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Strompreise am Spotmarkt fallen auf tiefsten Stand des Jahres

Im kurzfristigen Handel ist Strom im Juli auf den niedrigsten Stand des Jahres gefallen. Zugleich erreichte der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Gesamterzeugung einen Jahreshöchststand von 70 %.

Lesezeit: 5 Minuten

top agrar versorgt Sie monatlich mit den aktuellen Entwicklungen auf den Strommärkten und erklärt die Hintergründe. Die Daten und Analysen liefert der zertifizierte Stromhändler Next Kraftwerke. Er ist einer der größten Direktvermarkter von Strom aus Erneuerbaren Energien.

Die Strompreise sind am Spotmarkt zuletzt auf den niedrigsten Stand des Jahres gefallen. Zugleich erreichte der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Gesamtstromerzeugung einen neuen Jahreshöchststand: Verblüffende 69,2 % allen Stroms produzierten Windräder, Solarpaneele, Wasserkraftwerke und Bioenergieanlagen im Juli 2023.

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Nun liegt der Schluss nahe, dass beide Phänomene direkt zusammenhängen. Tatsächlich beobachten Experten von Next Kraftwerke im untertägigen Handel an der Strombörse immer wieder, dass ein hohes Angebot an Solar- und Windstrom die Preise drückt. Schließlich müssen Betreiber von Solaranlagen und Windrädern keine Brennstoffe einkaufen und produzieren ihren Strom zu Grenzkosten von 0 €.

Dämpft Grünstrom den Strompreis?

Zugleich weisen die Analysten aber darauf hin, dass das heutige Strompreisniveau noch immer deutlich über den Werten der Vergangenheit liegt. Konnten Kraftwerke im Juli 2023 im Durchschnitt noch 7,761 Cent/kWh (-18,1 % zum Vormonat) erzielen, wenn sie in allen Stunden des Monats lieferten, waren es drei Jahre zuvor weniger als die Hälfte. Denn im Juli 2020 lag der Monatsmittelwert aller Stundenkontrakte an der EPEX SPOT bei lediglich 3 Cent/kWh.

Die Sache ist also komplizierter: Denn auch wenn der Grünstromanteil von nahezu 70 % an der Stromerzeugung vor einigen Jahren noch unvorstellbar war, so mussten auch im Juli noch 30 % des Stroms aus konventionellen Quellen kommen. Und die Preise für Erdgas, Kohle und CO2-Zertifikate liegen nach wie vor weit über dem historischen Durchschnitt. Wie hoch jedoch der aktuelle Strompreis ohne die dämpfende Wirkung der Solar- und Windenergie wäre, ist völlig unklar.

EEG-Förderung greift wieder

Betreiber von Solaranlagen konnten im Juli durchschnittlich 5,173 Cent/kWh (-27 % zum Vormonat) erlösen, Windmüller an Land mit 5,445 Cent/kWh (-41 % zum Vormonat) etwas mehr als ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Solarbranche. Somit lagen die Strompreise am Spotmarkt erstmals seit längerer Zeit wieder unter den fixierten Fördersätzen der allermeisten Stromerzeuger der Erneuerbaren Energien – der Ausgleich erfolgt nun wieder über die EEG-Förderung.

Wenig überraschend: Aufgrund des niedrigen Spotpreisniveaus kam es im Juli sieben Mal zu Fällen, in denen der Strompreis im Day-Ahead-Handel an mindestens vier aufeinanderfolgenden Stunden im negativen Bereich lag. Bemerkenswert war dabei der Sonntag am 2. Juli: Rekordverdächtige 15 Stunden am Stück konnten Stromabnehmer mit ihrem Verbrauch Geld verdienen, wenn sie sich im Day-Ahead-Handel eingedeckt hatten. Grund für die extrem lang anhaltenden negativen Preise war ein hohes Angebot aus Solar und Wind, das auf eine niedrige Sonntags-Nachfrage traf.

Die Residuallast lag an diesem Sonntag bei erstaunlichen -30 Gigawatt, was nichts anderes bedeutet, als dass die Erneuerbaren Energien allein zeitweise über 30 Gigawatt mehr an Strom produzierten, als in Deutschland verbraucht wurde. Für manche Anlagen der Erneuerbaren Energien verringerte sich in all diesen Fällen anhaltender negativer Preise der anzulegende Wert– und damit die vom EEG zugesicherte Förderhöhe – auf 0 Euro.

