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Öl, Gas, Wärmepumpe, Holz: Das kosten die Heizungen im Vergleich

Die Regierungspläne und gestiegene Kosten veranlassen viele Betriebsleiter und Hausbesitzer dazu, über einen Wechsel der Heizung nachzudenken. Doch welche Alternative kommt infrage?

Lesezeit: 9 Minuten

Früher oder später trifft es jeden: Eine neue Heizung muss her. Landwirtschaftliche Betriebe sind da keine Ausnahme. Doch auf einem Hof spielen auch Faktoren eine Rolle, die bei einem Haus in der Stadt vernachlässigbar sind. Daher lohnt ein genauer Blick auf die Bedingungen vor Ort und die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben.

Üblicherweise kommen im landwirtschaftlichen Wohnbereich Biomasseheizungen oder auch Wärmepumpen infrage. Aber auch der Kauf einer Gas- oder Ölheizung auf den letzten Drücker kann für den ein oder anderen eine Option sein. Daher vergleichen wir diese vier Heizsysteme miteinander.

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Fest steht, dass gas- oder ölbetriebene Heizungen auch wegen der künftigen Rohstoffpreise kaum noch eine Zukunft haben. ­

Was rechnet sich?

Für die folgende Musterkalkulation haben wir die Investitionskosten und die Nutzungsdauer der Technik geschätzt. Für die Finanzierung wurde ein Annuitätendarlehen mit einem Zinssatz von 4,25 % unterstellt. Der Brennstoffbedarf erschließt sich aus den Wirkungsgraden der Heiztechniken und den Brennwerten der Brennstoffe.

Für die Vergleichsrechnung ­haben wir einen Wärmebedarf von 100.000 kWh pro Jahr angenommen. Das entspricht einem großen älteren Betriebsleiterhaus, welches nicht dem neuesten energetischen Stand entspricht, über die Jahre jedoch instand gehalten wurde. Der Wärmebedarf ist jedoch sehr individuell.

In der Rechnung wurden zunächst die Brennstoffkosten pro Jahr ermittelt und die sich daraus ergebenden variablen Kosten, inkl. Reparatur, Versicherung, Strom, Lohnansatz sowie Lagerkosten für den Brennstoff. Die festen Kosten ergeben sich aus der Summe der Abschreibungskosten und den Zinskosten. Variable und feste Kosten addiert, ergeben die Gesamtkosten der jeweiligen Heizung.

Ölheizung – bewährte Technik zum günstigen Preis

Der Investitionsbedarf für einen Ölbrennwertkessel, inkl. Installation, liegt bei etwa 18.000 €, die Lebensdauer wird mit 20 Jahren kalkuliert. Bei einem Energiegehalt für Heizöl von 10 kWh/l und einem Wirkungsgrad von 98 % sind also 10.204 l Heizöl pro Jahr nötig, um die o. g. Wärmemenge zu ­erzeugen.

Bei einem angenommenen Heizölpreis von 1,20 €/l sind das Brennstoffkosten in Höhe von 12.245 €. Die Gesamtkosten pro Jahr liegen bei 14.978 €. Bezogen auf die Kilowattstunde sind das 0,15 €.

Gasheizung – effizient und kompakt

Eine neue Gasbrennwerttherme für Gebäude mit hohem Wärmebedarf kostet inkl. Netzanschluss etwa 16.000 €. Auch hier liegt die Nutzungsdauer bei 20 Jahren. Eine ausgereifte Brennwerttechnik sorgt für hohe Wirkungsgrade. Bei einem angenommenen Gaspreis von 12 ct/kWh sind das Jahresenergiekosten von 12.629 €. Lagerkosten fallen bei Erdgas nicht an. Die Gesamtkosten für dieses Heizsystem liegen bei 14.395 € im Jahr. Bezogen auf die kWh sind das knapp 0,14 €.

Bei fossilen Energieträgern ist zu berücksichtigen, dass bis 2025 die CO2-Bepreisung weiter ansteigt. Derzeit werden Ängste geschürt, dass Gas und Öl unbezahlbar werden, doch niemand wagte eine Prognose darüber abzugeben, wie teuer die fossilen Energieträger tatsächlich werden könnten.

Für landwirtschaftliche Betriebe kann auch Flüssiggas eine Option sein, insbesondere wenn sie nicht ans Gasnetz angeschlossen sind. Bei Neuanlage kämen zusätzliche Kosten für einen Tank, plus Leitungs- und Anschlusskosten hinzu, sowie evtl. Kosten für die Umrüstung der Gastherme. Der Preis für LPG-Flüssiggas war im letzten Jahr etwas stabiler und lag bei ca. 9 ct pro kWh.

Wärmepumpen – effizient, wenn die Randbedingungen passen

Auf dem Markt sind Wärmepumpen mit unterschiedlichen Wärmequellen verfügbar, z. B. Luft, Erde oder Grundwasser. Die Effizienz dieser Wärmepumpen ist dann besonders groß, wenn das die Temperaturdifferenz zwischen der Wärmequellentemperatur und der Vorlauftemperatur des Heizsystems, besonders klein ausfällt.

