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Betriebszweig erweitern, neu eröffnen oder kooperieren? So gehen Sie das Thema an

Wachsen mit dem bestehenden Standbein, einen neuen Betriebszweig eröffnen oder lieber eine Kooperation eingehen? Wir zeigen Ihnen, welche Schritte dabei helfen, den richtigen Weg zu finden.

Lesezeit: 8 Minuten

Wie soll es mit dem Betrieb weitergehen? Was ist unser Ziel? Diese Frage ist für viele Landwirte spontan derzeit schwer zu beantworten.

Doch wer etwas in sich hineinhört, bekommt in der Regel schon ein Gefühl dafür, was die eigenen langfristigen Ziele sind: Vielleicht ist es die Übergabe des Hofes an die nächste Generation, die Reduzierung der Arbeitslast oder einen neuen Betriebszweig zu eröffnen.

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Und über all dem schwebt die Anforderung, rentabel zu arbeiten und ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften. Doch wie kommt man dahin? Der Weg zu einem Betriebsalltag, der alle Bedürfnisse abdeckt, braucht einen Plan, eine Strategie.

In unserer Serie zu Betriebsstrategien zeigen wir Ansätze, wie Sie als Betriebsleiter alte Denkmuster aufbrechen und wirtschaftliche Zukunftsstrategien entwickeln. In den nächsten Heften stellen wir dann Landwirte vor, die über ihren Weg berichten.

Wie neue Ideen entwickeln?

Wie entwickeln Landwirte eine Strategie? Dr. Viktoria Graskemper von der Uni Göttingen fand in Ihrer Doktorarbeit heraus, dass die Persönlichkeit des Betriebsleiters selbst den größten Einfluss auf die Strategiewahl hat.

Je kreativer und risikofreudiger sich ein Landwirt einschätzt, desto eher neigt er zur Diversifikation und baut mehrere Betriebszweige auf oder erhöht die Wertschöpfung seiner Produkte. Für neue Ideen bedarf es an Kreativität. Doch die stellt sich nicht von allein ein. Darin sind sich alle unsere Experten, die wir zu dem Thema befragt haben, einig. Stattdessen benötigt Kreativität vor allem eines: Raum.

Je kreativer und risikofreudiger sich ein Landwirt einschätzt, desto eher neigt er zur Diversifikation.
Dr. Viktoria Graskemper

Sie brauchen Zeit, um Gedankenanstöße zu bekommen und neue Ideen zu entwickeln. Aber auch ein Besinnen auf Ihre eigenen Stärken ist wichtig für die zukünftige Strategie. Denn was Sie gerne machen, machen Sie in der Regel auch gut. Was macht Ihnen Freude und wo vergessen Sie die Zeit? Welches Geschäftsmodell passt dazu? „Die Landwirte sollten sich genug Zeit nehmen, um diese Fragen zu beantworten“, sagt Eckart Schlamann, Unternehmensberater aus Lengerich, NRW.

„Die Betriebsleiter müssen sich aktiv Freiräume schaffen, um an der Betriebsentwicklung zu arbeiten. Denn den Betrieb, auf dem alle Arbeit erledigt ist, gibt es nicht“, plädiert auch Fritz Gronauer-Weddige, Schulleiter der Höheren Landbau- und Tech­­nikerschule im bayerischen Triesdorf. Auch würden viele Landwirte das Entwickeln von neuen Geschäftsfeldern nicht als Arbeitszeit anerkennen. „In anderen Branchen gelten Innovationen als zentrale Unternehmeraufgabe, um zukunftsfähig zu bleiben“, sagt der Schulleiter.

Sein Tipp: Richten Sie sich regelmäßig freie Zeiträume in den Arbeitsalltag ein: Beispielsweise ein fester Bürotag in der Woche. Morgens erledigen Sie erst zwei oder drei Stunden Büroarbeit, danach sollten Sie die restliche Zeit für die Betriebsentwicklung blocken.

