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topplus Wolf-Hotspot in Niedersachsen

Wolf wütet in Stade – Landrat platzt der Kragen

Lebendig angefressen wurden Rinder auf einer Weide im Kreis Stade. Zuletzt gab es im Kreis mehrere schwere Angriffe. Der Landrat zeigt sich fassungslos und wirft Umweltminister Meyer Untätigkeit vor.

Lesezeit: 5 Minuten

Die Jägerschaft des Landkreises Stade meldet einen Angriff eines Wolfes auf eine Herde von Rindern in Stade-Wiepenkathen am frühen Dienstagmorgen.

Ein Rind war bereits tot, ein anderes schwerverletzt. "Eine Keule war bis auf den Knochen runtergefressen, die Bauchhöhle komplett geöffnet. Dem anderen, noch lebendigem Rind wurde ein ordentliches Stück Fleisch aus der Schulter gerissen“, zitiert die Zeitschrift Pirsch den Rinderhalter. Die Bauchhöhle des Tieres war ebenfalls geöffnet, es musste aufgrund seiner Verletzungen eingeschläfert werden.

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Laut dem Landwirt sind drei weitere Tiere der insgesamt sechs Rinder an den Ohren verletzt. Die Weide war dem Halter zufolge mit einem Stacheldraht und einem E-Zaun gesichert, so die Pirsch weiter.

Umweltminister Meyer will nach Stade kommen

Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) hat angekündigt, sich am Freitag ein Bild vor Ort zu machen und mit den Betroffenen in Stade zu sprechen. Die Jägerschaft erwartet laut NDR, dass ein Bestandsmanagement im Bereich des Landkreises Stade umgehend umgesetzt wird. Gleichzeitig müssten betroffene Landwirte gegen Angriffe in sozialen Medien in Schutz genommen werden und unbürokratisch Entschädigung für ihre finanziellen Verluste erhalten, heißt es.

Landrat entsetzt

Landrat Kai Seefried äußert sich in einer ersten Stellungnahme besorgt über die weitere Zuspitzung der Situation. Er hat bereits Kontakt zu Meyer aufgenommen. „Mit großer Sorge blicke ich auf den jüngsten mutmaßlichen Angriff eines Wolfes in unserer Region“, sagt Seefried. „Nun sind offenbar Rinder Opfer eines Wolfes geworfen – und das in Wiepenkathen, also am Rand der Kreisstadt Stade.“

Immer kürzere Abstände

Alarmiert sind die Tierhalter, weil es zuletzt viele Vorfälle gab: Vor zwei Wochen hatte ein Wolf in Gräpel (Kreis Stade) trotz Schutzzaun 55 Schafe gerissen und 33 weitere verletzt. Letzte Woche folgten zwei weitere Risse: Auf einem Deich an der Oste in Nieder Ochtenhausen (Landkreis Rotenburg) griff ein Wolf eine 90-köpfige Schafherde an. Drei Tiere wurden getötet, drei weitere verletzt; fünf gelten als verschollen.

Einen weiteren Angriff gab es in Großenwörden im Landkreis Stade und am Wochenende einen Wolfsriss in Egestorf-Döhle im Landkreis Harburg mit 20 toten Schafen.

„Die aktuelle Entwicklung bereitet nicht nur mir Sorgen, sondern sorgt für eine erhebliche Verunsicherung in der Bevölkerung und vor allem natürlich auch bei den Weide- und Nutztierhaltern“, sagt Seefried.

Naturschutzbehörde erfährt von Rissen aus der Zeitung

Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises steht im Austausch mit dem Wolfsbüro des Landes, erhält wichtige Informationen jedoch oft erst verspätet oder gar nicht. Von den Wolfsrissen erfährt die Behörde in der Regel von den Betroffenen oder aus den Medien.