Das ist beispielsweise bei einer Fußbodenheizung der Fall, deren Vorlauftemperatur sich im Bereich von 40 °C bewegt. Klassische Heizkörper dagegen benötigen bis zu 60 °C. Jedoch wäre zum Beispiel bei einer Sanierung der Einbau großflächigerer Heizkörper denkbar, um die Vorlauftemperatur abzusenken. Doch in vielen älteren Bauernhäusern mit hohem Wärmebedarf, veralteten Heizsystemen und schlechter Dämmung sind diese Anlagen dennoch schwer zu integrieren.

Bei fossilen Energieträgernist zu berücksichtigen, dass bis 2025 die CO2-Bepreisung weiter ansteigt.

Meist wäre eine umfassende Sanierung nötig. Wärmepumpen in einer entsprechenden Leistungsklasse sind teuer in der Anschaffung. 40.000 € müssen dafür veranschlagt werden. Momentan wird eine üppige Förderung von 40 % angeboten.

Betrieben werden Wärmepumpen mit Strom, zwar kann dieser in einem Großteil des Jahres mit einer eigenen PV-Anlage erzeugt werden, doch im Winter, wenn die meiste Wärme benötigt wird, erzeugt die PV-Anlage am wenigsten Strom. So erzeugt eine PV-Anlage in den Wintermonaten von Anfang November bis Ende Februar nur 10 % des Gesamtjahresertrages.

In der Kalkulation wird zur Vereinfachung der reine Netzbezug zu langfristig 0,36 €/kWh angenommen. Bei einer Jahresarbeitszahl von 3,5 (1 kWh Strom erbringt 3,5 kWh Wärme) beläuft sich der Strombedarf auf 28.571 kWh. Damit fallen pro Jahr Energiekosten in Höhe von 10.286 € an.

Insgesamt fallen Jahreskosten von 12.962 € an. Bezogen auf die kWh sind das 0,13 €. Dieser Wert gilt für einen mittleren Dämmstandard. Alte Bauernhäuser sind oft schlecht oder gar nicht gedämmt. Das kann die Rechnung stark beeinflussen. So käme man bei einer Jahresarbeitszahl von 2,5 bereits auf Gesamtkosten von 0,17 €/kWh. Fraglich bleibt, ob das Haus an kalten Tagen überhaupt warm genug wird.

Hackschnitzelheizung – passt zur Landwirtschaft

Holzhackschnitzel waren in der Vergangenheit auf Höfen sehr beliebt. Zwar sind sie teuer und technisch aufwendiger, jedoch ist der verwendete Brennstoff häufig in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben verfügbar.

Oftmals sind Holzhackschnitzelheizungen für Betriebe, die über Platz und Verladetechnik (Frontladerschlepper/Hoflader) verfügen, das Mittel der Wahl. Der Wärmebedarf und die Anlagenleistung spielen bei der Entscheidung für diese Technik ebenfalls eine wichtige Rolle. Hackschnitzelsysteme führen über Zuführelemente den Brennstoff in den Kessel. Hier kann Holz aus dem eigenen Wald eingesetzt werden.

Infrage kommt nicht marktfähiges Holz, das bei der Bewirtschaftung des Waldes anfällt, dazu zählt Kronenholz oder in den vergangenen Jahren vermehrt anfallendes Kalamitätsholz. Also Holz aus Beständen, die Borkenkäfer, Trockenheit oder schweren Stürmen zum Opfer gefallen sind. Bis es verbrannt werden kann, muss es zunächst eingeschlagen, abgelagert, gehackt und getrocknet werden.

Ist ein Wassergehalt von 20 % erreicht, können die Hackschnitzel in den Vorratsbehälter an der Heizung eingebracht werden. Für alle Arbeitsschritte ist schweres Gerät erforderlich, das auf den meisten aktiven landwirtschaftlichen Betrieben zur Verfügung steht.

Die benötigte Menge ist dabei sowohl abhängig vom Wärmebedarf des zu beheizenden Gebäudes als auch von der Qualität des Brennstoffs. Hier gilt, je trockener und reiner das Material, desto effizienter. Hohe Rinden-, Laub- und Schmutzanteile sorgen für erhöhte Schlackebildung im Kessel, vermehrten Ascheanfall und steigenden Wartungsaufwand.

12 ct/kWh mit Holz

In der Beispielrechnung wird ein Investitionsvolumen in Höhe von 60.000 € angenommen. Der neue maximale Fördersatz beträgt 20 %. Somit sind noch 48.000 € für die Neuanschaffung zu veranschlagen.

Bei einem Zukauf des Hackgutes zu einem Preis von 30 €/m³ liegen die Brennstoffkosten pro Jahr bei nur 4.181 € bzw. 0,04 €/kWh. Wer den Brennstoff günstiger generieren kann, liegt noch darunter. Lager-, Reparatur- und Stromkosten fallen höher aus als bei herkömmlichen Heizungen.