Regelmäßig austauschen

Ein weiterer Rat aller Experten: Schauen Sie immer wieder über den Tellerrand, um den Blick für den eigenen Hof zu weiten. Ansonsten werden Sie leicht betriebsblind. Dazu gehört zum einen, dass Sie sich fortlaufend weiterbilden, wie auf Fachveranstaltungen, Seminaren für Persönlichkeitsentwicklung, Unternehmerschulungen, Arbeitskreisen oder Agrarreisen ins Ausland.

Suchen Sie aber auch den Austausch mit anderen Menschen über Ihre betrieblichen Ideen. Auf den Veranstaltungen lernen Sie andere Unternehmer kennen und tauschen sich aus. Je offener Sie sprechen können, desto besser. Denn ein ehrliches Feedback zu Ihrem Betrieb ist viel wert. Daher lohnen sich auch Veranstaltungen, die nicht im eigenen Kreis liegen. So hat Gronauer-Weddige bei seinen Schülern die Erfahrung gemacht, dass diese ganz offen über betriebliche Probleme sprechen können, weil sie aus verschiedenen Teilen Bayerns kommen. „Sie stehen dann nicht unter der Beobachtung der Nachbarn“, sagt er.

Laden Sie Landwirte aber auch Branchenfremde ein und fragen diese, was sie auf dem Hof verändern würden.
Eckart Schlamann

Wichtige Sparringspartner bei der Entwicklung neuer Ideen sind die Familienmitglieder, wenn Sie tabufrei mit­einander diskutieren können. Graskemper konnte in ihrer Studie nachweisen, dass die Mitwirkung von Familienmitgliedern sich positiv auf die Fortführung und Entwicklung von landwirtschaftlichen Betrieben auswirkt. Haben Sie beispielsweise den festen Bürotag, wie oben beschrieben, könnten Ihr Partner oder der künftige Hofnachfolger sich die Zeit dort auch regelmäßig für gemeinsame Gespräche blocken.

Aber auch Nichtlandwirte geben neuen Input. „Laden Sie auch branchenfremde Freunde und Bekannte auf den Hof ein und fragen Sie diese: Wie seht ihr meinen Betrieb aufgestellt? Was würdet ihr machen mit diesen Ressourcen? Was passt zu mir und meinen Stärken?“, rät Schlamann, „Dabei sollten Sie erstmal nur zuhören und die Ideen nicht direkt bewerten, ob es geht oder nicht.“

Die Chancen der Ausbildung nutzen

Ein Zeitpunkt, um sich selbst zu finden, ist außerdem in der Ausbildungszeit. Hier sollten gerade junge Menschen ihre Chance nutzen, eine Zeit lang von zu Hause wegzugehen und fremde Betriebe zu sehen. Schlamann kritisiert, dass in der klassischen Ausbildung zu viel Wert auf die Produktionstechnik gelegt wird:

„Die jungen Landwirte müssen nicht nur lernen, wie sie eine Ration berechnen oder die Sämaschine abdrehen. Sie müssen auch lernen, wie man weitreichende Entscheidungen für oder gegen neue Betriebszweige und Investitionen trifft und solche Entscheidungen vorantreibt.“ Diese Chance haben sie dann nach der Ausbildung noch im Studium oder in der Weiterbildung zum Agrarbetriebswirt.

Gronauer-Weddige bemerkt allerdings auch, dass die Betriebe hier durch die hohe Arbeitsbelastung oft am falschen Ende sparen. „Bei vielen Hofnachfolgern sind weder eine Lehre weiter weg von Zuhause noch Auslandspraktika möglich, da sie nachmittags auf den Höfen gebraucht werden.“

Lange Arbeitstage mit mindestens zwölf Stunden und Bürosonntagen seien auf diesen Betrieben die Regel, beobachtet er. Der Schulleiter will seine Schüler daher für diese hohe Arbeitsbelastung bzw. die geringe Entlohnung pro Stunde, die daraus resultiert, sensibilisieren. In ihrer Abschlussarbeit rechnen Sie daher nicht nur bis zum Gewinn, sondern bis auf die Faktorverwertung des eigenen Betriebes runter. Welchen Stundenlohn erarbeite ich mit meiner Arbeit? Was könnte ich woanders verdienen? Was erwirtschafte ich mit meiner Fläche, wenn ich diese verpachte, statt selbst zu ackern? „Dann werden die Hofnachfolger nämlich stutzig und hinterfragen das Hamsterrad, in dem sie vermeintlich gefangen sind“, sagt der Schulleiter.

