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Geplante Bahnstrecke zerschneidet beste Ackerböden - Bauern werden enteignet

Durch eine von der ÖBB geplante Eisenbahntrasse drohen in Ebenfurth beste Acker- und zudem einige Auwaldböden unwiederbringlich verloren zu gehen − und Betriebe dafür enteignet zu werden.

Lesezeit: 7 Minuten

Es ist ein grauer, regnerischer Morgen im Dezember 2023 − und genauso düster ist die Stimmung unter Landwirten und Bewohnern aus Ebenfurth, die mir das Gebiet zeigen, durch das die von der ÖBB geplante Bahnschleife Ebenfurth verlaufen soll. Direkt oder indirekt Betroffene von der geplanten Trasse haben sich in der „IG Schleife Ebenfurth/Untere Au“ zusammengeschlossen.

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Im Raum Ebenfurth plant die ÖBB ein Trassenprojekt, dass von Landwirten und Naturschützern gleichermaßen ­kritisiert wird.

Sollte die Trasse gebaut werden, verlieren betroffene Betriebe wertvolle Ackerflächen.

Zudem wäre ein Natura 2000-Gebiet von der Schleife massiv betroffen.

Die Bürgerinitiative „IG Schleife“ ist grundsätzlich auch für den Ausbau der Bahn, aber gegen die hier geplante Trasse. Sie schlägt gleichzeitig ein Alternativprojekt entlang der A3 vor.

„Schlechteste Variante“

Deren Sprecher ist Bernhard Haschka  aus Pottendorf. Er erklärt, worum es geht: „Im Zuge des Ausbaus der Pottendorfer Linie ist auch ein Umbau der Bahnanbindung der Raaberbahn geplant. Die ÖBB wählte 2022 aus mehreren möglichen Trassenführungsvarianten die aus ihrer Sicht beste aus, die Schleife Ebenfurth.“ In der Übersicht ist diese rot-weiß eingezeichnet. Die bisherige Verbindung vom bestehenden Bahnhof Ebenfurth bis zur Pottendorfer Linie soll laut dem Entwurf abgetragen und ein neuer Bahnhof Ebenfurth gebaut werden.

Im Sommer 2023 gab es dazu auch bereits eine dreitägige UVP-Verhandlung vor Ort, wo Bürger ihre Bedenken einbringen konnten. Es kamen neben den Mitstreitern der „IG Schleife“ aber nur wenige, um sich zu informieren. „Ein Großteil der Bevölkerung weiß gar nichts davon, was hier geplant ist“, schätzt Bernhard Haschka. In erster Instanz wurde nach der UVP zugunsten des Projektes der ÖBB entschieden. Dagegen hat die Bürgerinitiative Einspruch erhoben. Jetzt geht das Verfahren in die nächste Instanz, zum Bundesverwaltungsgerichtshof (BVwG).

"Sind für den Ausbau der Bahn"

Bevor Haschka auf die Kritikpunkte der geplanten Strecke eingeht, macht er aber auch ganz klar deutlich: „Wir sind für den Ausbau der Bahn, aber gegen diese von der ÖBB geplante Trasse.“ Aus Sicht der IG Schleife stellt die aktuelle Trassenvariante die denkbar ungünstigste dar. „Sie würde einen massiven Eingriff in die Natur bedeuten, der mit einem großen Verbrauch von wertvollen Ackerflächen verbunden wäre“, erklärt Alois Brünner, der in dem Gebiet einen Reitstall verpachtet hat. „Die Schleife Ebenfurth würde durch Natura 2000-Gebiet führen.“

Laut Bernhard Haschka sei vielen die Dimension der geplanten Trassenführung noch gar nicht bewusst. „Die Schleife Ebenfurth würde keine einfache Abzweigung von der Pottendorfer Linie in Richtung Sopron sein, sondern ein riesiger Bahnverkehrsknotenpunkt.“ Zudem solle hier eine zweigleisige Bahntrasse in Hochlage auf einer Länge von über 1 km parallel zum Ufer der Leitha mitten durch das Natura 2000-Gebiet „Feuchte Ebene-Leitha-auen“ geführt werden. 

Darüber hinaus wären auch einige landwirtschaftliche Betriebe betroffen. Hauptleidtragender wäre Robert Szihn. Er bewirtschaftet 180 ha Ackerfläche. „Durch den Bau der Bahnschleife würden knapp 20 ha unserer besten Böden direkt oder indirekt betroffen sein“, erklärt Szihn. „Es handelt sich hier um Bewässerungsflächen, auf denen ich vor allem Erdäpfel für die Pommesindustrie und Zuckerrüben anbaue. Wir müssten deren Produktion um je ein Drittel reduzieren, da keine andere geeignete Fläche zur Verfügung steht.“

Ebenfalls direkt betroffen wären auch vier Reitbetriebe, die mitten in dem geplanten Trassenführungsgebiet liegen. Was derzeit eine gesicherte Existenz für die Betreiber und eine Erholungsoase für viele Reiter ist, wäre durch den Bau der Bahntrasse gleichbedeutend mit dem Ende der Reitställe.

Aus Sicht der „IG Schleife“ sprechen demnach viele Gründe gegen die ­geplante Trassenführung der ÖBB. Gleichzeitig haben sie aber auch eine Alternative parat. Dazu Sprecher Bernhard Haschka: „Man könnte südlich von Wampersdorf, der Autobahn A3 folgend, ohne großen Flurschaden für Auwald und Leithafluss nach Osten ins Burgenland schwenken und dort die Anbindung an die Raaberbahn bei Müllendorf suchen (grün-weiße Spur in der Übersicht).

