Agrarhandel-Blockade

EU-Kommission: „Putin verbreitet Desinformation“

Ukrainisches Getreide geht laut Wladimir Putin in den Westen statt in Entwicklungsländer. Das dementiert die EU-Kommission vehement und verweist auf sinkende Getreidepreise.

Die Europäische Kommission hat dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nach seinen verbalen Angriffen gegen die EU und der von ihm in Frage gestellten Einigung mit Kiew zum Getreidekorridor „Desinformation“ vorgeworfen.

Wie ein Sprecher der Brüsseler Behörde am vergangenen Freitag (9.9.) gegenüber AGRA-EUROPE erklärte, wäre diese Hungerkrise erst gar nicht entstanden, wenn Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine unterlassen hätte. „Die Nahrungsmittelkrise ist von Menschen gemacht und der Name des Mannes, der sie verursacht hat, ist Putin“, so der Behördensprecher.

Was die Getreideexporte aus der Ukraine angehe, so manipuliere der russische Präsident „wieder einmal die Fakten“. Russlands Präsident hatte den von den Vereinten Nationen (UN) und der Türkei vermittelten Kompromiss mit der Ukraine zum Getreideexport über die zuvor von Russland blockierten Häfen am Schwarzen Meer am vorigen Mittwoch infrage gestellt. Die eigentlich für ärmere Länder bestimmten Lieferungen würden an die Türkei und die EU geliefert, so die Behauptung des Kreml-Chefs.

Putin: Nur zwei Schiffe nach Afrika

Laut Putin sollte das Abkommen eigentlich dazu beitragen, den Anstieg der Lebensmittelpreise in Entwicklungsländern abzufedern. Nun aber würden die Entwicklungsländer hintergangen und „das Ausmaß der Ernährungsprobleme in der Welt nur zunehmen“.

Der Präsident warnte vor einer „beispiellosen humanitären Katastrophe“. Insgesamt hätten 87 Schiffe mit 2 Mio t Getreide die Schwarzmeerhäfen verlassen. Davon seien aber nur zwei Schiffe mit zusammen lediglich 67.000 t Getreide nach Afrika gefahren. Deshalb will Putin mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan über eine Änderung des Abkommens sprechen, um die Destinationen für die Getreideausfuhren aus der Ukraine einzuschränken. Darüber hinaus beklagte er, dass russische Dünger- und Lebensmittelexporte von der EU behindert würden.

Agrarhandel mit Drittstaaten nicht sanktioniert

Der Kommissionssprecher stellte dagegen fest, dass die UN-Vereinbarung zur Freigabe einiger ukrainischer Schwarzmeerhäfen zusammen mit den EU-Solidaritätsrouten zu einem Rückgang der Getreidepreise auf den Weltmärkten geführt habe.

Des Weiteren habe die EU ihre Getreideeinfuhren aus der Ukraine im Vergleich zu 2021 verringert. Gleichzeitig sei aus der Gemeinschaft in diesem Jahr tatsächlich mehr Getreide exportiert worden als im Vorjahr. Zudem führten alle Getreidemengen, die aus der Ukraine in die EU gelangen würden, entweder direkt oder indirekt zu einem erhöhten Angebot für die betroffenen Drittländer, gab der Sprecher zu bedenken.

Außerdem stellte er klar, dass keine der EU-Sanktionen in irgendeiner Weise auf den Handel von Agrar- und Lebensmittelprodukten zwischen Russland und Drittstaaten abziele, auch nicht auf den mit Düngemitteln. Auch ausreichende Zahlungskanäle seien weiterhin möglich.

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