„Noch nicht einmal das vom Umweltministerium bereits bestätigte Ergebnis der DNA-Analyse, das zweifelsfrei einen Wolf für Dutzende tote Schafe in Gräpel verantwortlich, wurde die Naturschutzbehörde bisher offiziell informiert“, kritisiert der Landrat. „Dabei sind die DNA-Analysen wichtige Grundlagen, um bei Wölfen, die wiederholt Nutztiere reißen, Anträge auf Entnahme stellen zu können.“

Seefried erneuert seine Forderung, die Wolfspopulation in Niedersachsen stärker zu regulieren. „Ohne ein wirksames Bestandsmanagement wird es auf Dauer keine Weidetierhaltung im Landkreis Stade mehr geben. Das wäre auch ein fatales Signal unter Natur- und Umweltschutzaspekten. Für unsere Küstenregion geht es damit aber vor allem auch um den Küstenschutz, der ohne Schafe in Gefahr gerät“, betont der Landrat.

Meyer und Staudte hoffen auf Beschluss der Umweltministerkonferenz

Die neuen Risse setzen Minister Meyer und seine grüne Parteikollegin, Landesagrarministerin Miriam Staudte, nun zusätzlich unter Druck. Beim Dialogforum mit Naturschützern und Landwirten hatten sie kürzlich erst verkündet, ein regional differenziertes, europarechtskonformes Bestandsmanagement für den Wolf in Niedersachsen etablieren zu wollen, samt Verbesserungen beim Herdenschutz.

Rückendeckung erwarten die Politiker von Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne). Die will noch diesen Monat mitteilen, wie die Bundesländer künftig Problemwölfe schneller und unbürokratischer entnehmen bzw. abschießen können.

Im November sollen die Umweltministerkonferenz von Bund und Ländern dann den neuen Weg beschließen – so zumindest der Wunsch von Niedersachsens Umweltminister Meyer.

Schlagabtausch im Landtag

Dass dies kein Spaziergang wird, zeigte sich diese Woche im Landtag Niedersachsen bei einer Fragestunde. Die CDU-Fraktion wollte von Meyer wissen, wann endlich mit einem aktiven Wolfsmanagement zu rechnen sei, sodass Problemwölfe oder gar ganze Rudel geschossen werden dürfen, berichtet die Zeitung HNA.

„Die Landesregierung steht klar an der Seite der Weidetierhalter und ihrer wertvollen Arbeit für Deichschutz, Naturschutz und Landschaftspflege“, versuchte Meyer die Lage zu beruhigen. Den identifizierten Täterwolf aus Gräpel könne man aber nicht erlegen, weil er erst einmal zugeschlagen hat. Laut Urteil und Gesetzeslage muss ein Wolf aber mehrfach auffällig geworden sein, damit er auf die Liste kommt.

Der Minister will laut HNA allerdings weg von dieser Vorgabe und die Erlaubnis von Entnahmen künftig an der Größe der Schäden und der Art der Risse ausrichten, heißt es. Eine „generelle Bejagung mit festen Abschussquoten“ lehnte Meyer aber weiter ab. Der Wolf werde in Niedersachsen bleiben, stellte er klar und sprach von einer „Erfolgsgeschichte des Artenschutzes“. Es gelte nun, mit einem verbesserten Schutz von Schafherden für ein konfliktarmes Nebeneinander von Wolf und Weidetierhaltung zu sorgen.

CDU wirft Meyer Ausreden vor

Für den CDU-Agrarexperten Marco Mohrmann waren Meyers Ausführungen nichts als „Ausreden, um sein Nichtstun zu rechtfertigen“, berichtet die HNA weiter. Der Fall von Gräpel hätte den sofortigen Abschuss des Problemrüden sehr wohl erlaubt. „Laut FFH-Richtlinie der EU besteht bereits jetzt die Möglichkeit, Wölfe zur Abwendung erheblicher land-, forst-, fischerei-, wasser- oder sonstiger erheblicher wirtschaftlicher Schäden zu entnehmen“, wird der Politiker zitiert. ●

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