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topplus Serie Moor- und Klimaschutz

Landwirtschaft im Moor: Die Erfahrung der Pioniere

Praktiker zeigten auf der Konferenz "Moorschutz ist Klimaschutz“, wie sie heute auf Moorböden wirtschaften und welche Herausforderungen es gibt.

Lesezeit: 4 Minuten

Die Nutzung von wiedervernässten Moorflächen ist technisch und landwirtschaftlich eine Herausforderung. Wie Praktiker damit umgehen und welche Erfahrungen sie gemacht haben, zeigte die Tagung „Moorschutz ist Klimaschutz“ vom Greifswald Moor Centrum sowie des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege (DVL). In unserem dritten Teil unserer Online-Serie haben wir die Vorträge der Praktiker zusammengefasst.

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  • Heike Müller ist Landwirtin in einer GbR mit zwei Familien und Geschäftsführerin beim Bauernverband Malchin. Die GbR hat im Jahr 1992 einen Kuhstall am Niedermoor gebaut, damit die Kühe weiden können. Zudem erntet der Betrieb auf den Moorflächen Futter. „Das alles würde sich mit der Wiedervernässung ändern“, sagt sie.
  • Juliane und Sebastian Petri bewirtschaften in der Niedermoorlandschaft „Rhinluch“ in Brandenburg nordwestlich von Berlin einen Betrieb mit 280 ha, davon 200 ha auf Moorböden und 80 ha Naturschutzfläche. Der Wasserstand wird konstant 10 cm unter Flur gehalten. „Wir machen Heu für Pferde und halten Wasserbüffel“, erklärte Juliane Petri. Die Wasserbüffel eignen sich nach ihren Erfahrungen sehr gut zur Verwertung der Biomasse. Das Problem: Es gibt keinen Schlachthof in der Nähe, um das Fleisch regional vermarkten zu können. „Wir dürfen die Tiere zwar auf der Weide schießen, müssten dann aber innerhalb von einer Stunde mit dem Tier im Schlachthof sein. Das ist logistisch nicht zu machen“, sagt Sebastian Petri. Zur Bewirtschaftung setzen Petris auf umgebaute Pistenraupen, die sie auch zur Landschaftspflege bei anderen Betrieben im Lohn einsetzen.
  • Henning Voigt hält 120 Mutterkühe auf seinem Betrieb mit 500 ha Grünland rund um den Kummerower See in Mecklenburg-Vorpommen. Er wirtschaftet bereits in zweiter Generation auf wiedervernässten Flächen. Vom 1. Juli bis Ende August nutzt er das Zeitfenster von acht Wochen, um Heu zu werben. „Dann ist der Torfkörper in normalen Jahren ausreichend oberflächlich abgetrocknet“, erklärt er. Für die Arbeit nutzt er sehr leichte Traktoren mit breiten Reifen. Ein Biolegehennenstall hilft ihm, sinkende Erlöse in Jahren mit schlechterem Wetter abzupuffern. „Wer auf Moorböden wirtschaftet, braucht zusätzliche Sicherheiten, entweder mit weiteren Betriebszweigen oder in Form von Fördermitteln“, lautet sein Fazit.

Problem Pachtflächen

Eine weitere Schwierigkeit sieht Landwirtin Müller in der Eigentumsstruktur: 60 % der Flächen in Mecklenburg-Vorpommmern sind gepachtet. Mit der Wiedervernässung müssten also auch die Landeigentümer einverstanden sein. Zudem könnte die Änderung bewirken, dass die Banken Ländereien bei der Beleihung anders bewerten. „Aber wir sehen auch anhand von Bodensackung oder Degradation, dass die bisherige Bewirtschaftung auf Moorböden an ihre Grenze stößt. Wir müssen also etwas tun“, ist sie überzeugt. Zudem sei der vergangene Monat der trockenste März seit Aufzeichnung der Wetterdaten.

Vertrauen wichtig

Dr. Uta Berghöfer vom DVL hält es zudem für wichtig, dass Landwirte Vertrauen bekommen. „Es sind die wichtigsten Akteure bei der Wiedervernässung. Sie müssen hinter den Maßnahmen stehen und keine Angst davor haben, dass nachträglich Naturschutzgebiete entstehen, in denen sie nicht mehr wirtschaften dürfen“, machte sie deutlich. Die Mitarbeiter des MoKli-Projekts haben ihrer Aussage nach gute Erfahrungen gemacht mit „Landschaftsspaziergängen“, an denen verschiedene Akteure teilgenommen haben und Landwirte auf die jeweilige Situation in ihrer Region erläutern konnten.

Kosten von 2000 €/ha

Dr. Ulrich Mäck, Geschäftsführer ARGE Donaumoos aus Bayern, beziffert die Kosten für die Bewirtschaftung von Moorböden mit 2000 €/ha und Jahr. „Darin sind die Kosten für die Wiedervernässung noch nicht enthalten“, betont er. Dieses Geld müsste die Gesellschaft als Honorar für die Klimaschutzleistung an die Landwirte aufbringen. „Die Wiedervernässung schränkt die Landwirte ja auch bei der Nutzung ein. Von daher muss das keine herkömmliche Förderung, sondern eine Honorierung bzw. Finanzierung sein“, sagt er.

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