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Wärme fürs Dorf: Viele Hürden in der Praxis

Auch wenn Bürger, Bauern und Behörden an einem Strang ziehen, ist es ein steiniger Weg, bis sich ein Dorf mit Nahwärme versorgen kann. Das zeigt das Beispiel Westertimke aus Niedersachen.

Lesezeit: 4 Minuten

Als Magnus Sackmann mit seiner Familie vor wenigen Jahren in das 450-Seelen-Dorf Westertimke bei Tarmstedt in Niedersachsen zog, wunderte ihn eines sofort: Warum bezieht der Ort keine Wärme von einer der drei Biogasanlagen in der Nähe? Sackmann arbeitet selbst als kaufmännischer Angestellter bei der Schnackenberg GmbH, die eine Biogasanlage in Westertimke betreibt und ihre Wärme in das Gewerbegebiet „Timkepark“ abgibt.

Seine Idee fand beim Bürgermeister Knut Ehlert großen Anklang. „Es gibt hier im Dorf einige Baugebiete aus den siebziger Jahren mit alten Heizungen“, sagt Ehlert. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, welcher Haushalt wie heizt, wie viel Energie verbraucht wird und ob überhaupt Interesse am Anschluss an ein Nahwärmenetz besteht, hat die Gemeinde einen Fragebogen an 80 Haushalte verteilt. Das überraschende Ergebnis: 70 davon hätten sofort mitgemacht.

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Das ganze Dorf hat Interesse

Dann kam im Februar 2022 der Einmarsch Russlands in die Ukraine. Der schnell steigende Preis für Heizöl und Gas sowie die Aussicht auf die steigenden Energiekosten aufgrund des CO2-Preises weckte das Interesse vieler Bürger an einem Nahwärmekonzept auf einmal sehr plötzlich.

Im August 2022 ist dann die überarbeitete „Richtlinie zur Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW)“ in Kraft getreten. „Wir haben daraufhin eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die über das Programm gefördert wird und Voraussetzung für weitere Zuschüsse ist“, sagt Ehlert. Das hat den Gemeindehaushalt abzüglich 50 % Förderung vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) rund 50.000 € gekostet.

Alle Zeichen auf grün

Die Studie hat schnell ergeben: Die drei Biogasanlagen würden genügend Wärme liefern, auch wenn zwei von ihnen bereits ein Wohngebiet sowie einen Gewerbepark mit Wärme versorgen. Das Konzept sähe so aus:

  • Die Gemeinde könnte das Nahwärmenetz aufgrund guter finanzieller Ausstattung selbst bauen.
  • Die Biogasanlagenbetreiber würden Wärme an eine neu zu gründende Bürgerenergiegenossenschaft verkaufen, die das Netz betreibt.
  • Zur Versorgungssicherheit soll eine Großwärmepumpe im Zusammenspiel mit einem Pufferspeicher mit etwa 2.500 m3 Volumen oder mehr dienen.

Einige Hürden

Doch bei der weiteren Umsetzung haben sich einige Hürden aufgetan. Hierzu gehören:

  • Nach dem Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz darf eine Gemeinde selbst nicht wirtschaftlich tätig werden. Das darf nur ein Stadtwerk oder eine andere untergeordnete GmbH. „Die Bundesregierung will, dass die Gemeinden in die kommunale Wärmeplanung einsteigen. Planen dürfen wir – aber nicht umsetzen“, kritisiert Ehlert.
  • Die Heizzentrale und der Pufferspeicher müssten am Ortsrand stehen, also im Außenbereich. Nach der Landesbauverordnung sind Nahwärmenetze sowie ein Pufferspeicher im Baugesetzbuch nicht privilegiert. Besonders beim Pufferspeicher, der schnell 20 m Höhe und mehr haben kann, ist das ein Problem. „Dafür sind also ein Flächennutzungsplan mit Umweltverträglichkeitsgutachten nötig. Das dauert mindestens zwei Jahre“, sagt Ehlert. Ein privilegierter Bau dagegen wäre in der Hälfte der Zeit machbar.
  • Es gibt keine zentrale Ansprechstelle, die einer Kommune mit ehrenamtlichem Bürgermeister und Gemeinderat zur Seite steht und Informationen bündelt: „Von der Gründung einer Genossenschaft oder einer GmbH, Baurecht, Planungsrecht usw. muss man sich alles mühsam selbst zusammensuchen. Wie, bzw. was nicht geht“ wissen die behördlichen Vertreter dagegen schnell“, sagt Ehlert.

Damit ist klar: Selbst, wenn heute der Startschuss fiele, müssten die Bürger noch mindestens einen Winter auf den Anschluss ans Wärmenetz warten. „In der Zeit kann aber viel passieren. Die Politik in Berlin überrennt uns ja derzeit mit immer neuen Forderungen, die die Planungen von heute auf morgen vor neue Herausforderungen stellen“, beklagt der Bürgermeister.

Mit einer Bürgerversammlung noch vor dem kommenden Winter will die Gemeinde jetzt Nägel mit Köpfen machen: Anschlusswillige Bürger sollen eine Absichtserklärung unterzeichnen und damit die Basis legen für den Anschluss an das Wärmenetz.

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