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Generalversammlung Arge Rind

Rindfleisch: "Qualitätsfleischprogramme müssen bedient werden!"

Knapp 80% des österreichischen Rindfleischs werden über Qualitätsprogramme vermarktet. Die ARGE Rind appelliert: „Nur solange wir diese Programme bedienen können, profitieren alle Rinderhalter!"

Lesezeit: 6 Minuten

Mit Veränderungen umzugehen und rasch am Markt zu agieren – vor allem auch in einer schnelllebigen Zeit mit sehr kurzfristigen, sich ändernden Rahmenbedingungen – charakterisieren die vielseitigen Tätigkeiten und Aktivitäten der ARGE Rind eGen.Bei der heurigen Generalversammlung der ARGE Rind eGen am 10.Oktober in Fügen, Tirol wurde diskutiert, welche Auswirkungen diese Entwicklungen für die Rindfleisch-Produktion in Österreich mit sich bringen, sowie welche Maßnahmen die Erzeugergemeinschaft setzen konnte bzw. geplant sind

Als Dachorganisation koordiniert die ARGE Rind eGen die Tätigkeiten von acht Rindererzeugergemeinschaften in den Bundesländern. Sie ist gleichzeitig die Interessensvertretung für alle Rindfleischproduzenten in Österreich. Sie verhandelt die Vermarktungs- und Preiskonditionen für die Bauern mit den Abnehmern und ist maßgeblich an der Entwicklung regionaler Qualitätsfleischprogramme beteiligt, welche im Handel positioniert werden und damit den Verbrauchern zur Verfügung stehen. Die ARGE Rind eGen vermarktet jährlich zirka 290.000 Schlacht- und Lebendrinder. Im Jahr 2022 betrug der Anteil der Qualitätsfleischprogramme insgesamt 77,5%.

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Die Kostenschraube drückt gewaltig!

Die Auswirkungen der Inflation haben sich auf vielfältige Weise gezeigt: Für die Landwirte stiegen im letzten Jahr vor allem die Futtermittel- und Energiepreise massiv an. Natürlich wirkten sich die höheren Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus, auch die Schlachthöfe und der Handel mussten mit der Teuerung kämpfen. Das Resultat? Gestiegene Lebensmittel- und im Speziellen Fleischpreise für den Konsumenten. Leider blieb beim Endverbraucher oftmals der komplett irreführende Eindruck hängen, dass vor allem Landwirte gut daran verdient haben.

„Gemeinsam am Markt bewegen wir mehr als der Einzelne!“

„Die ARGE Rind ist hier am Markt sehr aktiv, steuert die Mengen in den Qualitätsfleisch-Programmen und entwickelt gemeinsam mit Vermarktungspartnern Absatzschienen im Inland, aber auch im Rindfleisch-Export weiter", sagte ARGE Rind-Obmann Josef Fradler.Damit verdeutlichte er den großen Stellenwert der Qualitätsproduktion in Österreich.

Über den Aspekt der Wertschöpfung für die Betriebe berichtete der Geschäftsführer der ARGE Rind eGen, DI Werner Habermann, nochmals detailliert: „77,5 % der Schlachtrinder wurden über Qualitätsrindfleisch-Programme mit Preiszuschlägen vermarktet und somit die Wertschöpfung auf den Betrieben verbessert! Damit lukrieren die Rinderhalter einerseits einen Mehrwert, andererseits wird dem Konsumentenwunsch nach regional produziertem Qualitätsrindfleisch entsprochen!“, erklärt Habermann.

Die letzte Erfolgsstory dazu schrieb „AMA-Gütesiegel Kalb rosé Austria“. 2021 wurde mit diesem Qualitätsfleisch-Programm eine Lösung für Kalbfleisch aus Österreich sowie für wesentlich kürzere Tiertransporte gefunden. Die wöchentlichen Vermarktungsmengen liegen aktuell bei 80-100 Stück, weitere Produzenten zur Ausweitung der Produktion sind gesucht!

Auch das Qualitätsfleisch-Programm M-Rind bringt dem Bauern zusätzlich einen Mehrwert von 35 Cent pro Kilogramm! Weitere Tierwohl-Programme sind ebenfalls im Aufbau. Habermann verdeutlich: „Nur so lange wir diese Qualitätsfleisch-Programme bedienen können, profitieren alle Rinderproduzenten davon. Sollte uns das nicht gelingen, verlieren alle!“

Mitbestimmen statt Trittbrettfahren

Die Bauern können ihren Interessen durch die Erzeugergemeinschaft eine Stimme verleihen – in dieser Größenordnung stellt das eine Besonderheit im europäischen Umfeld dar. Durch die Bündelung kann aktiv eine Preispolitik zum Wohl der Landwirte wahrgenommen und wichtige Themen mitbestimmt werden. Alle Bauern profitieren von dieser Positionierung der ARGE Rind eGen.

