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Mit Kind auf die Demo?

Schuhe angezogen, Plakat in die Hand gedrückt und los? Demonstrationen können auch für Kinder wertvoll sein. Doch es bedarf offene Augen und Diskussionen der Eltern. Ein Demokratiepädagoge gibt Tipps.

Lesezeit: 4 Minuten

Dieser Artikel erschien zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben.

Wochenblatt: Ab welchem Alter ist es sinnvoll, mit Kindern und Jugendlichen über politische Themen zu sprechen?

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Dr. Bokelmann: Das ist mindestens ab dem Grundschulalter sinnvoll – natürlich in einer altersgerechten Weise. Kinder sind neugierig und nehmen ihre Umwelt bewusst wahr. Durch einfache Erklärungen und das Beantworten ihrer Fragen können sie ein erstes Verständnis für politische Prozesse entwickeln.

Ist es vertretbar, Kinder und Jugendliche mit auf Demonstrationen zu nehmen? Und wenn ja, ab welchem Alter?

Dr. Bokelmann: Es ist auf jeden Fall denkbar, Kinder ab dem Grundschulalter zu Demonstrationen mitzunehmen. Denn in diesem Alter beginnen sie, ein Verständnis für soziale und politische Konzepte zu entwickeln. Wichtig ist, dass ihnen das Thema der Demonstration im Vorfeld altersgerecht vermittelt wird und die Teilnahme freiwillig und aus eigener Motivation heraus erfolgt.

Auch Eltern mit jüngeren Kindern können an Demonstrationen teilnehmen. Sie sollten aber die Bedürfnisse und Grenzen ihrer Kinder in den Vordergrund stellen. Die Sicherheit und das Wohlbefinden des Kindes sollten an erster Stelle stehen. Sind diese Dinge gewährleistet, kann eine Teilnahme durchaus eine wertvolle Erfahrung auch für jüngere Kinder darstellen.

Aktiv nachfragen oder abwarten?

Sollte man sein Kind aktiv fragen, ob es zu einer Demonstration mitkommen möchte?

Dr. Bokelmann: Es kann sinnvoll sein, das Kind aktiv zu fragen, ob es Interesse an der Teilnahme hat. Dabei sollte es sich allerdings nicht unter Druck gesetzt fühlen. Eine offene Diskussion über das Thema der Demonstration kann helfen, das Interesse des Kindes zu wecken und seine Entscheidung zu respektieren. Je näher die Thematik an den Interessen des Kindes selbst liegt, umso eher ist eine Teilnahme denkbar.

Macht der Anlass der Demonstration hier einen Unterschied?

Dr. Bokelmann: Der Anlass der Demonstration spielt eine wichtige Rolle. Themen, die kindgerecht vermittelt werden können und direkten Bezug zu ihrer Lebenswelt haben, sind eher geeignet. Es ist ratsam, von Themen Abstand zu nehmen, die zu komplex, verstörend oder für das Alter des Kindes unangemessen sind.

Der Anlass der Demonstration spielt eine wichtige Rolle.
Dr. Oliver Bokelmann

Beraubt man sein Kind durch die Mitnahme auf eine Demonstration der Möglichkeit zur freien Meinungsbildung?

Dr. Bokelmann: Die Mitnahme auf Demonstrationen sollte nicht als Versuch gesehen werden, das Kind in eine bestimmte politische Richtung zu drängen. Es ist wichtig, mit dem Kind über verschiedene Perspektiven zu sprechen und seine eigene Meinungsbildung zu fördern.

Plakate für Kinder?

Was halten Sie von Protestplakaten für Kinder?

Dr. Bokelmann: Kinder mit Protestplakaten senden eine starke visuelle Botschaft. Es ist wichtig, dass gerade Kinder nicht unbeabsichtigt zu Symbolträgern politischer Kampagnen werden. Die Darstellung erregt Aufmerksamkeit, doch es besteht die Gefahr der Instrumentalisierung. Ich plädiere dafür, dies eher auf das Jugendalter zu verschieben. Junge Erwachsene können die Botschaften und die Tragweite besser einschätzen. Es erfordert in jedem Fall eine sorgfältige Balance zwischen politischer Partizipation und Schutz. Wenn Kinder selbst ein Plakat mit zur Demo nehmen möchten, dann vielleicht eins mit einem Motiv, das ihnen gefällt und ohne einen Text aus der Feder Erwachsener. Ein schöner Dino würde es doch auch tun!

In den vergangenen Wochen haben wir öffentlichen Einrichtungen wie Kindergärten gesehen, die gemeinsam an Protesten teilgenommen haben. Wie stehen Sie dazu?

Dr. Bokelmann: Bei der Teilnahme von Kindergärten und Schulen an Demonstrationen muss unbedingt sichergestellt werden, dass die Teilnahme der Kinder freiwillig ist. Es ist entscheidend, dass die Teilnahme nicht als Pflicht wahrgenommen wird und dass ein Raum für freie Entscheidung und Diskussion geboten wird. Zudem ist das Einverständnis der Eltern essentiell.

Instrumentalisierung von Kindern

Was halten Sie von dem Vorwurf, dass Kinder auf Demonstrationen instrumentalisiert werden? Vor allem auch, wenn Bilder von ihnen in sozialen Netzwerken verbreitet werden?

Dr. Bokelmann: Der Vorwurf der Instrumentalisierung ist ernst zu nehmen – besonders wenn Bilder von Kindern in sozialen Medien verbreitet werden. Es ist entscheidend, dass die Rechte der Kinder auf Privatsphäre und Schutz vor politischer Instrumentalisierung beachtet werden. Eltern und Veranstalter sollten darauf achten, dass Kinder nicht für politische Zwecke missbraucht werden. Das geht am besten dadurch, dass sie keine Plakate mit Botschaften aus der Feder Erwachsener hoch halten.

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