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Thema Wilddichte: DJV und Forstwirtschaftsrat streiten über die Jagd

Forstwirtschaftliche Interessen dürfen keinesfalls über die Bedürfnisse von Wildtieren gestellt werden, mahnt der Jagdverband in Richtung Forstwirtschaft. Deren Forderungs-Papier sei antiquiert.

Lesezeit: 5 Minuten

Mit seinem aktualisierten Positionspapier zur Jagd bringt der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) die Jäger gegen sich auf. Er fordert u.a. eine schärfere Bejagung wegen der hohen Verbissschäden. Vegetationsgutachten sollten dazu die Höhe von Abschüssen festlegen. Außerdem wollen die Forstwirtschafter Mindestabschusspläne in der Jugendklasse und beim weiblichen Hochwild einführen. Auch sollte es durchweg Bewegungsjagden geben, so die Forstleute. Aber der Reihe nach.

Das sagt der Forst-Präsident

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DFWR-Präsident Georg Schirmbeck weiß, dass die heutige jagd- und forstrechtliche Gesetzgebung bereits einen zweckdienlichen Rechtsrahmen bilde, um die Schalenwildbestände dauerhaft auf ein waldverträgliches Niveau zu regulieren. Vielerorts bestehe jedoch eine erhebliche Diskrepanz zwischen diesen Vorgaben und ihrer praktischen Erfüllung. Hier diene das DFWR-Positionspapier als praktische Handreichung für die Stärkung des Grundeigentums vor Ort und zur Anpassung unserer Wälder an den Klimawandel.

Wild gehöre zwar fest zur Kulturlandschaft und habe seinen Platz in den Ökosystemen. "Doch wir müssen und können tierschutzgerecht, dabei nachhaltig und durchaus beherzt in unsere Wildbestände eingreifen, wenn wir unseren Nachfahren klimaresiliente Wälder hinterlassen wollen. Wald und Schalenwilddichte müssen im Einklang stehen“, fordert Schirmbeck.

Dringend handeln!

Darüber hinaus erforderten gravierende Schwarzwildschäden in der Landwirtschaft sowie die präventive und kurative Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest eine intensive und ebenso konsequente, besitzartenübergreifende Bejagung im Wald. Er hat keinen Zweifel, dass für große Teile der deutschen Waldfläche dringender Handlungsbedarf besteht. Hier seien die Nutzer des ländlichen Raumes gefordert, partnerschaftlich zusammenstehen.

Auch die Jäger haben seiner Meinung nach an dieser Stelle einen gesellschaftlichen Auftrag. Ich bin aber davon überzeugt, dass die meisten Jägerinnen und Jäger dies ebenso sehen und gewillt sind und ihren Beitrag mit dem Waldbesitz und den Försterinnen und Förstern leisten wollen“, so Schirmbeck.

DJV sieht das völlig anders

Das kritisiert der Deutsche Jagdverband (DJV) scharf. "Der DFWR hält an Jahrzehnte alten, erfolglosen Theorien fest, statt zukunftsweisende Lösungen zu präsentieren. Wildbiologischer Sachverstand fehlt", empört sich Dirk-Henner Wellershoff, zuständig für Wald im DJV-Präsidium. Die Pauschalkritik an angeblich zu hohen Wildbeständen müsse abgelöst werden durch eine differenzierte Betrachtung.

Wildschäden entstehen laut DJV zuallererst durch eine ungünstige Verteilung von Wildtieren im Raum. Schlüsselfaktoren für die positive Wildlenkung seien ausreichend Deckung und Nahrung. Dazu gehören ungestörte Äsungsflächen, Prossgehölze (Weichhölzer wie Birke) und Ruhezonen, gepaart mit einer Schwerpunktbejagung auf Aufforstungsflächen.

Integratives Wildtier- und Habitatmanagement muss in neues Bundeswaldgesetz

Forstwirtschaftliche Interessen dürfen keinesfalls über die Bedürfnisse von Wildtieren gestellt werden. Der DJV fordert deshalb eine wildökologische Raumplanung für ein integratives Wildtier- und Habitatmanagement auf ökologischer und sozio-ökonomischer Grundlage.

