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„Unsere Stärke ist Diversifizierung“

Franz Winkelhofer steht für viele Agrarbetriebe im Waldviertel: Sein Hof ist auf mehreren Standbeinen aufgebaut. Dies sieht der Landwirt auch als eine seiner Stärken.

Lesezeit: 6 Minuten

Unser Betrieb ist eher untypisch fürs Waldviertel, zumindest was das Klima anbelangt. Wir sind nur 4 km vom Weinviertel entfernt. Deshalb sehe ich mich hier auch stark von dieser Region beeinflusst“, schickt Franz Winkelhofer bei unserem Besuch voraus.

Auf drei Säulen aufgebaut

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Allerdings, was die Produktion betrifft, ist der Betrieb absolut typisch für das Waldviertel. Winkelhofer (42) hat diesen gemeinsam mit Ehefrau Tanja (39) und Vater Franz auf mehreren Säulen aufgebaut. Dazu zählen neben den knapp 170 ha Ackerbau auch die Stiermast mit 240 Plätzen sowie die Erzeugung von 1.500 t Kompost aus Bioabfällen aus dem Bezirk Horn. Weiters bewirtschaftet er noch 11 ha Wald.

„Ich bin froh, dass wir mit unserem Betrieb auf drei Beinen stehen“, meint der junge Landwirt. „Dadurch können wir schlechtere Jahre bei einem davon mit einem anderen besser ausgleichen.“ Die Rindermast macht etwa 50 % des jährlichen Umsatzes aus. „Aber der Gewinn ist hier meist nicht höher als bei den anderen beiden Standbeinen“, meint Winkelhofer.

Stiere aus Mutterkuhhaltung

Die Fresser kauft Winkelhofer von zwei privaten Händlern aus dem Waldviertel zu, jeweils 25 bis 30 Jungstiere mit ca. 100 kg. Winkelhofer: „Die Tiere kommen aus Mutterkuh­betrieben. Jungstiere aus Milchviehhaltung sind für uns oft nicht geeignet, weil die Rasse Fleckvieh inzwischen schon zu milchbetont ist. Aus meiner Sicht geht hier die Zucht in die falsche Richtung“, kritisiert der Landwirt.

In der Mast erzielt Winkelhofer Zunahmen von im Schnitt 1.400 g. Die Stiere werden mit einem Endgewicht von bis zu 720 kg ebenfalls über private Händler an den Einzelhandel als AMA-Gütesiegelstiere vermarktet.

Winkelhofer möchte keinesfalls auf die Stiermast verzichten. „Die Tiere gehören für mich zu einem Betrieb dazu. Ich denke stark in Kreisläufen“, erklärt der Landwirt. „Und die Wirtschaftsdünger passen gut in den Ackerbau.“

„Mir kommt es im​

Betrieb darauf an, in​

Kreisläufen zu denken.“​
Franz Winkelhofer

Zum zweiten Betriebsstandbein: Winkelhofer erzeugt aus jährlich 1.500 t Bioabfall aus dem Bezirk Horn Kompost. Rund 1/3 des fertigen Materials, sprich etwa 225 t, bringt er auf den eigenen Flächen aus. Den Rest verkauft er an Biobetriebe und Gartenbesitzer. Winkelhofer gibt hierzu aber zu bedenken: „Kompost ist ein Hilfsmittel, ein zusätzlicher Booster, aber kein alleiniges Allheilmittel für den Boden.“ Von der Wirtschaftlichkeit her gab es laut dem Landwirt Jahre, „wo wir von der Kompostierung gelebt haben“. Dies habe sich inzwischen etwas eingependelt. „Die Kompostierung rennt konstant, allerdings auf niedrigster Stufe ­aller Einkommensstandbeine.“

System Immergrün

Im Ackerbau setzt Winkelhofer auf eine Fruchtfolge aus Mais, Getreide und Raps als Basis. Dazu streut er mal Soja oder Sonnenblume ein. „Auf den schwächeren Böden steht statt Weizen Roggen oder Triticale“, ergänzt der Landwirt. „Zwischen zwei Kulturen steht immer eine Zwischenfrucht, auch nach Raps vor Weizen, weil ich das ­System Immergrün betreibe. Ich versuche immer, den Boden geschützt und bedeckt zu halten.“ Im Herbst bringt er in die stehende, kniehohe Begrünung Wirtschaftsdünger aus. Das gilt auch ganz spät für den Raps.

