Naturschutz

Bioland gründet die Insektenlobby

Bioland will Insekten eine Stimme geben und hat eine Kampagne gestartet, um eine Agrarwende und einen Ausbau des Ökolandbaus ins Bewusstsein der Verbraucher und Landwirte zu bringen.

Bioland hat am Mittwoch in Berlin die Insektenlobby gegründet. Als Auftakt diente ein Pressetermin mit Renate Künast (Grüne), Reinhard Witt (Naturgarten) sowie Jan Plagge, Katharina Schertler und Gerald Wehde (alle Bioland). Moderiert wurde die Veranstaltung von der Moderatorin Susan Link.

Ziel der Insektenlobby ist es laut Verband, Verbraucher und politische Akteure sowie Kommunen hinsichtlich des Insektensterbens nachhaltig zu sensibilisieren und zum wirksamen Insektenschutz zu aktivieren. Mit gezielten Forderungen wollen sie Politik und Landwirtschaft zum Handeln aufrufen.

„Wir möchten so viele Menschen wie möglich erreichen und sie als Mitglied der Lobby gewinnen. Sie sollen zur Stimme der Insekten werden und dazu befähigt, aktiven Insektenschutz zu leben und umzusetzen”, so Jan Plagge. „Dazu sind in den nächsten Jahren zahlreiche Maßnahmen geplant. Ganz aktuell ist unsere Kampagne ‘Hier brummt die Vielfalt’. Unsere Höfe zeigen dabei, wie Insektenschutz in der Landwirtschaft aussehen kann und was den Unterschied macht, wenn Konsumenten zu Bio anstatt zu konventionell erzeugten Lebensmitteln greifen.”

Zur Insektenlobby zählt sich auch Renate Künast, die auf dem Podium ebenfalls für mehr Bio warb. „Insekten schützen, nicht Konzerne! Insekten sind systemrelevant, ohne sie geraten unsere Lebensgrundlagen ins Wanken. Die aktuell steigenden Lebensmittelpreise müssen uns ein Warnsignal sein. Wenn wir das Artensterben und die Klimakrise nicht aufhalten können, so wird das Ernährungssystem mit weitaus größeren Herausforderungen konfrontiert sein." Sie forderte in dem Zuge eine klare Kurskorrektur und den konsequenten Ausbau des Ökolandbaus.

Die Forderungen der Insektenlobby im Einzelnen

  • Alle gesellschaftlichen Gruppen müssen ihre Flächennutzung ändern: Landwirtschaft und alle Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger, die Verantwortung für die Nutzung von Flächen haben
  • Die Politik muss öffentliche Leistungen der Landwirte für mehr Biodiversität und intakte Ökosysteme ausreichend honorieren
  • Verbot von chemisch-synthetischen Pestiziden in ökologisch empfindlichen Gebieten sowie auf öffentlichen und privaten Flächen
  • Einführung einer Abgabe auf Pestizide
  • Erstellung eines wirksamen politischen Gesetzesrahmens, der den Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide im Pflanzenschutz als letzte Wahl vorgibt
  • Zulassungsstopp für Pestizide mit breiter Wirkung in Kleingewässern
  • Verbot aller Totalherbizide, wie bspw. Glyphosat
  • Verpflichtende flächengebundene Tierhaltung
  • Abgabe für synthetischen Stickstoffdünger
  • Förderung der Strukturvielfalt in Agrarlandschaften
  • Förderung der Insektenvielfalt in Siedlungsräumen
  • Intensivierung der Forschung und des Monitorings
  • Einführung eines umfassenden Ökosystemschutz im Grundgesetz, als “Rechte der Natur”
  • Systematische Anpflanzung heimischer Wildpflanzen:
    • alle 10 m ein kleiner Wildpflanzenlebensraum bis zu 10 m². Z.B.: Balkon, Fassadenbegrünung, Wildblumenbeet
    • alle 100 m ein Wildpflanzenlebensraum bis zu 100 m². Z.B.: Naturgarten, öffentliches Grün, Biodiversitätsdach
    • alle 500 m ein großer Wildpflanzenlebensraum bis zu 500 m². Z.B.: öffentlicher Park, großer Naturgarten, großes Biodiversitätsdach
  • Vernetzung und Verbindung der Wildpflanzenlebensräume durch naturnahe Straßenränder, Bahndämme, Wegränder


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