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Beine amputiert

Sicherheits-Abschalttechnik ausgehebelt: So kam es zu dem schweren Unfall im Mähdrescher-Korntank

Die Polizei hat nach dem tragischen Unglück in Hohen Luckow, bei dem einem Mann noch auf dem Mähdrescher die Beine amputiert werden mussten, neue Details mitgeteilt.

Lesezeit: 4 Minuten

Am Samstag hatte sich wie berichtet in Hohen Luckow bei Bützow (LK Rostock) ein schwerer Unfall auf einem Mähdrescher ereignet. Ein 25-Jähriger war mit beiden Beinen in die gegenläufigen Schnecken des Kornbunkers geraten. Der NDR erfuhr nun von der Polizei weitere Details.

So war der Verunglückte zum Unfallzeitpunkt nicht allein. Bei ihm waren ein weiterer 25-jähriger Mann sowie eine 24 Jahre alte Frau. Als die beiden Männer bemerkten, dass der Tank mit Korn verstopft war, entschieden sie sich, das Problem mit Schaufeln zu lösen. Währenddessen blieb die junge Frau auf dem Fahrersitz in der Kabine sitzen. Ein Sicherheitsmechanismus sieht eigentlich vor, dass alle Maschinen automatisch gestoppt werden, sobald der Fahrer von seinem Sitz aufsteht. Weil die Frau aber sitzen geblieben war, liefen die Förderschnecken, die sich unten im Korntank befinden, weiter, so die Polizei am Montag.

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Während einer der beiden 25-Jährigen noch telefonierte, kletterte der andere mit der Schaufel in den Tank und geriet mit beiden Beinen in die noch laufenden Schnecken.

Mehrere Feuerwehren, Rettungswagen und ein Hubschrauber waren im Einsatz, um den jungen Mann zu retten. Zwei Stunden lang versuchten die Helfer, den Landwirt zu befreien - ohne Erfolg. Ein Team der Unimedizin Rostock musste ihm vor Ort beide Beine amputieren.

Harte Entscheidung vor Ort

Der Patient steckte mit den Beinen bis zur Hüfte im Mähdrescher-Arm, berichtete der Chirurg der „Bild“-Zeitung. In 6 m Höhe flexten Feuerwehrleute den Mähdrescher auf: „Natürlich ist an einem solchen Ort nichts mehr steril. Der Patient war mit schwersten Verletzungen in einer völlig verdreckten Umgebung gefangen. Weil er enorme Mengen Blut verloren hatte, konnten wir ihn zunächst auch nicht narkotisieren“, wird der Arzt zitiert. Der Patient sei deshalb nur lokal sediert worden. Um das Leben zu retten habe man amputieren müssen. Mittlerweile ist der junge Mann außer Lebensgefahr und ansprechbar, heißt es.

Laut dem RedaktionsNetzwerk Deutschland handelt es sich bei dem Verletzten um einen Studenten aus Kiel, der in den Ferien in der Heimat auf dem Agrarbetrieb arbeitet.

Die Polizei ermittelt derweil wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung. Dabei werde zunächst gegen keinen bestimmten Beschuldigten ermittelt, erfuhr der NDR von den Beamten. Es gelte zu ermitteln, inwiefern tatsächlich ein strafbares Verhalten vorgeworfen werden könne oder ob es sich um einen Unglücksfall ohne strafrechtliche Konsequenzen handele.

Lassen ihn nicht allein

Der Geschäftsführer des Landwirtschaftsbetriebs, auf dessen Feld das Unglück passierte, sagte der „Ostsee-Zeitung“, dass man den Jungen nicht allein lassen werde. Mit 25 könne das Leben nicht zu Ende sein. "Unser Antrieb von allen hier auf dem Gut, seiner Freundin und seiner Familie ist, dass wir alles dafür tun werden, dass er wieder eine Lebensperspektive hat.“

Und der Feuerwehr-Chef sagte der Zeitung, dass von allen Beteiligten „Atemberaubendes“ geleistet worden sei. Die Belastung sei für alle – auch psychisch – enorm hoch gewesen. Alle Beteiligten seien von einem Seelsorgeteam der Johanniter-Unfallhilfe und einem Pastor betreuen worden.

Landwirte „bis ins tiefste Mark angefasst“

Der Präsident des Landesbauernverbandes, Detlef Kurreck, zeigte sich am Montag noch immer geschockt von dem Vorfall. Gegenüber dem NDR Nordmagazin berichtete er, dass er am Morgen mit dem Betriebsleiter habe sprechen können: "Alle sind bis ins tiefste Mark angefasst", sagte er. Die einzig gute Nachricht für die Beteiligten sei gewesen, dass der 25-Jährige mittlerweile stabil ist.

Kurreck zufolge birgt die Erntezeit immer Sicherheitsrisiken. Denn: Sie sei ein Bruch in den Abläufen. "Es kommen ganz andere Maschinen zum Einsatz als noch in der Frühjahrsbestellung", so der Landesbauernpräsident weiter. Deshalb werde vor Erntebeginn, meist Anfang Juli, die Arbeitsschutzbelehrung aufgefrischt. Die Berufsgenossenschaft verteile zudem Merkblätter, um die Kollegen noch weiter für Schwachstellen zu sensibilisieren. Dennoch würden solche schrecklichen Unfälle passieren.

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