Bei der Bodendüngung verfährt der Landwirt nach der Albrechtlehre (s.Ausgabe 10/2022, Seite 22 ff). Winkelhofer: „Ich setze allerdings keinen Nitratstickstoff ein, sondern nur Ammonium. Ich bin kein Freund von NAC, weil der N-Überschuss in der Pflanze sofort Krankheiten oder Schädlinge hervorruft. Ammonium dagegen sorgt für gesunde Pflanzen.“

Nur mehr Direktsaat

Klimatisch ist seine Region geprägt vom Eggenburger Raum, erklärt Winkelhofer. Im Schnitt muss er mit 480 mm Niederschlag zurechtkommen. Zudem hat er es regelmäßig mit stark ausgeprägter Frühjahrstrockenheit zu tun. Andererseits kommt es im Laufe des Frühjahrs und Sommers oft zu Gewittern mit Starkregen − mit allen negativen Folgen für die Ackerflächen, wie Verschlämmungen und Abspülungen.

Winkelhofer hat nicht zuletzt deshalb sein Ackerbausystem im Laufe der Jahre immer mehr zu minimaler Bodenbearbeitung hin umgestellt. Begonnen hat er vor vielen Jahren mit Mulchsaat, seit 2019 werden alle Flächen ins No-Till-System überführt. Im Laufe der Jahre habe er den Boden immer flacher bearbeitet. Dies ging solange, „bis ich keine Technik mehr gesehen habe, die für die flache Bearbeitung infrage gekommen wäre.“

Letztendlich führte für ihn kein Weg an der Direktsaat vorbei. Seine Wahl fiel auf die in Frankreich produzierte Novag T-ForcePlus 350. Ausschlaggebend dafür war die Sätechnik der Maschine: „Mich überzeugt die Kombination aus Scheibe und Blade (Kufe), die bei der Saat den Säschlitz sauber freiräumt“, hebt Winkelhofer hervor.

Die höheren Kosten nahm der Landwirt in Kauf. „Mit einem Anschaffungspreis von fast 120.000 € netto bzw. 50 bis 60 €/ha ist sie die teuerste unter den Direktsaat­maschinen“, weiß Winkelhofer. „Zinkenmaschinen kosten nur die Hälfte. Doch die Arbeitsqualität der Novag mit der Sicherheit der kompromisslosen Saatgutablage sind mir die Mehrkosten wert.

Variables Viertank-System

Als weiteren großen Pluspunkt der ­T-Force 350 sieht der Landwirt das Viertank-System. „Ich säe damit z. B. bei Raps zusätzlich eine feinkörnige Begleitsaat in 1,5 cm Tiefe und Ackerbohnen in 5 cm. Und über den vierten Tank wird Schneckenkorn über Prallteller oberflächlich ausgebracht.“

Winkelhofer betont, dass er sich „nie im Leben so eine teure Maschine kaufen wollte. Aber je mehr ich andere ­ausprobiert habe, desto mehr war mir klar, dass nur diese für mich infrage kommt. Zudem ist die Novag in seinem Ackerbausystem die Schlüsselmaschine. Dass der Landwirt mit seinem Bewirtschaftungssystem offenbar gut fährt, zeigen die Ergebnisse aus dem Arbeitskreis Ackerbau. So erzielt er im Schnitt rund 7 t Qualitätsweizen, zwischen 3,5 und 4 t Raps, 18.000 t TRM Silomais.

Bei Körnermais setzt er auch eher auf Silomaissorten, weil er diesen als Reserve anbaut, um in Trockenjahren genügend Futter zu haben. Hier liegt der Ertrag zwischen 8 und 11 t. Beim Soja kommt er nach eigener Aussage auf 2,5 t, weil er im Randstandort des Waldviertels liegt.

Die Frage nach seiner Zukunfts­strategie beantwortet Winkelhofer so: „Ich werde im Ackerbau mein immergrünes Kreislaufsystem weiterentwickeln. Denn ich sehe klimatisch eine große Herausforderung auf mich zukommen. Wenn es für mich weitergeht, dann am ehesten so, wie wir es machen, denke ich. Ich habe mir schon oft die Frage gestellt, ob ich es meinen beiden Kindern Lukas und Anna empfehlen kann, Bauer zu werden. Aber letztlich werden sich auch künftig Wege finden, die auch für die nächste Generation passen.“

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