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topplus Höhere Haltungsformen

Bauern protestieren und der Handel schafft derweil neue Fakten

Seit mehr als sechs Wochen die gleiche Situation: Bauern toben, Politiker zaudern. In diesem Getöse schafft der deutsche ­Lebensmittelhandel Fakten - wieder einmal. Ein Kommentar:

Lesezeit: 3 Minuten

Dieser Kommentar erschien zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben.

Der deutsche ­Lebensmittelhandel treibt die Umstellung auf Haltungsform 3 voran – also Produkte von Tieren, die mehr Platz und Außenklimareiz hatten. Die Frechheit dabei: Erste Händler holen das Fleisch und die Milch aus dem Ausland – und bieten es teils ohne Preisaufschlag an. Kommt das flächendeckend, wäre es ein Affront gegen die deutsche Landwirtschaft. Und der diskutierte Agrardiesel nur Peanuts.

Mehrere deutsche Lebensmittelhändler verabschieden sich bei ihren Eigenmarken von den Haltungsstufen (HF) 1 und 2. Bei Rindfleisch gibt es gerade einen Hype um Haltungsform 3. Manche Verarbeiter munkeln, Rinder aus niedrigeren Haltungsformen künftig nur schwer vermarkten zu können. Das mag eine Drohgebärde sein.

Ein Schlag ins Gesicht der hiesigen Erzeuger

Klar ist: Nicht alle Mäster können ihre Ställe auf HF 3 umbauen. Und nicht für alle rechnet sich ein Neu- bzw. Umbau. Trotzdem hält der deutsche Lebensmittelhandel am Kurs fest, dann halt über Umwege. So betont Rewe zwar seine regionalen Programme, holt das Rindfleisch aber aus Frankreich – und rühmt sich dafür im Radio. Für deutsche Rindermäster ein Schlag ins Gesicht.

Den bekamen jetzt auch die Milcherzeuger: Edeka stellt einen Teil seines Käses der Eigenmarke auf Haltungsform 3 um – ohne Preisaufschlag für die Verbraucher. Ein völlig falsches Signal! Damit nicht genug: Die Milch für den Käse stammt aus den Niederlanden. Deutschlands größter Lebensmittelhändler war sich nicht zu schade, den Kriterienkatalog der Molkerei A-Ware zu übernehmen und mit dem neuen Label „Respekt Pro Tierwohl“ zu versehen, um in Haltungsform 3 zu gelangen. Das empört. Zumal gerade viele deutsche Betriebe auf HF-3-Milch wechseln.

Zusagen des Handels bei Herkunft wenig glaubwürdig

Die Beispiele zeigen: Der deutsche Lebensmittelhandel macht sein Ding. Er hat vor allem seine Marge im Blick. Sonst nichts. Ja, der Handel beteuert stets, wie wichtig die deutsche Landwirtschaft sei. Und ja, in der Zentrale Koordination Handel-Landwirtschaft (ZKHL) hat er sich für ein Herkunftskennzeichen ausgesprochen. Aber wie glaubwürdig ist das überhaupt noch?

Zudem untermauern die Beispiele, dass es bei den Bauernprotesten um mehr als Agrardiesel geht. Der Systemfehler: Lässt der Staat ein Vakuum, füllt es der Lebensmittelhandel – nach seinen Regeln. Der Staat hechelt mit Ordnungsrecht hinterher.

Höhere Anforderungen aber kein Mehrerlös

Die Gelackmeierten sind die Erzeuger: Sie bekommen immer höhere Anforderungen und Kosten übergestülpt. Wenn sie diese überhaupt stemmen können, erhalten sie „die Lizenz zum Produzieren“, aber keinen Mehrerlös. Ändert sich das nicht, brechen Strukturen weg und der Marktanteil ausländischer Ware steigt.

Schärfere Regeln nötig

Diese Erkenntnis ist nicht neu, jetzt muss aber etwas passieren. Erstens sollte die Regierung selbst den Rahmen setzen. Dazu gehört ein verlässlicher Agrarpolitik-Fahrplan. Zweitens sollte sie das Gebaren des Lebensmittelhandels eindämmen. Ein schärferes Agrarorganisationen-und-Lieferketten-Gesetz (AgrarOLkG) könnte dabei helfen.

 

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