Scheitern bedeutet keine Betriebsaufgabe

Damit die neue Strategie auch Früchte trägt, ist es laut Schlamann wichtig, dass die Lücke zwischen der Idee und der Umsetzung nicht zu groß ist. Probieren Sie die neuen Ideen aus. Das kann auch mal schiefgehen. „Scheitern gehört zum Unternehmertum. Wichtig ist nur, dass die Experimente in einem Umfang bleiben, der den Betrieb nicht gefährdet“, rät Gronauer-Weddige.

Dabei müssen die Betriebsleiter gerade bei ungewöhnlichen Ideen Kritik von anderen aushalten. Hier nennt Gronauer-Weddige ein Beispiel. Wer ist riskanter? Ein Schüler probiert Wassermelonen auf einem Hektar aus, statt einen Bullenstall zu bauen. Dafür investiert er 30.000 € in Folientunnel. Würde er scheitern, könnte er die Tunnel wieder gebraucht verkaufen. Zwar führt er den Betriebszweig dann nicht fort, ist aber an Erfahrung gewachsen. Trotzdem würden dann alle meckern: „Wie kann man auch sowas machen? Es war klar, dass das nicht funktioniert.“ Will dagegen ein anderer Landwirt seinen 100er Milchviehstall spiegeln, sagen alle: „Die haben immer Kühe gemacht, da ist es normal, zu verdoppeln.“ Obwohl er über eine Million Euro investiert und auch nicht weiß, ob sich die Investition rentiert.

Scheitern beim Ausprobieren neuer Ideen gehört dazu. Wichtig ist, das Risiko gering zu halten.
Fritz Gronauer-Weddige

Auch wenn es vermeintlich einfacher scheint, den bestehenden Betriebszweig weiter auszubauen, weil man damit in der Vergangenheit viel Geld verdient hat, heißt es nicht, dass das auch in der Zukunft so ist. Vor allem, wenn der Betriebsleiter nicht mit Leidenschaft dabei ist. „Wenn ich einen bestehenden Betriebszweig aus traditioneller Loyalität weitermache, werde ich weder glücklich noch langfristig wirtschaftlich erfolgreich“, ist Schlamann überzeugt.

Zwar liegen zwischen einer ersten Idee und einem Geschäftsmodell, mit dem Sie wirklich Geld verdienen, mehrere Monate bis hin zu einigen Jahren. Schlamann ist aber überzeugt, dass gerade Landwirte dieses Durchhaltevermögen und den Mut haben, die Dinge zu Ende zu denken, Freude daran haben, neue Erfahrungen zu machen und mit Rückschlägen umgehen können.

Mehrere Einkommensquellen

Auch die Kombination aus mehreren Einkommensquellen, auch außerhalb der Landwirtschaft, gewinnt neben der Wachstumsstrategie zunehmend an Bedeutung. Wenn der Betriebsleiter beispielsweise den Betrieb zurückfährt, weil er nebenher arbeiten geht. In ihrer Studie stellte Graskemper fest, dass ein Hochschulabschluss die Wahrscheinlichkeit für betriebliches Wachstum im klassischen Sinne senkt. „Gut ausgebildete Landwirte haben hohe Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, sagt die Dozentin. Das ein Job außerhalb der Landwirtschaft nicht das Ende des Betriebs bedeutet muss, aber zu mehr Lebensqualität führen kann, lesen Sie in unsere Serie zu den Nebenerwerbsbetrieben.

In den Wochen (top agrar Ausgabe 9/2022) stellen wir Ihnen verschiedene Betriebsleiter und ihre Strategie vor. Wir zeigen, warum diese Entwicklung zu dem Betrieb passt und welche Herausforderungen sie birgt.

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