Je mehr Betriebe sich den Erzeugergemeinschaften anschließen, desto stärker wird die Verhandlungsposition gegenüber Politik, Handel und Gesellschaft. „Vielen Landwirten ist nicht klar, dass der Einzelkämpfer immer unterlegen ist. Das sind bekannte Markt-Dynamiken!“, erklärt Habermann. „Wir wissen um den strategischen Weitblick unserer Bauern bzw. potenzieller Mitglieder und vertrauen auch künftig auf tatkräftige und zukunftsweisende Unterstützung, damit unsere gemeinsame Stimme am Markt noch stärker gehört wird.“

Forderung: Herkunftskennzeichnung für alle!

Seit 1. September gibt es für die Gemeinschaftsverpflegung eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung – „ ... doch wir brauchen diese unbedingt für die gesamte Gastronomie!“, fordert Werner Habermann. „Es braucht hier Klarheit und damit auch Sicherheit für die Betriebe, nur so kann entsprechend produziert werden, um auch langfristig den Auswirkungen von Mercosur-Verhandlungen entgegenwirken zu können! Wir brauchen hier jetzt einen Stufenplan, damit wir vorbereitet sind! Damit eine faire Wettbewerbssituation möglich ist!“

CO2-Abdruck und Nachhaltigkeit der österreichischen Rindfleisch-Produktion

Ein Schwerpunkt der Veranstaltung wurde dem Thema Nachhaltigkeit gewidmet. Als Gastredner konnte DI Franz Waxenecker, DSM Austria, Direktor für Precision-Nutrition und Nachhaltige Tierernährung, gewonnen werden. In seinem Vortrag klärte Herr Waxenecker über die Emissionen und den „Grünen- bzw. Schwarzen Kreislauf“ in Österreich auf. Die Emissionen aus der Landwirtschaft sind je produzierter Einheit deutlich gesunken: und zwar um – 28 % gegenüber 1990. Das bedeutet anders ausgedrückt, dass ernährungsbedingte Emissionen lediglich 10 bis 15 % des persönlichen Fußabdruckes in Österreich ausmachen.

Insgesamt werden Emissionen von Lebensmitteln tierischer Herkunft oft überschätzt. So entstammt Methan aus Rindermägen dem grünen CO2-Kreislauf und hat eine kürzere Halbwertszeit als bisher angenommen. „Nachhaltige Humanernährung funktioniert nur MIT Tierhaltung durch die Grünland-Verwertung der Wiederkäuer, sowie die tierische Verwertung von Nebenprodukten aus der Herstellung pflanzlicher Nahrungsmittel. Gesamt betrachtet liegt die heimische Tierproduktion im internationalen Vergleich bzgl. der Nachhaltigkeitsparameter im Spitzenfeld, erklärt Waxenecker und stellt die Frage in den Raum: Geht´s noch nachhaltiger?

„Um das zu beantworten müssen wir erst wissen, wo wir stehen. Die Tierhaltung benötigt dringend eigene Nachhaltigkeits-Zahlen, um für Transparenz und konkrete Maßnahmen sorgen zu können!“, so Waxenecker. Hier setzt die ARGE Rind eGen an: Es ist notwendig, Betriebe diesbezüglich zu evaluieren, um den genauen Treibhausgas-Abdruck feststellen zu können. Österreich nimmt bereits durch kurze Transportwege, die Kreislaufwirtschaft, die Grünlandbewirtschaftung (Wiesen, Weiden, Almen), den hohen Anteil an qualitativ hochwertigem Eigenfuttermittel und steigender Mengen europäischer Eiweißfuttermittel eine Vorreiter-Rolle ein!

„Wir möchten noch mehr tun!“

Abschließend meint Habermann: „Wir möchten noch mehr tun! Durch diese Transparenz können wir die Rindfleisch-Produktion aus dem Eck holen! Dadurch können wir den Konsumenten als auch sämtlichen NGOs klarmachen, dass ein Stück Rindfleisch aus Österreich hinsichtlich Nachhaltigkeit absolut nicht mit einem Stück Rindfleisch aus z.B. Südamerika vergleichbar ist. Wir brauchen in Österreich die Grünlandnutzung (Wiese, Weide, Almen) im Sinne des Grünen Kreislaufes zur Erhaltung unseres Tourismusangebots! Hier wird kein Regenwald abgeholzt, ganz im Gegenteil! Und das möchten wir unseren Konsumenten klarmachen. Wir setzen hier konkrete Maßnahmen, um für eine Aufklärung direkt beim Konsumenten beizutragen!“

Seine letzten Apelle richteten sich an alle Rinderhalter – „Wir stehen am Scheideweg – entweder wir treten gemeinsam in den Ring und behalten bzw. bauen unsere Verhandlungsposition aus – oder wir geben Schritt für Schritt die Möglichkeit der Mitgestaltung auf. Wir laden Sie ein, gemeinsam den erfolgreichen Weg mit der ARGE Rind eGen zu gehen."

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