Ernteausfälle doch größer?

Rukwied erwartet deutlich steigende Lebensmittelpreise

Aufgrund der massiven Energieverteuerung steigen in der ganzen Agrar- und Lebensmittelproduktion die Kosten. An Preissteigerungen im Laden führt kein Weg vorbei, sagt DBV-Präsident Rukwied.

Die Lebensmittelpreise werden und müssen weiter steigen, denn auch die Kosten für die Landwirte sind massiv gestiegen. Um überhaupt weiter wirtschaften zu können, müssen die Bauern diese Kosten weitergeben. Lebensmittel werden deshalb teurer. Das hat DBV-Präsident Joachim Rukwied im Interview mit t-online klargestellt.

Grundsätzlich sei aber derzeit ausreichend Getreide vorhanden. „Aber das wird am Weltmarkt gehandelt und der Preis ist wegen des Krieges in der Ukraine sehr stark gestiegen. Der Getreidepreis macht jedoch nur einen Bruchteil des Brotpreises aus. Teurer geworden ist vor allem die Energie für die Produktion. Stickstoffdünger kostet etwa das Vierfache im Vergleich zum Vorjahr. Und auch die Lohnkosten sind gestiegen“, erklärt der Landwirt. Der Weizenpreis auf dem Weltmarkt steige aktuell immer weiter. Im vergangenen Jahr lag der Preis bei 180 bis 200 € pro Tonne Weizen, derzeit sind es rund 400 €.

Ausfälle könnten größer werden als gedacht

Wegen des Krieges erwarten Experten, dass 30 bis 40 % der Erntemengen in diesem Sommer ausfallen. „Wenn ich mir die Entwicklungen der letzten Tage allerdings anschaue, bin ich skeptisch, ob es bei dieser Schätzung bleibt“, sagt Rukwied. Europa könne dann einen Teil der Lücke schließen. Insgesamt bräuchten wir aber alle Regionen der Welt, die Überschüsse produzieren können. „Die deutschen Landwirte sind bereit, ihren Teil dazu beizutragen. Im vergangenen Jahr hat Europa geschätzt 28 Mio. t Weizen exportiert, in diesem Jahr könnten es wieder über 33 Mio. t werden.

Alles hängt am Gas

Um die Versorgungssicherheit auch darüber hinaus zu gewährleisten, fordert der Bauernverband, dass die Verfügbarkeit von Düngemitteln, insbesondere mineralischen Düngemitteln, sichergestellt wird. Die Stickstoffherstellung basiere zu 80 % auf Gas, das ist aktuell sehr teuer. Er fordert die Bundesregierung auf, jetzt eine Düngemittelreserve anzulegen, ähnlich wie beim Gas.

Die Angst in der Branche ist spürbar. In vielen Betrieben ist Gas die Hauptenergiequelle, besonders große Molkereien können ohne Gas nicht arbeiten. Ohne Gas gäbe es also keine Milch, keinen Käse, keinen Quark, betont der Bauernvertreter. Die ganze Branche befinde sich daher aktuell in Gesprächen mit Wirtschaftsminister Habeck. „Die Ernährungswirtschaft und der Düngemittelsektor müssen im Notfallplan Gas oberste Priorität bekommen“, sagte Rukwied weiter gegenüber t-online.

Brötchen

Gegenüber den Kunden werden die Bäckereien die Notwendigkeit von Preiserhöhungen begründen, betonte der niedersächsischen Landesinnungsmeister. "Die Kunden spüren ja selber, dass die Energiepreise gestiegen sind." (Bildquelle: pixabay.de / Manfred Richter)

Bäcker kündigen Preisanhebung an

Unterdessen kündigte der Landesinnungsmeister des Bäckerinnungsverbandes Niedersachsen/Bremen, Dietmar Baalk, am Montag beim Verbandstag an, dass die Betriebe die gestiegenen Kosten an die Kunden weitergeben müssen. Baalk rechnet nach eigener Aussage damit, dass die Endverbraucherpreise allein im ersten Halbjahr um 10 bis 15 % steigen werden, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Eine weitere Preissteigerung komme auf die Handwerksbetriebe im Herbst zu, wenn der Mindestlohn auf 12 € die Stunde steige, so Baalk weiter. Dann würden auch die niedrigen Lohngruppen in den Bäckereien Lohnerhöhungen fordern. Das habe die Gewerkschaft schon angekündigt.

Bislang seien die meisten Rohstoffe wie Mehl für die Betriebe zwar teurer geworden, aber noch verfügbar.


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