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Die „Feldwerker“: Netzwerk aus Landwirten bietet Blühpatenschaften an

Auf der Internetplattform „Feldwerk“ können Landwirte Blühpatenschaften auf ihren Flächen anbieten. Sie erhalten im Gegenzug einen finanziellen Ausgleich. Bisher sind 20 Partnerlandwirte im Boot.

Lesezeit: 7 Minuten

Blühpatenschaften anzubieten, ist keine neue Erfindung“, sagt Tobias Krutemeier, Landwirt aus Löhne in NRW. „Meist ist das für den einzelnen Landwirt aber mit viel Aufwand verbunden.“ Der 28-Jährige und sein Vater Ulrich Krutemeier wollten schon seit Längerem einen freiwilligen Beitrag zur Biodiversitätleisten und über Patenschaften Privatpersonen und Unternehmen daran teilhaben lassen. Gemeinsam bewirtschaften sie einen Schweinemastbetrieb mit Ackerbau.

Die Idee, eine unabhängige Internetplattform für Blühpatenschaften zu entwickeln, der sich andere Landwirte anschließen können, entstand vor drei Jahren im Gespräch mit Marco Schlomann, dem Cousin von Tobias. Er ist IT-Berater und Projektmanager. Seine technische Expertise war genau das, was für die digitale Plattform noch fehlte. Gemeinsam entwickelten sie die „Feldwerk GmbH“, um Blühpaten und Landwirte zusammenzubringen.

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Das Prinzip der Plattform

Landwirte, die auf der Plattform „Feldwerker“ heißen, legen in Kooperation mit dem Start-up mehrjährige Blühflächen an und erhalten dafür einen finanziellen Ausgleich. Das Unternehmen übernimmt im Gegenzug die Abwicklung der Patenschaften. „Wir kümmern uns um Buchführung, Rechnungsstellung, Steuerabwicklung und Zertifikatsausstellung. Außerdem übernehmen wir die Auswahl und Beschaffung des Saatguts für die Landwirte, stellen Werbematerial zur Verfügung und verwalten die Homepage“, sagt Tobias Krutemeier.

Alle Partnerlandwirte werden auf der Homepage vorgestellt. Sie sind für die Aussaat und Pflege der mehrjährigen Blühflächen zuständig und übernehmen den Vertrieb in ihrer Region, sprich: Sie werben bei Firmen und Privatpersonen, um Paten für ihre Flächen zu gewinnen. Seit Projektstart im Frühjahr 2020 kann Feldwerk erste positive Bilanzen ziehen: 20 Partnerlandwirte sind im Boot, die insgesamt auf 15 ha Fläche Blühwiesen angelegt haben. Finanziert wurden diese durch Patenschaften von etwa 500 Privatpersonen und 100 Unternehmen. Die angelegten Blühflächen und die Zahl der ab­geschlossenen Patenschaften wachsen Jahr für Jahr.

Pro Quadratmeter kostet die Patenschaft 1 € für zwei Jahre, da das Start-up mit mehrjährigen Blühmischungen arbeitet.

Die Paten können den landwirtschaftlichen Betrieb und die Flächengröße für ihre Patenschaft frei wählen. Pro Quadratmeter kostet eine Patenschaft 1 € für zwei Jahre, da das Start-up mit mehrjährigen Blühmischungen arbeitet. Die Bezahlung erfolgt online. Neben Blüh- sind auch Bienenpatenschaften in Kooperation mit einem Imker erhältlich. Alle Paten werden namentlich auf der Website genannt.

Was erhält der Landwirt?

Der vertragliche Grundbetrag, den ein Partnerlandwirt erhält, beträgt 0,25 € für einen bestellten Quadratmeter für zwei Jahre. „Zusätzlich zahlen wir Vertriebsprovisionen, wenn die Patenschaft nachweisbar über die Vertriebsaktivitäten des Landwirts zustande gekommen ist“, so Tobias Krutemeier. Nachweisen lässt sich das genau, denn die potenziellen Blühpaten wählen auf der Website aus, wer sie auf die Patenschaft aufmerksam gemacht hat. Als Provision erhält der Landwirt dafür je nach angelegter Blühfläche zwischen 0,10 € und 0,20 € pro m². Der finanzielle Ausgleich liegt also insgesamt zwischen 1 250 € und 2 250 €, gerechnet auf einen Hektar und ein Jahr. „Wir wollen den Landwirten im Optimalfall einen guten Weizenertrag finanziell ersetzen. Wir schließen die Verträge aber im Voraus ab und können daher bei den diesjährigen Preisen nicht mithalten.“

Der finanzielle Ausgleich liegt also insgesamt zwischen 1 250 € und 2 250 €, gerechnet auf einen Hektar und ein Jahr.

Da die meisten Betriebe nur auf einem kleinen Teil ihrer Felder Blühflächen anlegen, steht laut Krutemeier aber nicht primär der wirtschaftliche Nutzen im Fokus. Aus seiner Sicht sind es vielmehr der Beitrag zur Biodiversität, der Imagegewinn, der Austausch unter Landwirten und die einfache Abwicklung. „Das Projekt dient nicht zuletzt der Öffentlichkeitsarbeit für uns Landwirte“, sagt der 28-Jährige.

