top agrar plus Interview

„Die Herkunftskennzeichnung ist auch der Schlüssel für die Tierwohl-Finanzierung“

Die Geflügelwirtschaft will, dass die Gastronomie die Herkunft von Fleisch angibt. ZDG-Präsident Ripke über Herkunftskennzeichnung, die Finanzierung von Tierwohl und die Reduktion von Antibiotika.

top agrar: In einer groß angelegten PR-Kampagne fordert die Geflügelwirtschaft eine verbindliche Herkunftskennzeichnung von Fleisch in der Gastronomie in Deutschland. Warum?

Ripke: Wir fordern die Herkunftskennzeichnung schon jahrelang. Die Zeit ist reif dafür. Frau Klöckner hat sie immer mit dem Verweis auf EU-Recht abgewehrt. Wir haben jetzt für unsere Öffentlichkeitskampagne 12.000 Verbraucherinnen und Verbraucher gefragt. Davon sprechen sich 78 % für eine Herkunftskennzeichnung und 74 % für eine Tierwohlkennzeichnung aus. Wir setzen mit unserer Forderung also auch den Wunsch der Verbraucher um. Die Herkunftskennzeichnung ist entscheidend, weil sie auch der Schlüssel für eine Lösung bei der Finanzierung von mehr Tierwohl ist.

Frankreich flaggt die französische Herkunft bei frischem und gefrorenem Fleisch in der Außer-Haus-Verpflegung aus. Wie schaffen es unsere Nachbarn, dass das EU-rechtlich geht?

Ripke: Die Franzosen machen das im Rahmen eines Projektes. Sie unterlaufen praktisch in Form eines Feldversuches bei der Herkunftskennzeichnung die EU-Einschränkungen. Das ist geschicktes und national entschlossenes Handeln. Das sollte für Deutschland ein nachahmenswertes Vorbild sein. Das haben wir Frau Klöckner schon vor Jahren so vorgeschlagen. Jetzt sollte Minister Özdemir hier mutig voran gehen.

Agrarminister Cem Özdemir verweist nun bei der Herkunftskennzeichnung auf die EU-Kommission. Diese will bis Ende des Jahres Vorschläge für eine EU-weite Herkunftskennzeichnung vorlegen. Warum reicht Ihnen das nicht?

Ripke: Wir haben schon zu lange gewartet. Wir brauchen die Herkunftskennzeichnung für den Tierwohlfortschritt, den wir wollen. Ich erwarte von Herrn Özdemir, dass er nicht sagt, ich warte auf Brüssel. Sondern dass er sagt, wir haben das jetzt auf der Agenda und gehen aktiv voran.

Österreich macht die Herkunftskennzeichnung auf freiwilliger Ebene und nicht für die Gastronomie. Wie sehen Sie diesen Weg?

Ripke: Freiwillig ist für mich nicht die Lösung. Ich möchte die Verpflichtung haben, dass am Ende alle EU-Partner die Herkunftskennzeichnung machen müssen. Dann werden die großen Einzelhändler auch beim Einkauf und den Kontraktverhandlungen mit uns anders umgehen müssen, als es jetzt der Fall ist. Wir müssen die Zeit jetzt nutzen, damit es nicht wieder vier Jahre dauert.

Wenn alle Mitgliedstaaten auf ihre eigene Herkunft setzen. Muss die EU dann das Prinzip des gemeinsamen Binnenmarktes über Bord werfen?

Ripke: Nein, das geht natürlich nicht und wird auch nicht so kommen. Wenn wir die Herkunftskennzeichnung in Deutschland noch in diesem Jahr machen wollen, müssen wir es als Projekt machen, so wie die Franzosen. Deutschland muss der Treiber sein, das EU-Recht zu ändern für die nationale Herkunftskennzeichnung. Jedes EU-Mitglied wird die besonderen Vorteile seiner Lebensmittel heraus stellen. Grenzübergreifender Warenverkehr wird wie bisher möglich bleiben. Gegenwärtig sind die Initiative Tierwohl -ITW - bei Fleisch oder die KAT Zertifizierung bei Eiern gute Beispiele dafür.

Welche Informationen sollte die Herkunftskennzeichnung liefern?

Ripke: Die Information sollte nicht zu pauschal, sondern differenziert sein. Vor allem möchte der ZDG die...

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