Agrarministerkonferenz

Landwirte: "Herr Özdemir, wir sind kein radikaler Rand"

Aussagen von Agrarminister Özdemir vor dem G7-Agrarministertreffen sorgten für Empörung. Landwirte fordern nun eine offene Entschuldigung. Özdemir nannte sie "radikalen Rand" mit "Pestizidmaschinen".

Im Rahmen der G7-Agrarministerkonferenz am vergangenen Wochenende in Stuttgart kam es zu starker Verärgerung seitens der Landwirte. Nachdem sie Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir aufforderten, sich direkt auf den Höfen umzusehen und mit den Landwirten zu sprechen, sprach dieser im Anschluss in einem SWR-Interview von einer Kritik der „radikalen Ränder“.

Özdemir sei häufig auf Höfen, auf denen er große Zustimmung erfahre. Außerdem erfahre er Kritik darüber, „dass ich nicht die Pestizidmaschine angeworfen habe.“ Seine Politik sei die der Mitte, erklärt er weiter: „An den radikalen Rändern gibt es Kritik, das muss man aushalten.“ Damit müsse er leben, so Özdemir.

„Radikaler Rand“ oder Lebensmittelproduzent?

Viele Landwirte fordern nun eine offene Entschuldigung des Agrarministers. Bauern seien kein „radikaler Rand“, sondern versorgten täglich Menschen mit Nahrung, zitiert der SWR einen offenen Brief von Albert Gramling, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Neckar-Odenwald.

Vertreter der Freien Bauern hatten Özdemir auf einer Mahnwache in Stuttgart auf einen Milchviehbetrieb eingeladen, um sich über die bäuerliche Tierhaltung und deren Bedeutung für die Lebensmittelversorgung zu informieren. Im Anschluss an die Einladung fielen im SWR-Interview o.g. Aussagen.

In den sozialen Medien sorgen die Aussagen des Ministers ebenfalls für Empörung bei den Landwirten. In einem vierminütigen Statement macht Hermann Grupe, Agrarsprecher der FDP-Fraktion im niedersächsischen Landtag, seinem Unmut Luft. „Ich gehöre dann wohl auch zum radikalen Rand, denn auch ich würde Sie gerne auf unseren Betrieb einladen“, so der Landwirt, der gemeinsam mit seinen Söhnen neben einem konventionellen auch einen Bio-Betrieb im Weser-Bergland bewirtschaftet. Auch er setze in seinem konventionellen Betrieb „sehr gezielt und sehr sparsam“ Pflanzenschutzmittel ein.

Mit Hinblick auf den Krieg in der Ukraine und eine weltweit drohende Lebensmittelkrise solle man nun sachlich über die aktuelle Problematik reden, so Grupe.

Diffamierung der Landwirte nimmt ihnen die Motivation

Auch der Deutsche Bauernverband reagiert mit einer Twitter-Kampagne auf die Aussagen des Bundesministers. Pflanzenschutz sichere Ernährung, Qualität und erschwingliche Preise. Außerdem würden Landwirte „durch Diffamierungen und Beleidigungen“ seitens des Ministers ihre Motivation verlieren, heißt es in verschiedenen Tweets vom Montag.

Landwirt Christian Lohmeyer bemängelt über Facebook die drastische Wortwahl Özdemirs: „Der wissenschaftlich begleitete Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, der uns allen diesen Wohlstand ermöglicht, das sind nun Pestizidmaschinen. Hier wird die Landwirtschaft platt gekloppt.“ Der Minister habe in die vergangenen Wochen nicht genutzt, um etwas für die Landwirtschaftliche Produktion zu ändern, um Ernteausfälle aus der Ukraine auszugleichen. Das sei nun zu spät, so Lohmeyer.

Özdemir will Land schafft Verbindung treffen

Trotz seiner umstrittenen Aussagen vom Freitag, gab Özdemir am Samstag während der Abschluss-Pressekonferenz des Ministertreffens bekannt, dass er sich in Stuttgart mit dem Verein Land schafft Verbindung treffen wolle. Zeitlich sei ein Gespräch während der Tagung nicht möglich gewesen, heißt es in einer Meldung von schwaebische.de. Der Verein zeigte während einer Traktordemo zur Ministerkonferenz ein Banner mit der Aufschrift „Herr Özdemir! Wir sind kein radikaler Rand!“. Inwiefern es dann zu einer Aussprache komme, blieb jedoch offen.


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