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topplus Ein Rohstoff, viele Möglichkeiten

Landwirt Meusel macht Baustoffe, Kosmetik und Futtermittel aus Heu

Der Rohstoff Heu lässt sich vielseitig nutzen. Das zeigt Landwirt Heinrich Meusel aus dem Thüringer Wald. Der „Heu-Heinrich“ produziert Bio-Heuprodukte und vermarktet sie deutschlandweit erfolgreich.

Lesezeit: 5 Minuten

Ein extremer Standort muss für landwirtschaftliche Betriebe nicht zwingend von Nachteil sein. Das zeigt Landwirt Heinrich Meusel aus dem Thüringer Wald, der sich als „Heu-Heinrich“ der Produktion und Vermarktung von Bio-Heuprodukten verschrieben hat. Der Unternehmer bewirtschaftet rund 150 ha Grünland im Naturpark Thüringer Wald, davon viele Steilflächen, im ökologischen Landbau. Die verschiedenen Betriebszweige des Landwirts zeigen, dass es neben den etablierten Kreisläufen auch außerhalb der eigenen Hoftore Möglichkeiten gibt, Kreisläufe zu (er)schließen und neue Nutzungsmöglichkeiten für vorhandene Rohstoffen zu finden.

Der Verkauf des Kräuterheus als Futtermittel für Kleintiere, Heu-Pellets und oder Naturkosmetik ist mittlerweile ein wichtiges Standbein für den Betrieb. Die Produkte vertreibt er online und in rund 1.000 Filialen des Groß- und Einzelhandels deutschlandweit. Meusel zählt zu einer der größten Produzenten für Kleintierheu in Deutschland. Insgesamt beschäftigt er inzwischen 16 Vollzeitangestellte auf seinem Betrieb.

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Der Betrieb ist darüber hinaus in der Landschaftspflege sowie als Forstdienstleister tätig. Die Biotoppflegemaßnahmen reichen von der Renaturierung von Feucht- und Quellbächen über Moor-Renaturierungen bis hin zu Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Offenland. Seit kurzem führt er als Dienstleister Hangbegrünung mit Heusträngen z.B. an Autobahnböschungen oder Skihängen oder Wiederbegrünung durch Heublumen-Ansaat und Heustränge durch. Zudem betreibt Meusel eine Ferienwohnung und im Winter eine Skihütte.

Nutzen, was da ist

Auf seinen Wiesen wachsen ca. 20 bis 30 Arten, darunter auch Heilkräuter. „Der natürliche Kräuteranteil ist mit 60 bis 70% sehr hoch“, sagt der Landwirt. Häufig vertreten sind z.B. Bärwurz, Arnika, Gänsefinger-, Johannis- und Labkraut sowie Scharfgarbe. Ursache für diese Vielfalt sind das raue Mittelgebirgsklima und die mageren Bodenverhältnisse. Die etwa 10 cm dünne Bodenauflage mit viel organischem Material ist steinreich, aber nährstoffarm. Zudem fallen im Jahresschnitt über 1000 mm Regen, von Dezember bis nach Ostern meist als Schnee. „Die Flächen können wir daher nur sehr extensiv bewirtschaften“, sagt Meusel.

Hinzu kommt, dass unter den Grünlandflächen im Naturpark Thüringer Wald viele wertvolle Bergwiesen mit oft starker Hangneigung sind. Meusel heut von diesen aktuell 150 ha, aufgeteilt in über 300 Einzelflächen. Im Schnitt sind diese kleiner als 0,3 ha, seine größte Fläche umfasst nur 3 ha. Trotz der erschwerten wirtschaftlichen Nutzung und Erreichbarkeit hat Meusel einen Weg gefunden, Bestände optimal zu verwerten. Wegen seiner Lieferverpflichtungen beim Großhandel ist er jedoch darauf angewiesen, die optimalen Inhaltsstoffe und den Trockengehalt das ganze Jahr über zu halten.