Und auch die Lohnkosten fallen wegen des erhöhten Arbeitsaufwandes, bei einem angesetzten Stundenlohn in Höhe von 25 €/h, hoch aus. Die Gesamtkosten für einen Hackgutkessel belaufen sich unter den getroffenen Annahmen auf 12.049 €. Bezogen auf die kWh erzeugter Wärme sind das 0,12 €.

Viele Variablen

Der Vergleich der Jahreskosten zeigt, dass die Gesamtkosten im Wesentlichen von den Brennstoffkosten abhängen. Bei einem Heizölpreis von 1,20 €/l dürften Hackschnitzel maximal 50 €/m³ kosten. Bei 1,50 €/l sogar knapp 70 €/m³.

Die Rechnung beweist, dass sich auch alternative Energieträger in Bestandsgebäuden auf dem Hof rechnen können, wenn die Grundbedingungen stimmen. Bei nicht optimal gedämmten Gebäuden kann zudem ein Hybridsystem aus Wärmepumpe und Erdgas infrage kommen. In kalten Phasen, wenn der Wirkungsgrad der Wärmepumpe gering ist, kann die Gastherme einspringen. Und bei den fossilen Energieträgern muss man langfristig mit einer Verteuerung rechnen.

Zwar ist auch der Strommarkt angespannt und Biomasse stark nachgefragt. Doch können Landwirte in diesem Bereich einen Vorteil ausspielen, indem sie Eigenstrom nutzen oder eigene Biomasse verheizen.

Ein Vergleich auf Basis von individuellen Angeboten lohnt sich also in ­jedem Fall, um eine Entscheidung für ein neues Heizsystem zu treffen. Ein Schnellschuss wegen eines kommenden Verbots von Öl- und Gasheizungen, kann am Ende teurer sein, als eine sorgfältig abgewogene Entscheidung. Ein wesentlicher Einflussfaktor ist dabei nicht zuletzt die Präferenz des Betriebsleiters, denn die Entscheidung für eine neue Heizung wird nur alle 20 Jahre getroffen.

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PLANUNG UND FÖRDERUNG

Wie sollte ich vorgehen?

Welche Heizung für Sie infrage kommt, hängt im Wesentlichen von den technischen Gegebenheiten in Ihren vier Wänden ab. Eine wichtige Rolle spielen dabei die benötigten Vorlauftemperaturen, die vorhandene Installation sowie der Wärmebedarf und Sanierungszustand des zu beheizenden Gebäudes. Diese Fragen sollten Sie vorab mit einem Heizungsinstallateur abklären. Oftmals können gewisse Systeme direkt ausgeschlossen werden.

Ist die Machbarkeit geprüft, sollten aussagekräftige Angebote eingeholt werden und auch die Marktlage der Brennstoffpreise analysiert werden. Neben den Investitionskosten sind die Energiepreise die größten Variablen. In der jüngeren Vergangenheit kam es zu einer Knappheit und zu Rekordpreisen bei Gas- und Öl. Jetzt sind die Preise wieder rückläufig. Langfristig sollte deshalb ein Durchschnittspreis für den Heizungsvergleich zugrunde gelegt werden.

Fördergelder für ­Heizungstausch

Ein weiterer Faktor bei der Entscheidungsfindung ist die mögliche Förderung verschiedener Heizsystem. Auch hier gibt es Unterschiede. Im Detail gehen wir hier auf die Förderungen Einzelmaßnahmen (BEG EM) für Biomasseanlagen und Wärmepumpen ein.

Bis vor einem Jahr gab es noch großzügige Zuschüsse für Biomasseheizungen. Hier wurden jedoch die Bedingungen deutlich verschärft und Gelder gekürzt. So können Hackschnitzelheizungen künftig nur noch gefördert werden, wenn sie mit einer Solarthermieanlage oder Wärmepumpe zur Warmwasserbereitung und/oder Raumheizungsunterstützung kombiniert werden. Diese Anlagen sind mindestens so zu dimensionieren, dass sie die Trinkwasserer­wärmung bilanziell vollständig decken könnten.

Neben den Investitionskosten sind die Energiepreise diegrößten Variablen.

Der maximale Feinstaubausstoß wird auf 2,5 mg/m³ Rauchgas begrenzt, was elektrostatische Filtersysteme erforderlich macht. Zusätzlich wird ein Heizungstauschbonus in Höhe von 10 % gewährt. Insgesamt werden Investitionen in Biomasseheizungen mit bis zu 20 % gefördert

Änderungen bei Wärmepumpen

Wärmepumpen sind das bevorzugte Heizsystem in den Plänen der Regierung. Hier winken aktuell Förderungen um 40 %, abhängig von der gewählten Technik. Die Förderung kann sich aber in den nächsten Monaten erneut ändern.

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