Alternative entlang der A3

Durch eine Trassenführung neben der Autobahn würden keine bzw. nur geringe negativen Belastungen entstehen. „Und die von der ÖBB argumentierte, scheinbar notwendige Abrückung von 500 m vom Autobahndamm ist nicht nachvollziehbar. Es gibt viele Beispiele, wo die Bahn direkt neben einer Autobahn verläuft“, meint Haschka.

Zudem würde die Strecke entlang der A3 laut IG Schleife nicht nur einen zeitlichen, sondern auch wirtschaftlichen Vorteil bringen. „Der Bahnhof Wampersdorf und ein neu einzurichtender Bahnhof „Hornstein/Neufeld − beide mit Park and Ride-Anlage ausgestattet − würden aufgewertet werden. Mit einer raschen Anbindung von Wampersdorf aus wären auch die Einwohner von Pottendorf und Ebenfurth gut bedient.“ Von daher sei auch ein längerer Trassenneubau durchaus zu rechtfertigen. Der tatsächliche Landverbrauch wäre seriös zu berechnen, der Rückbau des Teils der Raaberbahnstrecke müsste in die Berechnungen zum Bodenverbrauch einkalkuliert werden.

Abschließend meint Haschka: „Noch ist es nicht zu spät. Die ÖBB, die sich gerne als umweltschonende Alternative zum Auto präsentiert, kann und darf nicht neue gigantomanische Projekte auf Kosten „letzter Reste halbwegs intakter Umwelt“ entwickeln, schon gar nicht in Zeiten wie diesen.“ Rechtzeitig vor Ende der Einspruchsfrist am 12. Dezember 2023 hat die IG Schleife das Vorhaben der ÖBB beeinsprucht. Jetzt ist die nächste Instanz am Zug.

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Stellungnahme der ÖBB

„Streben Einigung an“

Bei der Trassenauswahl sind Faktoren wie Flächenverbrauch, Beanspruchung landwirtschaftlicher Flächen, Berührung von Naturschutzgebieten und anderer Infrastrukturen wie z. B. Stromleitungen etc. berücksichtigt und so gering wie möglich gehalten.

Die Schleife Ebenfurth ist eine zweigleisige Verbindung zwischen der Pottendorfer Linie und dem Bahnhof Neufeld. Durch die ÖBB präferierte Variante gewinnt der Bahnhof Neufeld größere Bedeutung, da Züge von dort künftig ohne Wartezeit in Ebenfurth über Pottendorf nach Wien fahren. Die Fahrtzeit von Neufeld an der Leitha nach Wien Meidling reduziert sich vo-raussichtlich auf 26 Min., das ist z. B. für einen Pendler aus Neufeld ein Zeitgewinn von rund 22 Min. täglich.

Diverse Stimmen werfen immer wieder andere Linienführungen wie die sogenannte A3-Variante als die „besseren“ auf. Bei dieser Trassenführung würde die Bahnstrecke parallel zur A3 (Südost Autobahn) zwischen Müllendorf und Wampersdorf verlaufen. Es handelt sich um eine über elf Kilometer lange Neubaustrecke. Diese hat folgende Nachteile:

  • Gänzlich neue Streckenführung in einem anderen Gebiet mit wesentlich mehr Flächenverbrauch als bei der von der ÖBB präferierten 3 km-Variante.

  • Neuerrichtung eines Bahnhofs – in bisher von der Eisenbahn unberührtem Gebiet – im Bereich Hornstein mit Park and Ride-Anlage.

  • Wesentlich höhere Beanspruchung von landwirtschaftlichen Flächen und Natura 2000-Gebiet.

  • Konflikte des Schienenprojekts mit bestehenden Infrastrukturen (Schutzabstand und Konflikte zu Autobahn A3, 380 kV-Leitung, Gasleitungen etc.).

  • Konflikt mit Alpen-Karpaten-Wildtierwanderkorridor.

  • Verlust der Nahverkehrsanbindung für Neufeld an der Leitha.

  • Verbleib der Raaberbahnstrecke zwischen Müllendorf und Ebenfurth wäre ungewiss. Dabei ist zu beachten, dass die Raaberbahn in diesem Abschnitt in den letzten Jahren Erneuerungen durchgeführt hat, die als verlorener Aufwand zu werten wären.

Der Verbrauch von landwirtschaftlichen Flächen ist bei einem derartigen Projekt obligatorisch und nicht zu vermeiden. Alle Varianten benötigen zusätzlich landwirtschaftliche Flächen. Es gibt allerdings Varianten, die von den Projektgegnern ins Treffen geführt werden, die viel mehr an landwirtschaftlichen Flächen verbrauchen würden, als die von der ÖBB präferierte Variante.

Die ÖBB sind vom eingereichten und mit Bescheid vom 14. November 2023 genehmigten Projekt überzeugt. Aktuell liegt das Projekt beim Bundesverwaltungsgerichtshof. Eine Einigung mit den betroffenen Grundeigentümern wird im Rahmen der Grundeinlöseverhandlungen angestrebt, die bei vergleichbaren Vorhaben entlang der Pottendorfer Linie bereits mehrfach durchgeführt wurden.

Christopher Seif, Konzernkommunikation der ÖBB

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