Heustränge als Baustoff

Während sich der Landwirt schon seit über zehn Jahren den Heuprodukten widmet, hat sich die Herstellung von Heusträngen erst kürzlich zu einem Betriebszweig entwickelt. Mit einer mobilen Anlage produziert er Heustränge, die unter anderem zur Hangbegrünung oder als Erosionsschutz dienen. Im Rahmen eines Forschungsprojekts erprobte er die maschinelle Herstellung und setzte die Idee in die Praxis um. Die Produktion ist als Containerlösung mobil einsetzbar. Hierfür arbeitete Meusel mit verschiedenen Unternehmen im Bereich der Textilforschung „Geotextilien“, einer Firma zur Konstruktion von Sondermaschinen sowie mit anderen ortsansässigen Landwirten zusammen.

Mit einer mobilen Anlage produziert Heinrich Meusel Heustränge, die unter anderem zur Hangbegrünung oder als Erosionsschutz dienen.

Wichtig ist dem Unternehmer, dass das Heu direkt vor Ort gewonnen werden kann und damit gebietsheimische Pflanzensamen übertragen werden. Das zu verarbeitende Heu kann dem Landwirt zufolge auch von minderer Qualität sein; auch überständiges und zu feuchtes Heu eignet sich.

Größte Hürden: Finanzierung und Vermarktung

So steinig wie seine Flächen, war auch der Weg, die Standbeine seines Heubetriebs zu finanzieren. Denn Meusel startete vor rund zehn Jahren ohne eine einzige Fläche und Maschine. „Ein bisschen Idealismus ist schon nötig“, gibt er zu. Doch als studierter Betriebswirt weiß er, dass es ohne ein stabiles Konzept nicht geht. Und so investierte er insgesamt rund 200.000 €, die unter anderem in eine Mähtechnik, Heutrocknung und Verpackungsanlage flossen. „Die größten Herausforderungen lagen im Aufbau einer Vermarktung und in der Finanzierung der Eigenmittel“, sagt er, auch wenn ein Teil der Investition über Förderungen finanziert wurde.

Auch eine Bank von seiner Geschäftsidee zu überzeugen, war in der Anfangszeit kein Selbstläufer. Von Banken wünschte sich Heinrich Meusel damals mehr Unterstützung bei der Finanzierung neuer Betriebszweige. „Nicht jeder will seine Idee nicht gleich zu Anfang verkaufen oder viel Fremdkapital verwenden.“

Ausschau nach neuen Wegen halten

Auch der Aufbau einer Vermarktung sowie der Eintritt in den Markt waren mit zahlreichen Herausforderungen verbunden. „Die Schwierigkeit ist, dass das Produkt fertig sein muss, bis man es vermarkten kann. Der potenzielle Käufer muss etwas in der Hand haben und will direkt bestellen können. Niemand schließt Vorverträge für ein Produkt ab, das es erst in ein paar Monaten gibt.“

Anderen Landwirten rät er, sich vorab Gedanken zu machen, ob der Markt für ein potenzielles neues Produkt groß genug ist.

Anderen Landwirten rät er, sich vorab Gedanken zu machen, ob der Markt für ein potenzielles neues Produkt groß genug ist. „Man muss sich auch darauf einstellen, dass es in den ersten Jahren schleppend läuft und man erst danach schwarze Zahlen schreibt.“ So lief auch der Absatz einiger Heuprodukte anfangs sehr zögerlich. Produktentwicklung, Zertifizierungen oder einzuhaltende Hygienestandards seien nicht zu unterschätzende Faktoren, bei denen professionelle Beratung hilfreich sein kann.

Rückblickend haben sich die vielen Standbeine von Heinrich Meusel bezahlt gemacht. Lief eins weniger erfolgreich, konnte ein anderer Betriebszweig die Verluste abfedern. Meusel rät dazu, als Landwirt in anderen Branchen Ausschau nach neuen Verwendungsmöglichkeiten für die eigenen Rohstoffe zu halten.

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