Die Kosten für Aussaat, Bodenbearbeitung und Vorbereitung des Saatbetts tragen die Landwirte. Feldwerk stellt ihnen dazu das Regiosaatgut zur Verfügung. Dem Start-up zufolge fallen dafür etwa 0,10 € pro m² an. Die übrigen Einnahmen aus der Patenschaft fließen in Steuern, Buchhaltung, die Entwicklung der Website und das Marketing.

Mehrjähriges Saatgut

Zur ersten Aussaat im Frühjahr 2020 testeten Tobias und Ulrich Krutemeier fünf verschiedene Blühmischungen, um einen Vergleich zu ziehen und auf die Gegebenheiten vor Ort reagieren zu können. „Unser Hauptaugenmerk lag bei allen Mischungen auf der Regionalität der Pflanzen.“ Die Blühflächen bleiben nach Aussaat zwei Jahre stehen, um den Insekten auch über den Winter Nahrung zu bieten und so zu verschiedenen Zeitpunkten ein Blühangebot zu schaffen.

Das Saatgut besteht aus rund 40 Komponenten, darunter mehrjährige Wildkräuter und einjährige Kulturarten. Mit den zweijährigen Blühflächen ist Feldwerk bisher zufrieden, auch wenn die Anlage relativ aufwendig ist. So müssen mit einem feinkrümligen und möglichst unkrautfreiem Saatbett zunächst die richtigen Aussaatvoraussetzungen geschaffen werden. „Eine Pflugfurche ist Pflicht, damit Gräser im zweiten Jahr nicht Überhand nehmen“, sagt der Agraringenieur. Pflegemaßnahmen wie Mulchen oder Schröpfschnitt können helfen, gezielt konkurrenzschwache Arten und damit die Insektenvielfalt zu fördern.

Unternehmen im Boot

Neben den Patenschaften unterstützt Feldwerk Privatpersonen und Unternehmen bei der Umsetzung von Biodiversitätsmaßnahmen, z. B. auf Brachflächen am Firmengelände, und stellt dafür sein Saatgut zur Verfügung. „Unternehmen haben darüber hinaus ein wachsendes Interesse, Patenschaften abzuschließen. Wohl auch, weil sie so auf einfache Weise etwas zur Biodiversität beitragen können.“ Eine gute Entwicklung für das Team, da Unternehmen tendenziell größere Patenschaften abschließen als Privatpersonen. Feldwerk kooperiert etwa mit den regionalen Stadtwerken oder Edeka-Märkten. Diese spenden z. B. ab einer bestimmten Einkaufsumme Geld für Blühflächen. „Unternehmen werben mit der Blühwiese. Das erhöht zugleich unsere Medienpräsenz“, so Krutemeier.

Wie geht es weiter?

Wie viel Arbeit hinter dem Aufbau ­eines Start-ups steckt, stellte das Team in der Anfangsphase selbst fest. Unter Federführung von IT-Experte Marco Schlomann tüftelte es ein halbes Jahr lang an der Entwicklung der Website. Feldwerk ist nach wie vor ein Freizeitprojekt, das parallel zu den Vollzeitjobs läuft. „Eine Unternehmensgründung kostet Zeit und Nerven, ist aber sehr bereichernd“, sagt der 28-Jährige. Jeder der drei Gründer brachte zu Beginn eine finanzielle Einlage im vier- bis fünfstelligen Bereich in das Start-up ein.

Feldwerk ist weiterhin auf der Suche nach Partnerlandwirten aus neuen Regionen. Neben dem Aufbau einer neuen Homepage sind zur Aussaat 2023 weitere Maßnahmen wie Feldvogelfenster oder Agroforst-Projekte in Planung.

Partnerlandwirtin: „Es muss sich rechnen“

Mit Dorothee Möller steht die dritte Generation auf dem Ackerbaubetrieb Rittergut Hessisch Oldendorf in den Startlöchern. Die Familie bewirtschaftet 190 ha im Weserbergland und baut Weizen, Zucker­rüben, Raps, Gerste und Mais an. Der Hofnachfolgerin ist Biodiversität eine Herzensangelegenheit. „Wir legen seit vielen Jahren im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen auf knapp 3 ha Blühflächen an. Mit Feldwerk können wir zusätzlich dazu gemeinsam mit Verbrauchern etwas für Biodiversität tun“, so die 27-Jährige.

Bisher hat die Landwirtin 0,2 ha Blühwiesen in Kooperation mit Feldwerk angelegt. Künftig würde sie die Fläche gerne ausweiten. „Wir haben trotz vieler Bemühungen bisher leider nicht so viele Patenschaften zusammenbekommen wie gedacht.“ Potenzial sieht sie vor allem bei Unternehmen. Auch wenn die Blühflächen nur einen Bruchteil der Gesamtfläche ausmachen, ist es ihr wichtig, dass auch der Preis stimmt. „Trotzdem muss man realistisch bleiben, da in einem Jahr wie diesem die Blühfläche nicht mit dem Weizenertrag mithalten kann“, so die Hofnachfolgerin.

Treffen Sie Feldwerk beim top agrar-Scheunengespräch

Wenn Sie mehr über Feldwerk erfahren möchten oder sich mit Tobias Krutemeier austauschen wollen: Beim digitalen Scheunengespräch von top agrar zum Thema Biodiversität am 21. September haben Sie die Chance dazu. Mehr Infos auf seminare.lv.de.

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