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Beratung: Zuerst den "Faktor Mensch" in den Blick nehmen!

Als Justiziar und Mediator hat Michael Nödl schon viele Landwirte im Zuge von Kooperationen und Hofübergaben begleitet. Im Interview erzählt er, warum er Beratungsgespräche heute anders angeht.

Lesezeit: 2 Minuten

Herr Nödl, Sie sind Justiziar beim ­Südbadischen Landesbauernverband. Bei der Beratung von Landwirten ­fordern Sie dennoch: Erst den „Faktor Mensch“ in den Blick nehmen, dann alles Weitere klären. Warum?

Nödl: In den 90er-Jahren haben wir Betriebe, die Kooperationen eingehen wollten, vor allem zu rechtlichen, ­steuerlichen und betriebswirtschaft­lichen Fragen beraten. Waren die Landwirte anfangs Feuer und Flamme, existierten nach ein paar Jahren kaum noch Kooperationen. Die Leute hatten sich zerstritten. Das brachte mich zum Nachdenken. Als frisch ausgebildeter Mediator fragte ich mich: Könnte man bei der Beratung nicht früher ansetzen, sprich die Positionen der einzelnen Parteien herausarbeiten und erst dann die Rahmenbedingungen festlegen?

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Was genau soll das heißen?

Nödl: Meine Idee war, Werkzeuge der Mediation einzusetzen, noch bevor sich ein schier unlösbarer Konflikt auftut. Die „Positionen der einzelnen Parteien herauszuarbeiten“ bedeutet, ihre Interessen und Ziele abzuklopfen, z. B. rund um eine Hofübergabe. Nur wenn sich genügend übereinstimmende Ziele finden, ergibt es Sinn, in das Übergabe-Projekt zu starten. Ich nenne das „­Präventive Projektmediation“.

Wie schaffen Sie es denn, dass sich die Mitglieder der Bauernfamilie öffnen?

Nödl: Zunächst muss ich einen geschützten Raum schaffen. So sichere ich etwa zu, dass vertraulich bleibt, was am Tisch erzählt wird. Dann lasse ich mich auf die Menschen ein und versuche, mit „guten Fragen“ u. a. Selbstverständlichkeiten aufzudecken.

Haben Sie ein Beispiel für eine solche „gute Frage“ vor der Hofübergabe?

Nödl: Vom Übergeber möchte ich etwa wissen: „Warum haben Sie sich für Ihre Tochter als Übernehmerin ­entschieden?“ Natürlich macht es ­einen Unterschied, ob die Antwort ­lautet: „Die anderen Kinder haben Nein gesagt“ oder „Meine Tochter ist am besten geeignet, fortzuführen, was ich hier aufgebaut habe“. Die Übernehmerin frage ich, was sie motiviert, sich für den Hof zu entscheiden.

Wann ist „Präventive Projektmediation“ für Sie erfolgreich?

Nödl: Grundsätzlich arbeite ich ergebnisoffen. Ich bin zufrieden, wenn die Leute sich über ihre eigenen Ziele und die der übrigen Beteiligten klar geworden sind und sich so bewusst für oder gegen ein gemeinsames Projekt wie die Übergabe entscheiden können.

Nachhaltige Projekte

Michael Nödl (65) arbeitet seit 33 ­Jahren als Justiziar beim Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband e. V. Seit 2013 ist er stellvertretender Hauptgeschäftsführer. In seinem Buch „Projekte und Verträge nachhaltig ­gestalten“ stellt der Mediator die Methode der „Präventiven Projektmediation“ vor.

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