Folgen für Agrarmärkte

Ukraine-Krieg: Özdemir rechnet mit einer Verteuerung von Lebensmitteln

Agrarminister Cem Özdemir erwartet wegen des Ukraine-Kriegs steigende Lebensmittelpreise aber keine Versorgungsengpässe in der EU. Bauernpräsident Rukwied besorgt die Verknappung bei Stickstoffdüngern

An Tag zwei des Krieges in der Ukraine rücken die kurz- und langfristigen Folgen der gewaltsamen Eskalation in den Vordergrund. Die Landwirtschaft ist vor allem wegen der großen Exportbedeutung bei Getreide und Mais aber auch bei Düngemitteln von der Ukraine-Krise betroffen.

In Deutschland wird sich das vor allem auf die Preise und weniger auf die Versorgungssicherheit auswirken, schätzt das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL). „Insgesamt ist die Ernährungsindustrie durch Preissteigerungen auch bei Vorleistungen (wie Düngemitteln und Energie) betroffen. In diesem Zuge ist eine weitere Verteuerung von Lebensmitteln sowie eine Steigerung der Inflationsrate nicht auszuschließen“, schätzt das BMEL.

Krise trifft vor allem Hauptimporteure außerhalb Europas

Versorgungsengpässe in der EU sieht das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) jedoch nicht. „Für die Versorgung der Getreide- und Ölsaatenmärkte in Deutschland sind keine direkten Auswirkungen zu erwarten“, so das BMEL. Die Ukraine und Russland seien zwar bedeutende Exporteure auf dem internationalen Weizenmarkt. Die EU habe hier aber einen hohen Eigenversorgungsanteil. „Die Krise kann deshalb gerade Länder außerhalb Europas treffen, die Schwierigkeiten haben werden, dies anderweitig auszugleichen. Hauptimporteure von russischem und ukrainischem Weizen sind Länder Nordafrikas, die Türkei sowie asiatische Länder“, heißt es aus dem BMEL.

Russland erzeugt 10 % und die Ukraine 4 % des Weizens weltweit. Der weltweite Weizen-Produktionsanteil der EU lag in den letzten Jahren bei etwa 20 %. Der Anteil Russlands und der Ukraine an den weltweiten Weizenexporten nahm zuletzt beständig zu und betrug 29 % (Russland: 17 %; Ukraine: 12 %). Der Anteil der EU an den globalen Weizenexporten schwankte in der Vergangenheit witterungsbedingt zwischen 20 und 13 % und lag zuletzt bei 16 %.

Rukwied befürchtet negative Auswirkungen auf die Erntemenge

Besorgt äußert sich auch Bauernpräsident Joachim Rukwied. „Wir gehen davon aus, dass dieser Krieg in der Ukraine zu Turbulenzen auch an den Agrarmärkten führen wird. Wir befinden uns derzeit in einem Blindflug, da keiner weiß, wie sich die Preise für Betriebsmittel und Getreide entwickeln werden“, sagte er.

Wegen der hohen Düngerpreise und der schwieriger werdenden Verfügbarkeit von Dünger befürchtet Rukwied auch Auswirkungen auf die Erntemengen in Deutschland. „Schon jetzt ist Stickstoffdünger exorbitant teuer und knapp verfügbar, diese Situation kann sich noch deutlich verschärfen. Die Gefahr, dass mangels Verfügbarkeit von Dünger Erntemengen zurückgehen ist groß“, sagte er. Er gehe davon aus, dass weniger gedüngt werde, was negative Auswirkungen auf die Erntemenge und in Teilen auch auf die Qualität der Erzeugnisse haben werde.

Weitere Informationen zu den Auswirkungen auf den Agrarsektor finden Sie in unserem Liveticker zum Ukraine-Krieg.


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