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topplus Ab dem 24. Juli

Neue ARD-Serie „Hofgeschichten“ startet

Neun Tage lang filmte ein Produktionsteam für die neue ARD-Serie „Hofgeschichten“ auf dem Betrieb von Marie Woeste und Lewis Zierke. Ab dem 24. Juli sind sie im Nachmittagsprogramm zu sehen.

Lesezeit: 6 Minuten

Dieser Beitrag ist zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landlebenerschienen.

Gemüse ernten, Kisten packen, Hühner verpflegen – und das alles während die Kamera läuft. Bei Marie Woeste aus Lüdenscheid war Anfang Mai ein Fernsehteam zu Besuch. Neun Tage lang wurde für die neue ARD-Serie „Hofgeschichten“ gedreht. „Mein Partner Lewis und ich fühlen uns geehrt, als einer von zwei Betrieben aus NRW in der Sendung sein zu dürfen“, sagt Marie.

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In den 17 Folgen der Serie geht es um die alltäglichen Herausforderungen und Arbeiten auf zwölf unterschiedlichen Bauernhöfen. „Das Produktionsteam hat besonders viel Wert darauf gelegt, dass alles authentisch ist“, erzählt die 26-jährige Landwirtin, für die das nicht die ersten Dreharbeiten waren.

Von Land und Lecker

Schon im vergangenen Jahr nahm sie als eine der Kandidatinnen an der TV-Serie „Land und Lecker“ im WDR teil. „Meine Mutter und ich haben die Sendung oft zusammen geguckt und wollten immer schon mal dabei sein“, erinnert sich Marie. Der Wunsch ging in Erfüllung als ein Imker aus der solidarischen Landwirtschaft (Solawi), die Marie und Lewis ins Leben gerufen haben, sie für „Land und Lecker“ empfahl. Und so kochte Marie gemeinsam mit ihrer Mutter ein Kräuter-Menü, Lewis präsentierte den Gästen den Hof Woeste – und die Sendung war ein voller Erfolg. „Wir haben viel positives Feedback bekommen“, sagt Marie. Das motivierte die junge Familie. Als eine der Autorinnen von Land und Lecker sie wegen Hofgeschichten anrief, war das Paar direkt an Board. „Der Dreh war noch mal etwas ganz anderes“, erzählt die Landwirtin. „Es ging vielmehr um unseren Alltag. Das Fernsehteam lief einfach mit, während wir arbeiteten – und es durfte auch mal authentisch etwas schiefgehen.“

Landwirtschaft für alle

In der ARD-Serie sollen nun Landwirte und Landwirtinnen vorgestellt werden, die für ihren Beruf brennen. Das tun Marie und Lewis allemal. Schon in ihrem Studium der ökologischen Landwirtschaft kam dem Paar die Idee: Sie wollten den 600 Jahre alten Hof von Maries Familie neu bewirtschaften und allen zeigen, dass nachhaltige Landwirtschaft mit wenig Fläche wirtschaftlich sein kann – und das im Sauerland. Nachdem das Paar die ersten Pläne geschmiedet hatte, gaben sie eine Anzeige für einen Informationsabend zum Projekt Solidarische Landwirtschaft in der Zeitung auf. Mit Erfolg: Über 100 Leute kamen und mehr als 20 zeichneten noch am selben Abend Anteile.

Seither hat sich einiges entwickelt. Mit 1,7 ha Wintergemüse und etwa 1 ha für Sommergemüse und Kräuter versorgt der Hof Woeste rund 250 Haushalte. Neben den beiden arbeiten mittlerweile drei weitere Vollzeitbeschäftigte auf dem Hof. Außer dem Gemüse können die Mitglieder der Solawi auch Anteile für die jährlich 500 Weidehähnchen erstehen. „Die Hähnchen sind Lewis Sache. Er hat sich damit einen kleinen Traum erfüllt“, sagt Marie. Beim Gemüse und vor allem den Kräuterbeeten hat sie das Zepter in der Hand. „Für uns funktioniert es gut, dass jeder seinen Herrschaftsbereich hat, eigene Ideen umsetzten und Stärken einsetzen kann“, erzählt die werdende Mutter.

