Bloße Panikreaktionen?
Ökonom hält Freigabe der Ökologischen Vorrangflächen für wenig sinnvoll
Zur Abfederung der aktuellen Rohstoffengpässe bringt die Bewirtschaftung der Vorrangflächen nichts, meint ein Forscher. Das wirke erst in zwei Jahren und auch dann nur sehr wenig.
Wenig Verständnis für die Freigabe der Ökologischen Vorrangflächen (ÖVF) zur Futternutzung und zum Feldfruchtanbau hat der Agrarökonom Dr. Henning Otte Hansen von der Universität Kopenhagen.
Zur Abwendung einer durch den Ukraine-Krieg ausgelösten möglichen Ernährungskrise seien „Panikreaktionen“ wie die Freigabe von Brachflächen nicht die richtige Lösung, stellte Otte Hansen vergangene Woche fest. Die Wirkung dieser Maßnahme zeige sich voraussichtlich erst in ein bis zwei Jahren an den Märkten und werde insgesamt sehr überschaubar bleiben.
Eine Mangelsituation durch den teilweisen oder vollständigen Ausfall der Ukraine beziehungsweise Russlands als Exporteure von Agrarrohstoffen trifft auch nach Einschätzung des dänischen Agrarökonomen vor allem die ärmeren Entwicklungsländer. Deren Zwangslage wegen ausbleibender Getreideimporte ließe sich ihm zufolge besser durch den Aufbau größerer Lagerbestände sowie von Krisenreserven internationaler Organisationen abmildern. Damit ließen sich auch die Preisausschläge an den internationalen Märkten und kurzzeitige Engpässe besser abfedern.
Derartige globale Krisen bei der Lebensmittelversorgung hat es nach Darstellung von Otte Hansen in den vergangenen 100 Jahren schon öfters gegeben. Er stellte fest, dass diese in der Regel von den Landwirten selbst beendet worden seien, da die damit verbundenen hohen Erzeugerpreise eine Intensivierung der Agrarproduktion und damit ein steigendes Angebot ausgelöst hätten.
Der Ökonom rät in diesem Zusammenhang dazu, den Transfer von landwirtschaftlichem Know-how in die Entwicklungsregionen zu verstärken und so für leistungsfähigere und resilientere Agrarsysteme in der „Dritten Welt“ zu sorgen.
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