Zukunft der Agrarzahlungen

Wer profitiert von der Gemeinwohlprämie?

Das Thünen-Institut bewertet die Gemeinwohlprämie in einer Stellungnahme für das BMEL positiv. Erstautor Norbert Röder erläutert im Interview, was sich damit für Betriebe und Regionen ändern würde.

Im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) haben Sie wissenschaftlich geprüft, inwieweit das Modell der Gemeinwohlprämie des Deutschen Verband für Landschaftspflege für eine Umsetzung der verpflichtenden Eco-Schemes ab 2023 geeignet ist. Hat Sie der Ansatz überzeugt?

Röder: An der Gemeinwohlprämie überzeugt mich vor allem der Grundansatz. Erstens, die Höhe der einzelnen Maßnahmenentgelte bezieht sich auf den gesellschaftlichen Mehrwert, den die Umsetzung der Maßnahme schafft. Zweitens, die Gemeinwohlprämie setzt konsequent an der Einzelfläche an, so dass auf dieser Ebene jeder Landwirt die Entscheidung treffen kann, in welchem Umfang und wo er Gemeinwohlleistungen erbringt. Drittens, es wird ein Markt für diese Leistungen geschaffen, auf dem die Landwirte miteinander konkurrieren. Viertens, es wird eine Vielzahl von Maßnahmen angeboten. Dieses Angebot umfasst bewusst auch niederschwellige Angebote und die einzelnen Maßnahmen können von jedem teilnehmenden Landwirt sehr flexibel auf den einzelnen Flächen kombiniert werden.

Für welche Betriebe lohnt sich die Gemeinwohlprämie besonders?

Röder: Dies hängt natürlich von der konkreten Ausgestaltung der Gemeinwohlprämie einschließlich der Prämienhöhen ab. Die Gemeinwohlprämie fördert wie auch andere in Deutschland diskutierte Vorschläge zu den Ökoregelungen vom Grundsatz her extensive Bewirtschaftungsverfahren. Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass generell für Betriebe auf schwachen Standorten und extensiv wirtschaftende Futterbaubetriebe die höchsten Einkommenseffekte zu beobachten wären. Tendenziell sorgt die Gemeinwohlprämie für eine stärkere Inwertsetzung des Grünlandes im Vergleich zum Ackerland.

Welche Betriebe haben den größten Umstellungsbedarf, wenn sie die Gemeinwohlprämie in Anspruch nehmen wollen?

Röder: Die Kehrseite der Förderung von extensiven Bewirtschaftungsverfahren bei bundesweit einheitlichen Förderhöhen ist, dass sich die Generierung einer hohen Gemeinwohlprämie für Betriebe mit einer hohen Wertschöpfung kaum lohnt. Dies sind vor allem Veredlungs- und Sonderkultur- sowie intensive Milchviehbetriebe. Bei diesen Betrieben machen aber die jetzigen Direktzahlungen nur einen geringen Teil des Umsatzes aus. Auch zeigen aktuelle Untersuchungen, dass die jetzigen Direktzahlungen in Regionen mit hoher regionaler Wertschöpfung in der Landwirtschaft stärker auf den Bodenmarkt überwälzt werden.

Wie viele Betriebe werden bei der aktuellen Betriebsausrichtung an der Gemeinwohlprämie überhaupt teilnehmen wollen?

Röder: Die Gemeinwohlprämie beinhaltet zumindest für den Ackerbau und die Grünlandbewirtschaftung auch einige sehr niedrigschwellige Angebote (z. B. Prämie für Schläge mit weniger als 10 ha Fläche) aus diesem Grund werden nahezu alle Betriebe in einem gewissen Umfang eine Prämie erhalten können. Ferner ist die Gemeinwohlprämie stringent an der Einzelfläche ausgerichtet, so dass auch Betriebe, die im Schnitt sehr intensiv wirtschaften, ihre „schlechten“ Flächen über die Gemeinwohlprämie in Wert setzen können. Lediglich für die gut 16.000 Betriebe, die nahezu ausschließlich Sonder- und Dauerkulturen bewirtschaften ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Betriebe auf die Gemeinwohlprämie verzichten würde.

Würde die Gemeinwohlprämie dazu führen, dass sich die Mittelverteilung sich zwischen den Bundesländern ändert? Welche Regionen zählen dann zu den Gewinnern?

Röder: Ja, die Gemeinwohlprämie würde zu einer Veränderung der Mittelverteilung zwischen den Bundesländern führen. In der untersuchten Ausgestaltung würden vor allem das Saarland (Prämie im Schnitt 300 EUR je ha Gesamt-LF),...


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