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Nach ZKL-Ausstieg

Das sind Andresens Thesen zur Zukunft der Tierhaltung

Der Landwirt und ehemalige LsV-Sprecher Dirk Andresen war Mitglied in der ZKL, schmiss im Mai aber frustriert hin. Zum Abschied hat er festgehalten, wie für ihn die Tierhaltung zukunftsfähig wird.

Lesezeit: 4 Minuten

Dirk Andresen gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) und hat dort gut vier Jahre an der Entwicklung von Konzepten für eine wirtschaftlich und gesellschaftlich erfolgreiche Landwirtschaft mitgearbeitet. Nach einem ergebnislosen Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz war der Frust bei dem Landwirt und ehemaligen LsV-Sprecher aber zu groß geworden – Anfang Mai erklärte er seinen Austritt aus der Zukunftskommission.

Im Interview mit top agrar erläuterte Andresen vergangene Woche seine Beweggründe. Maßgeblich ist für ihn die aus seiner Sicht fehlende politische Bereitschaft, die ZKL-Empfehlungen für den Umbau der Tierhaltung auch umzusetzen. Auf dieser Basis sah er keinen Sinn mehr in der weiteren Mitarbeit in der ZKL.

Dennoch hält Andresen an den Vorschlägen grundsätzlich fest. Dafür braucht es nach seiner Überzeugung aber andere Voraussetzungen in der Politik und am Markt. Welche das sind, hat er in einem Papier, das top agrar vorliegt, zusammengefasst. Wir dokumentieren Andresens Punkte zur Tierhaltung an dieser Stelle.

Neun Punkte zur Tierhaltung

  • Der enge und konsensorientierte Austausch aller Stakeholder aus Politik, Wissenschaft, Landwirtschaft und Handel ist unabdingbare Grundlage für verbindliche Schritte des Umbaus der Tierhaltung. Diese Zusammenarbeit muss in eine echte Selbstverpflichtung aller Interessengruppen als Basis für gangbare und messbare Schritte in der Weiterentwicklung der Tierhaltung münden.

  • Gesetzliche Vorgaben wie die national geltende Tierschutznutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) oder die Industrieemissionsrichtlinie müssen im europäischen Konsens mit Augenmaß entwickelt werden und dürfen nicht dazu führen, dass Produkte aus Deutschland weniger wettbewerbsfähig sind.

  • Politisch müssen Marktleitplanken zum Schutz der inländischen Produktion gesetzt werden, die es ermöglichen, dass sich die Betriebe im starken internationalen Wettbewerb in gewisser Weise abgrenzen und sich in der Zukunft behaupten können.

  • Genehmigungspflichtige Um- und Neubauten müssen allen aktuellen nationalen Bedingungen genügen (TA-Luft, TierSchNutztV, etc). Resultierende Mehrkosten gegenüber innereuropäischen und internationalen Wettbewerbern müssen bis in die nationale Produktion und den Verkauf von Lebensmitteleinzelhandel ausgeglichen werden. Mit Fertigstellung greift ein Bestandsschutz für die modernisierte Tierhaltung. Tierhalter brauchen Planungssicherheit für ihre Investitionen. Zum einem für Verträge mit dem abnehmenden Handel und zum anderem mit  ihren Kapitalgebern.

  • Nachhaltigkeitskriterien wie der Einsatz von bestimmten Produktionsmitteln (z.B. Fütterung, Energie) und Produktionsbedingungen (z.B. Tiergesundheit, Außenklimareiz, Robustrassen) sollten Berücksichtigung finden und müssen in die Preisbildung einfließen. Nur eine ökonomisch erfolgreiche Tierhaltung hat in Deutschland eine Zukunft.

  • Unternehmer:Innen benötigen von der abnehmenden Hand kostenbasierte (faire) Preise. Eine fortlaufende, sich entwickelnde “Inwertsetzung“ landwirtschaftlicher Produkte ist Bedingung für ein Gelingen des Umbaus. Produktionsmengen, Produktionsbedingungen und Preise können in Verträgen gegenseitig vereinbart werden. Das Einbeziehen der gesamten Wertschöpfungskette muss das Ziel sein, um in einer verbindlichen Zusammenarbeit gemeinsam zukünftige Weiterentwicklungen zu realisieren.

  • Entwicklungs- und Umbauwillige Unternehmer:Innen benötigen für Um- und Neubauten zeitnahe Genehmigungsverfahren und vor allem Finanzierungs- und Sicherungszusagen durch Staat, Bank und Gesellschaft. Für eine wirklich tragfähige Planungssicherheit müssen belastbare Perspektiven für Landwirte: Innen geschaffen werden, damit gerade die Betriebe der nächste Generation auch gewillt sind ins Risiko für hohe Investitionen zu gehen. Das ist die zentrale Aufgabe der Zukunftskommission Landwirtschaft.

  • Gelingungsbedingung einer Transformation der Tierhaltung kann nur eine politische organisierte gesamtgesellschaftliche Finanzierung sein.

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Resümee:

Tierhaltende Landwirt: Innen fordern von den politischen Verantwortungsträgern nicht nur blumige Bekenntnisse zum Umbau der Tierhaltung, sondern tragfähige in die Zukunft gerichtete Taten müssen folgen. Die breite Vielfalt der tierhaltenden Betriebe muss sich entwickeln können. Durch nationale Alleingänge in Gesetzes- und Verordnungsvorgaben hat die deutsche Landwirtschaft mit ihren Produkten zwar hohe Standards, jedoch nur noch eine eingeschränkte Kraft sich im internationalen Wettbewerb/Warenstrom in Deutschland selbst zu behaupten. Es wird eine über Parteigrenzen und über politische Legislaturperioden hinausgehende, Planungssicherheit  für die Weiterentwicklung der Tierhaltungen benötigt und gefordert.

Nur ökonomisch erfolgreiche Betriebe mit existenzsichernden Einkommen sind in der Lage auch zukünftig mit der nächsten Betriebsgeneration Lebensmittel zu produzieren. Eine prosperierende Artgerechte deutsche Tierhaltung muss in ihrer Funktionsfähigkeit eine nationale Ernährungssicherung gewährleisten können. Es gilt dafür den Wirtschaftsstandort Deutschland für Tierhalter zu stärken und politischen Zusagen endlich wirkliche und vor allem realistische und finanzierbare Taten folgen zu lassen.

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