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Patchworkfamilien in der Landwirtschaft: Manchmal muss man aushalten

„Je älter die Kinder werden, desto leichter wirds“, sagt Lisa*. Sie und Fritz* leben seit 22 Jahren das Patchworkmodell. Inzwischen bereichern sieben Enkelkinder die Familie.

Lesezeit: 3 Minuten

Meine, deine, unsere Kinder: In Patchworkfamilien geht es vermeintlich laut und fröhlich zu. Doch es gibt mehr Konfliktpotenzial, als es auf den ersten Blick scheint. Hier geht es zu unserem Einführungsbeitrag.

Rückblickend kann ich sagen: Das Zusammenleben in einer Patchworkfamilie wird mit den Jahren einfacher. Man selbst wächst daran und auch die Kinder entwickeln sich, finden Partner und gründen eigene Familien“, sagt die 60-jährige Lisa am Telefon. Ab und an hört man im Hintergrund ihre Enkelin, die endlich wieder mit Oma spielen will. Mit zunehmendem Alter hätten ihre vier Kinder anders auf das geguckt, was sie erlebt haben und verstanden, was für eine Kraft es brauchte, um die Familie zusammenzuhalten.

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22 Jahre ist es her, da zog Fritz zu Lisa und ihren Kindern – damals vier, sechs, neun und zwölf Jahre alt. Fritz, der schon relativ jung Vater geworden war, kam allein. Seine beiden Ältesten waren bereits zum Studieren aus dem Haus; die zwei Jüngeren blieben bei ihrer Mutter. Und dennoch: Alle acht Kinder fanden recht schnell einen Draht zueinander, freuten sich, wenn sie sich sahen, teilweise als wären enge Freunde zu Besuch gekommen.

Auch wenn nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen ist – uns gehts schon gut."
Lisa, 60 Jahre

„Für meine Kinder war Fritz einfach ‚Fritz‘, ein Ziehvater, der sie mit erzog. War er mit einer Sache oder einem Verhalten nicht einverstanden, fand er dafür auch klare Worte“, sagt Lisa. Und anders herum? Lisa mischte sich eher nicht ein: „Bei ihrer Mutter lebten die Kinder ein ganz anderes Leben. Da fiel es mir schwer, etwas zu sagen. Aber ich unterstützte Fritz, wo ich konnte, und hielt mit ihm aus, wenn es schwierig wurde.“

Reden, reden, reden

Die größte Herausforderung, vor der eine Patchworkfamilie steht? Nur eine Antwort? Lisa fallen, ohne nachzudenken, gleich mehrere Dinge ein: im trubeligen Alltag auch noch Zeit für die Partnerschaft zu finden, Mitgebrachtes à la „Das haben wir immer so gemacht“ anzuerkennen und gleichzeitig neue, gemeinsame Rituale zu etablieren. Außerdem gut miteinander zu kommunizieren. „Das muss man erst mal üben. Gerade, wenn es um schwierige Themen geht. Das war auch für uns ein langer Lernprozess. Am Anfang macht man sich ja keine Vorstellung davon, was es bedeutet, zwei Familien zusammenzuführen. Man freut sich auf das, was da kommt. Die Probleme tauchen erst später auf“, meint Lisa.

Und eine Ziellinie, hinter der es keine Sorgen oder Unsicherheiten mehr gibt, erreicht man sowieso nie. Immer wieder stellen sich neue Fragen, z. B. ist es okay, wenn das nicht-leibliche Enkelkind „Opa Fritz“ sagt („Soll es nicht“, sagt Fritz). Außerdem steht immer wieder etwas an. Erst kürzlich wurde Lisas Enkelin an der Ostsee mit Meerwasser getauft. Natürlich war auch ihr Ex-Mann vor Ort. Das wäre in den ersten Jahren nach der Scheidung undenkbar gewesen. Nun ist es völlig in Ordnung.

Apropos Familienfeste: Zu Weihnachten kommen alle auf Lisas und Fritz’ frisch sanierter Hofstelle zusammen, um unterm Tannenbaum zu singen. „Weil wir so viele sind und die Kinder inzwischen je ihre eigenen Familien und Traditionen haben, brauchen wir jedes Jahr mindestens drei Feiertage“, sagt Lisa und muss schmunzeln. „Auch wenn nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen ist – uns gehts schon gut.“

*Namen von der Redaktion geändert

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