Zukunftskommission Landwirtschaft

Strohschneider: „Das wird Politik nicht unbeeinflusst lassen"

Wie hat die Zukunftskommission Landwirtschaft ihre Einigung gefunden? Der Vorsitzende Prof. Strohschneider über den Weg der Einigung, die Konfliktpunkte und die Konsequenzen für die nächste Regierung.

Die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) hat vergangene Woche ihren einstimmig beschlossenen Abschlussbericht an Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben. Er legt einen Fahrplan mit konkreten Empfehlungen für einen Umbau der Landwirtschaft hin zu mehr Klimaschutz, Artenvielfalt und Tierwohl vor, der von der Gesellschaft mit getragen und finanziert werden soll. Geleitet hat die Kommission der langjährige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Prof. Peter Strohschneider. Beim Interview mit top agrar zeigt er sich kurz nach der Übergabe des Berichtes sichtlich entspannt und zufrieden mit dem Ergebnis.

Herr Strohschneider, Sie haben viel Erfahrung in der Moderation von wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Prozessen. Was war für Sie das Besondere in der Zukunftskommission Landwirtschaft?

Strohschneider: Die Kämpfe in der Agrar- und Umweltpolitik sind härter, als ich sie aus dem Wissenschaftssystem kenne. In der Zukunftskommission Landwirtschaft wurde schnell deutlich, dass es die Gesellschaft, die Landwirtschaft, die Umweltseite gar nicht gibt. Das sind alles Einheitsfiktionen. Wenn man die nötigen Differenzierungen zulässt - und das haben wir in der Zukunftskommission getan -wird das Gespräch vielstimmiger. Das verleitet zum Nachdenken und kann auch die Konsenssuche erleichtern. Und mit Land schafft Verbindung auf der einen Seite und Fridays for Future auf den anderen Seite haben zwei Protestbewegungen die etablierten politischen Lobbyorganisationen und Verbände selbst in Bewegung gesetzt.

Die Kommission geht auch auf eine Zersplitterung der Organisationen in der Landwirtschaft zurück. Wie haben Sie die Strömungen innerhalb der Landwirtschaft in der Kommission wahrgenommen?

Strohschneider: Ich habe sie als weit vielfältiger und heterogener wahrgenommen, als es nach den Bauernprotesten zunächst den Anschein machte. Entscheidend war für die Kommission zu sagen, wir verzichten auf Kampfbegriffe wie bäuerliche Kleinbetriebe versus Agrarindustrie, Intensivierung versus Extensivierung, ökologisch versus konventionell. Stattdessen fragten wir: Um welche Funktionen geht es eigentlich jeweils? Gerade auf dieser höheren Komplexitätsstufe ist es gelungen, eine Versachlichung der Diskussion und der Konflikte zu erzeugen.

Ist es schwieriger innerhalb der Landwirtschaft einen Kompromiss herbei zu führen als in der Gesamtheit aller gesellschaftlichen Gruppen?

Strohschneider: Das weiß ich nicht. Die Landwirtschaft ist vielfältig. Und verschiedene Repräsentanten der Landwirtschaft vertreten keineswegs immer dieselben Interessen. Die Landwirtschaft ist durchaus auch mit ihrer eigenen verbandlichen Integration befasst. Das sieht man selbst aus der Außenperspektive.

Die Kommission ist vor der Corona-Pandemie beschlossen worden, hat die Pandemie und ihre Auswirkungen eine Einigung beschleunigt?

Strohschneider: Corona mag ein Aspekt sein, aber man muss den weiteren Kontext mitbetrachten: Die Pandemie hat die Bedeutung von Ernährungssicherheit, aber auch zum Beispiel die Fragilität von globalen Lieferketten ziemlich unmittelbar erfahrbar gemacht. Hinzu kommen Umstände wie der Green Deal als großes europäisches Ziel oder das Klima-Urteil des Bundesverfassungsgerichts oder jüngst Aldi mit seinen Anforderungen an die Tierhaltung: Dass alles sind Kontexte, die die Frage...


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