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Auch Dinkel, Hafer & Co. eignen sich gut für den Hofladen

Wer alte Getreidearten anbauen möchte, sollte die Vermarktung vorher abklären. Die Ernte selbst zu verarbeiten und direkt zu vermarkten, kann eine Alternative sein.

Lesezeit: 4 Minuten

Dinkelbrot, Crunch-Müsli oder Hafer-Porridge liegen bei Verbrauchern weiter im Trend. In größeren Bäckereien gehören Mehle aus „Urgetreide“ wie Dinkel und Emmer zu etablierten Zutaten. Davon müssten doch auch heimische Landwirte profitieren können?

Tatsächlich hat sich vor allem in Süddeutschland der Dinkelanbau im größeren Stil etabliert. Im „freien“ Markt sind allerdings die Preise für Dinkel, Hafer und Co. im vergangenen Jahr deutlich weniger stark gestiegen als die Notierungen für Weizen, Mais oder Gerste.

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Die alten Getreidearten sind stark in regionalen Märkten und in kurzen Handelsketten aus Landwirt, Mühle und Verarbeiter etabliert – auf dem Weltmarkt und im internationalen Getreidehandel spielen sie fast keine Rolle. Hinzu kam, besonders beim Dinkel, nach einer deutlich größeren Ernte 2021 ein Überangebot im vergangenen Jahr, das auch aktuell noch für Druck sorgt.

Wer im größeren Stil besondere Getreidearten anbaut, sollte daher im Vorfeld den Absatz und den Preis abgeklärt haben. Es lohnt sich, mehrere potenzielle Abnehmer zu kontaktieren, die Preisgebote liegen schnell 100 €/t auseinander. Auch sollten Sie bei der Wahl des Abnehmers immer die höheren Transportkosten beachten.

Besser Selbst verarbeiten?

Eine echte Alternative kann die Ver­arbeitung in Eigenregie sein. Besonders Getreide-Spezialitäten wie Emmer oder Champagnerroggen eignen sich mit ­ihren Eigenschaften und ihrer „Geschichte“ für selbst hergestellte Hofprodukte, wie Mehle, Müsli oder ­Spi­rituosen. Das zeigen auch unsere ­Betriebsreportagen auf den folgenden Seiten.

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R e p o r t a g e

Eigene Haferflocke entwickelt

Victoria und Marek Görlich haben vor drei Jahren das „Hafergut“ gegründet. Sie veredeln Hafer aus eigenem Anbau zu Flocken, Müsli und Granola-Mischungen.

Zwei Hände voll Haferflocken – man muss schon ganz genau hinschauen, um es zu erkennen: Die Flocken in ­Victoria Görlichs Händen sind etwas dicker als gewohnt, erscheinen bissfester. „Diese Haferflocke gibt es nur bei uns“, berichtet Görlich, die mit ihrem Mann seit 2020 selbst erzeugten Hafer zu ­Flocken und Knuspermüslimischungen verarbeitet und diese unter der eigenen Marke „Hafergut“ vermarktet.

Die Idee zum Hafergut entstand, weil Müsli bei der Familie gerne und oft auf dem Speiseplan steht. „Viele Sorten waren uns zu süß, sodass die Idee der eigenen Herstellung aufkam“, erinnert sich Görlich. Zudem wollten die Nebenerwerbslandwirte ih­re Erzeugnisse nicht einfach abliefern, sondern diese selbst verarbeiten und als regionales Nahrungsmittel direktvermarkten.

Gesagt, getan: Rund 10 ha ihres ­Nebenerwerbs-Betriebes bestellte das Landwirts-Paar im ersten Jahr mit Hafer. Von der Flächenplanung über die Saat bis zum Start der Vermarktung hatten Görlichs ein Jahr Zeit. „Die Aussicht auf eine Ernte von rund 50 t Hafer war trotzdem erst einmal sportlich“, erinnert sich Victoria Görlich.

Wir wollen uns mit der eigenen Flocke von der klassischen, industriell gefertigten Ware unterscheiden - Victoria Görlich

Die Schäl- und Walzmühle, die den rohen Hafer im Lohn zu Flocken walzt, wollte aber erst ab dieser Partiegröße für sie tätig werden. Zumal die Unternehmerin gemeinsam mit der Mühle eine hofeigene Flocke entwickelte. „Wir wollen uns bewusst von der klassischen Industrieflocke unterscheiden“, erklärt sie. Die Hafergut-Flocke ist so groß wie eine Feinblattflocke, hat aber eine festere Struktur und mehr Biss.

Flocken, Müsli, und Granola

In 25 kg-Säcken kommen die Flocken von der Mühle zurück zum Hafergut, wo Victoria Görlich zusammen mit ihrer Tante Teile der Flocken zu knusprigem Granola röstet, drei Sorten Müsli mischt und dieses, sowie Hafermehl, -pops und -flocken, abfüllt. Rund 14.000 Tüten Müsli (à 375 g) konnte Görlich in den ersten zwölf Monaten absetzen. In 80 Hofläden, zehn Lebensmittelmärkten in der Umgebung und im Hafergut-Onlineshop sind die Hafergut-Produkte inzwischen platziert.

Die aktuelle Kaufzurückhaltung der Verbraucher macht sich bei Görlichs Hafererzeugnissen erfreulicherweise aktuell nicht bemerkbar. „Der Absatz läuft gut, derzeit melden sich etwas weniger Hofläden als neue Weiterverkäufer an als im vergangenen Jahr“, berichtet sie.

Als Diplomkauffrau hat Victoria Görlich den Businessplan voll im Blick: Für die Müsliproduktion, Lieferservice, Marketing usw. fällt viel Arbeit an. Gerade im ersten Jahr war der Stundenlohn niedrig, sodass Görlich inzwischen stärker auf das Versandgeschäft setzt, die Abfüllung schlagkräftiger aufgestellt hat und für das gut laufende ­Onlinegeschäft Vorratspackungen mit 1, 2 und 4 kg anbietet.

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