Öl teurer, Gas günstiger

Die Rohstoffpreise an den Energiemärkten entwickelten sich im Juli unterschiedlich. Während Erdöl durchgängig teurer wurde, fiel der Großhandelspreis für Erdgas im Day-Ahead-Handel von 36,91 €/MWh am letzten Tag des Vormonats auf 27,27 €/MWh am 31. Juli (-26 %). Zur Erinnerung: Noch zu Jahresbeginn lag der Day-Ahead-Preis für Erdgas bei 66 €/MWh. Die Preise für CO2-Zertifikate pendelten im Juli zumeist zwischen 80 €/t und 90 €/t, stiegen jedoch zum Monatsende an.

Im Terminhandel für Strom liegt ein eher ereignisarmer Monat hinter uns. Das Base-Frontjahr 2024 begann und schloss den Monat recht exakt bei 138 €/MWh. Das Frontquartal Q4/2023 hingegen verzeichnete untermonatlich Preisabschläge und fiel von 126,82 €/MWh zu Monatsbeginn auf 117,54 €/MWh am Monatsende (-7 %).

Regelenergie wird noch teurer

Die Preisexplosion an den Regelenergiemärkten, über die wir in der vergangenen Ausgabe zuerst berichteten, hielt im Juli weiter an und verstärkte sich sogar. Bei konstanter Vorhaltung und Bezuschlagung von 1 MW an regelbarer Leistung konnten Anbieter einen Durchschnittspreis von 32.515 €/MW im Segment der positiven Sekundärreserve (+39 % gegenüber dem Vormonat) und 43.443 €/MW im Segment der negativen Sekundärreserve erlösen (+57 % gegenüber dem Vormonat).

Auch die Preise für Minutenreserve stiegen teils stark an, allein die Primärregelleistung notierte im Juli vergleichsweise schwankungsarm.

Die Preisentwicklung an den Regelenergiemärkten dürfte insbesondere Betreiber von Biogasanlagen freuen, die mit der Flexibilitätaus ihren Kraftwerken an eben diesen teilnehmen und durch Lieferung von kurzfristigen Reserven an die Übertragungsnetzbetreiber die Netzfrequenz stützen. Allerdings zeichnete sich im Monatsverlauf ein wieder abnehmendes Preisniveau ab.

Ein Grund für das Sommerhoch am Regelenergiemarkt dürfte die hohe Einspeisung aus Erneuerbaren Energien sein, die wiederum konventionelle Regelenergielieferanten wie Kohle- und Erdgaskraftwerke aus dem Markt drängt und somit das Angebot aus Regelenergie indirekt verknappt.

Zudem durchliefen im Juni und eben auch im Juli einige Pumpspeicherkraftwerke ihre geplante Revision und standen auf Angebotsseite nicht wie gewohnt zur Verfügung. Da diese Kraftwerke im Monatsverlauf jedoch wieder einsatzbereit geworden sind und das Angebot erweitern, sanken die Preise erwartungsgemäß zum Monatsende bereits wieder etwas von ihren Höchstständen.

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CDU-Politiker Frei fordert Senkung des allgemeinen Strompreises

Thorsten Frei von der Unions-Fraktion im Bundestag bekräftigt derweil die Forderung seiner Partei nach einer allgemeinen Senkung des Strompreises für private Verbraucher und für Unternehmen.

Der tatsächliche Grund für die lahmende Wirtschaftsleistung Deutschlands liege in den "weltweit höchsten Energie- und Strompreisen", sagte Frei im Interview mit dem Fernsehsender phoenix. Deshalb schlage seine Partei vor, dass die Stromsteuer auf das europarechtliche Mindestmaß reduziert und "zum zweiten auch die Netzentgelte" übernommen würden, so dass der Strompreis für alle nachhaltig gesenkt werde.

"Das ist derzeit sicher der größte Hemmschuh, den wir haben", sagte Frei. Finanziert werden könnten die Kosten dadurch, dass "die Steuereinnahmen nachhaltig gestaltet" werden, in dem man Wirtschaftswachstum erreiche, so Frei. "Was wir brauchen, ist Wirtschaftswachstum, damit wir Wohlstand und Stabilität zurückgewinnen", unterstrich der CDU-Politiker im phoenix-Interview.

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