum großen Teil aus Wind und Sonne abdecken, sofern bis dahin die Speicherung der fluktuierenden Energielieferanten gelöst ist. Unter dieser Voraussetzung bräuchte es etwa 70.000 Windenergieanlagen onshore, was im Schnitt zwei Anlagen pro Dorf entspräche, bilanzierte Isermeyer. Nötig wären ihm zufolge weitere 1 Mio ha LF für Freiflächen-PV, um die Stromlücke zu schließen.

Flächenverlust leicht zu kompensieren

Dieser Flächenverlust wäre allerdings nach Isermeyers Darstellung zu verschmerzen, da durch den Umstieg auf elektrische Energie als Grundlage der meisten Prozesse beispielsweise kaum noch Bedarf für Bioenergie bestünde, deren Agrarrohstoffe heute auf rund 2,3 Mio ha angebaut werden. Unterm Strich wäre bei konsequenter Nutzung von Wind- und Sonnenenergie sogar weniger Agrarfläche erforderlich als heute mit Bioenergie, so der Thünen-Präsident.

Im Gegensatz zum Ausbau der Photovoltaik auf Parkplätzen und Gebäuden wäre eine Erweiterung der Freiflächen-PV nach seiner Auffassung auch wesentlich preiswerter und schneller zu bewerkstelligen. Weitere Vorteile: Agrar-PV wäre weniger invasiv als Windkraftfundamente und zudem leicht reversibel bei Umnutzung oder Repowering.

Keine Nahrungsmittelknappheit zu erwarten

Auch die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln wäre in diesem Szenario nicht gefährdet. Isermeyer geht davon aus, dass mit rund 10 Mio ha LF etwa 80 Millionen Menschen gut versorgt werden können, wenn nicht zu viel der Pflanzenproduktion im Trog landet. Damit blieben immer noch ungefähr 5 Mio ha für den Anbau von Biomasse für industrielle Zwecke, um dort petrochemische Stoffe zu ersetzen. Beziehe man allerdings Natur- und Klimaschutzziele wie Moorvernässung ein, werde landwirtschaftliche Nutzfläche auch in Zukunft ein knapper Faktor bleiben, betonte der Thünen-Präsident.

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