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Von Bauern für Bauern: Beratung im Team

Anregungen aus der Praxis heraus und durch verschiedene Brillen – das wollen zwei Beraterteams aus Bayern und Niedersachsen bieten. Wir haben gefragt, was dahintersteckt.

Lesezeit: 4 Minuten

Bürokratie-Berge, finanzielle Engpässe, Zeitdruck, Streitigkeiten in der Familie, Kritik von außen – die Last auf den Schultern vieler Bäuerinnen und Bauern ist enorm. Immer mehr fühlen sich überlastet. Sich Hilfe zu holen, fällt aber oft schwer. Und wer sich doch traut, zielt meist darauf ab, den Betrieb weiter zu optimieren. Frust, Erschöpfung oder Zukunftsängste anzusprechen und sich in dieser Richtung beraten zu lassen, scheint noch einmal eine ganz andere Herausforderung darzustellen.

Gegen Betriebsblindheit

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Dabei gibt es innerhalb der Agrarbranche eine Vielzahl an Beratungsangeboten. Die meisten davon lassen sich auf Institutionen zurückführen, z. B. Kammern und Verbände. Ein Teil aber entsteht aus den praktischen Erfahrungen der Bauern selbst – ergänzt um zusätzliche Expertise.

So hat etwa Richard Gögler, Milchviehhalter aus dem Allgäu, Mitte vergangenen Jahres zusammen mit Tierärztin, Mediatorin und Coachin Christine Groß das Beratungsunternehmen „G’sunder Hof“ gegründet. Um den Bauern zur Seite zu stehen, nimmt das Duo bis zu 100 km Fahrtstrecke auf sich.

Der Landwirt meint: „In der Branche kennt jeder jeden. Da will man nicht schwach erscheinen. Manchmal werden wir aber im wahrsten Sinne des Wor­tes ‚betriebsblind‘.“ Ein frischer Blick könne dann enorm helfen, Abstand zu gewinnen und eingefahrene Strukturen aufzubrechen, die sich oft nur noch wie ein nerviger Teil des Alltags anfühlen.

Wie man aufwächst, bestimmt die eigene Sicht auf die Familie und den Betrieb. Lässt man keine andere Perspektive zu, besteht die Gefahr, sich zu verzetteln."
Daniel Kleemann

Auch Rinderzüchter Daniel Kleemann aus Ostfriesland hat mit Verhaltensforscherin und Tierkommunikatorin Meike Böhm eine Fortbildung für seine Berufskollegen ausgearbeitet. Schließlich weiß er, wie wichtig es ist, Impulse von außen zu bekommen. Am eigenen Leib hat er erfahren: „Wie man aufwächst, bestimmt die eigene Sicht auf die Familie und den Betrieb. Lässt man keine andere Perspektive zu, besteht die Gefahr, sich zu verzetteln.“

Beratung, die mehrere ­Faktoren berücksichtigt

Eine Besonderheit ist den genannten Beispielen gemein: Hinter ihnen steckt die feste Überzeugung, dass Beratung dann am besten greift, wenn sie sich den Problemen aus mehreren Rich­tungen nähert. Denn diese sind oftmals verkettet, sprich: Gibt es in der Familie Zwist, wirkt sich das womöglich auch auf den Betrieb aus, und andersherum.

„Ich habe sowohl in unserem Umfeld als auch bei meiner tierärztlichen Kundschaft beobachtet, dass Beratung an ihre Grenzen stößt, wenn sie nicht das Gesamtpaket umfasst“, bekräftigt Tierärztin Christine Groß. Natürlich gebe es auch rein gesundheitliche Pro­bleme im Bestand. Aber: Wenn auf den Höfen nicht genügend Arbeitskraft verfügbar ist oder die Familie nicht an einem Strang zieht, scheitere sie als Tierärztin mit jeglichen Vorschlägen und Konzepten rund um Eutergesundheit, Fruchtbarkeit und Fütterung.

Von dieser Warte aus betrachtet, erinnern die Beispiele natürlich an die ­sozioökonomische Beratung von Landwirtschaftskammern, Landesportalen oder Verbänden, bei der zwischenmenschliche und wirtschaftliche Anliegen gleichermaßen auf den Tisch kommen.

Dazu ein kleiner Exkurs: Viele unserer Leserinnen und Leser scheinen diese Form der „ganzheitlichen Beratung“ zu befürworten. Ende November wollten wir auf der top agrar-Homepage nämlich wissen: Fänden Sie es sinnvoll, das Angebot sozioökonomischer Beratung auszuweiten? Dabei klickten 73 % der rund 130 Umfrage-Teilnehmer auf „Ja“. Ein solches Angebot würden sie selbst gerne in Anspruch nehmen.

Sich darauf einlassen

Fest steht jedoch: Beratung anzunehmen, d. h. einen ungewohnten Blickwinkel einzunehmen, muss man erst einmal lernen. Und Aspekte einzubeziehen, die zunächst weniger mit dem Tagesgeschäft oder den konkreten Streitereien zu tun haben, fällt noch einmal schwerer. Auch Vorurteile und Sätze wie „Das haben wir immer schon so gemacht“ können hemmen.

Landwirt Daniel Kleemann jedenfalls kann Positives verbuchen: Seine Kühe betrachtet er nun vor allem als „Mitarbeiter“, denen er vom Tagesplan erzählt – eine Idee, die ihm Tierkommunikatorin Meike Böhm nähergebracht hat. Das Ergebnis: weniger Unruhe etwa bei der Klauenpflege.

Warum mir das Thema wichtig ist: Sich mit Menschen zu beraten, die vor ähnlichen Herausforderungen ­stehen, stärkt den Zusammenhalt. So geht es auch mir selbst. Gleichzeitig ist der Impuls von außen manchmal genau das, was mich bei der Arbeit erst weiterbringt.

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