Lächeln und Ernten

Eine gemeinsame Stärke des Paars: Keine Hemmungen vor Zuschauern. „Wir betreiben auch in unserem Hofalltag viel Öffentlichkeitsarbeit und erklären was wir tun“, sagt Marie. „Das erleichtert so einen Dreh natürlich.“ Die Landwirtin spielt damit unter anderem auf die Mitmach-Samstage an, die jeden Monat für die Mitglieder der Solawi auf dem Hof Woeste stattfinden. Aber auch Schulklassen und andere Gruppen kommen regelmäßig für Hofführungen vorbei. Trotzdem war die TV-Serie etwas anderes. „Da wir so viel Einzelheiten erklärt haben, sind Lewis und ich manchmal in Agrar-Fachsprache abgedriftet“, sagt Marie schmunzelnd. „Dann hieß es vom Produktionsteam immer: „Jetzt noch mal für ,Die Sendung mit der Maus‘.“ So wurde erklärt, geerntet und gebastelt. Das Paar ging dabei auch Projekte an, die im Alltag sonst auf der Strecke bleiben, zum Beispiel das Projekt „Trockentoilette“.

Trotz „Chaos-Ecke“

In jeder Folge der Hofgeschichten werden aus allen Drehtagen Kurzgeschichten von jeweils acht Minuten pro Betrieb gezeigt. „Wir sind total gespannt, wie das Ganze am Ende aussieht“, sagt Marie. Schließlich bekommen die beiden das Endergebnis, genau wie alle anderen, erst am 24. Juli im Fernsehen zu sehen. Angst vor bösen Überraschungen hat Marie aber nicht. Wenn sie sich mit einer Szene während des Drehs unwohl wühlten, konnte das Paar den Reportern sagen, dass sie diese Szene lieber nicht mit in die Sendung ­aufnehmen sollen. „Natürlich dachte ich auch zwischendurch: Oje, dahinten ist ja noch diese eine unaufgeräumte Chaos-Ecke“, erinnert sich Marie, „aber wie bei Land und Lecker waren die Menschen vom Fernsehen extrem wohlwollend.

Lange Drehtage

Trotz des unsteten Wetters dauerten die neun Drehtage im Mai zwischen sieben und neun Stunden pro Tag. In Regenkleidung gemummelt arbeiteten Marie, Lewis und ihre Mitarbeiter häufig in den Gemüsetunneln und fingen sich am selben Tag bei der Draußenarbeit einen Sonnenbrand ein. Im Vor­hinein hatte es grobe Absprachen gegeben, was Marie und Lewis für die Tage geplant hatten, Abweichungen waren aber auch kein Problem.

Besonders herausfordernd für Marie und das Team vom Hof war der zweite Drehtag, der gleichzeitig der erste Abholungtag des Jahres für die Solawi-Kisten war. „Da musste sich erst einmal einiges einspielen. Trotz Anstrengungen hat ­alles insgesamt gut funktioniert“, resümiert die 26-Jährige. Für die Anstrengungen beim Dreh erhalten Marie und Lewis kein Gehalt, sondern eine Aufwandsentschädigung.

Vorfreude und Zuspruch

Jetzt freut sich das Paar vor allem auf die Einspieler von ihren Mitarbeitern und den Mitgliedern der Solawi. „Das war schon bei Land und Lecker unser Highlight“, erinnert sich die Landwirtin. „Es war total rührend zu sehen, wie viele nette Worte und Rückhalt die Menschen für uns übrig hatten – sowohl vor der Kamera als auch nachher im direkten Gespräch.“

Im Gegensatz zu Land und Lecker hofft das Paar, noch einige jüngere Menschen zu erreichen und so neue Praktikanten und Mitarbeiter zu gewinnen. Vor allem wünschen die beiden sich aber, allgemein mehr Menschen über soli­darische Landwirtschaft informieren und dafür begeistern zu können. „Wir haben gezeigt, dass Landwirtschaft im Kleinen auch Mitten im Sauerland möglich ist“, sagt Marie Woeste bestimmt, „das kann vielleicht auch andere Landwirte und Landwirtinnen mitreißen.“

Solidarische Landwirtschaft

Bei der solidarischen Landwirtschaft (Solawi) schließen sich Konsumenten und Konsumentinnen zu einer Gemeinschaft zusammen. Diese finanziert mindestens einen landwirtschaftlichen Betrieb als Ganzen, keine einzelnen Lebensmittel. Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit bilden dabei die Basis.

So betreiben die Landwirtinnen und Landwirte in der Regel ökologische Landwirtschaft und verwenden keine chemischen Substanzen und Pestizide. Die Konsumenten und Konsumentinnen erwerben Anteile an der Landwirtschaft meist nach dem Solidarprinzip. Das heißt, es gibt zumeist einen Richtwert für den Preis pro Anteil. Die Mitglieder können aber auch mehr oder weniger geben, sofern die Kosten für den Betrieb insgesamt gedeckt sind.

Auch die Mithilfe im Betrieb ist ein Aspekt der Solawi. Ob diese jedoch verpflichtend, freiwillig oder gar nicht erwünscht ist, variiert.

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