Die Novellierung des Bundeswaldgesetzes biete die Chance, in Bezug auf Waldbewirtschaftung und forstliche Rahmenplanung, die wildökologische Raumplanung zu implementieren, so die Jäger. Dies wäre ein wesentlicher und innovativer Lösungsansatz im Forst-Jagd-Konflikt.

Verbissgutachten sind ungeeignet für Abschusspläne

Der DJV kritisiert stark, dass der DFWR auf Grundlage von Vegetationsgutachten die Höhe von Abschüssen festlegen will. Auch führende Wissenschaftler bestätigen, dass nur auf Basis von Vegetationsgutachten weder Rückschlüsse auf die Bestandshöhen noch auf die Abschusshöhen möglich sind. Diese eindimensionale Betrachtung lässt eine notwendige Lebensraumbewertung völlig außer acht.

Vermehrte Wildschäden können beispielsweise dort entstehen, wo sich Wildtiere durch umliegende Störungen wie Wanderwege oder Straßen in Waldbereichen konzentrieren. Die Intensität des Verbisses sagt dann allerdings nichts aus über die Höhe des Bestands von Wildtieren.

Besonders kritisch sieht der DJV die Forderung, Mindestabschusspläne in der Jugendklasse und beim weiblichen Hochwild einzuführen. Dies würde zur Zerstörung der Altersstruktur führen und könnte das Geschlechterverhältnis verschieben. Insbesondere bei Gebirgsarten wie Stein- und Gamswild könne ein zu starker jagdlicher Eingriff in die Jugendklasse bestandsgefährdend sein, da witterungsbedingt sowieso bis zu 50 % der Lämmer und Kitze den ersten Winter nicht überleben.

Saat und Pflanzung brauchen waldbauliche Schutzmaßnahmen

Die Naturverjüngung in einem vitalen Mischwald muss ohne Schutzmaßnahmen funktionieren, hier sind sich DJV und DFWR einig. Anders sieht es bei Saat und Pflanzung aus, die notwendig ist, um Nadelholzmonokulturen überhaupt erst zu Mischwäldern umzubauen, sagt der DJV weiter. Betroffen sind 27 % der Wälder in Deutschland.

Vom Menschen eingebrachte Jungpflanzen sind besonders für Rehe hochattraktiv und schadensanfällig, selbst bei geringer Wilddichte. Ganz besonders gilt das für Pflanzen aus Baumschulen, da sie sehr nährstoffhaltig sind. Die Jagd muss in Aufforstungsflächen ohne Zweifel verstärkt werden. Alternativlos sind allerdings begleitende waldbauliche Schutzmaßnahmen.

Auf Bewegungsjagden im Januar verzichten

Der DJV ist überzeugt, dass Bewegungsjagden im Herbst bis maximal Ende Dezember helfen, den Jagddruck übers Jahr gesehen zu reduzieren. Allerdings versäume es der DFWR in seinem Jagdpapier, ausdrücklich auf Bewegungsjagden im Januar zu verzichten und so wildbiologische Erkenntnisse umzusetzen.

Schalenwild lebt während des Winters im Energiesparmodus, die Reduzierung des Stoffwechsels ist über die Tageslänge gesteuert. Bewegungsjagden führen dann zu erheblichem Stress und erhöhen das Risiko von Wildschäden sogar noch.

Ausbildung intensivieren und Forstkräfte einstellen

Eine "Intensivierung der jagdlichen und forstlichen Ausbildung" begrüßt der DJV. Damit werde das gegenseitige Verständnis von Forst- und Jagdseite gefördert. In beiden Ausbildungsrichtungen sollte unbedingt ein modernes Wiltiermanagement vermittelt werden.

Die Jagd ist laut DJV nur ein Instrument im Wildtiermanagment, mit ihr könnten Wildtierbestände reduziert und gelenkt werden. Weitere Instrumente zur Lenkung von Wildtieren seien unter anderem Wald- und Landbau, Besucherlenkung. Wildtierlenkung sei essenziell um Wildschäden vorzubeugen. Zudem brauche es im Forstbereich eine Ausbildungsinitiative. Durch Sparmaßnahmen wurden in den vergangen vier Jahrzehnten rund 60 % der Forstarbeiter wegrationalisiert. Diese Arbeitskräfte fehlen jetzt für den notwendigen Waldumbau, argumentieren die Jäger.

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