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Neue Ansätze gegen Lebensmittelverluste in der Landwirtschaft

In Deutschland entstehen nur knapp 2 % der Lebensmittelabfälle in der Primärproduktion. Dennoch kann sich auch für Landwirte ein Blick auf neue Ansätze gegen Lebensmittelverluste lohnen.

Lesezeit: 5 Minuten

33% aller weltweit produzierten Lebensmittel gehen laut FAO jedes Jahr verloren oder werden verschwendet, noch bevor sie beim Verbrauchenden landen. In Deutschland fallen jährlich rund 11 Mio. t Lebensmittelabfälle an. Dabei entfällt mit knapp 60 % der größte Anteil auf die Privathaushalte. Die Primärproduktion macht lediglich 2 % aus, das entspricht jährlich 0,2 Mio. t.

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Für landwirtschaftliche Betriebe gibt es, neben den herkömmlichen Wegen, dennoch zahlreiche neue Absatzmöglichkeiten für überschüssige oder schwer verkaufsfähige Ware. Dazu kann sich z. B. ein Blick in die deutsche Start-up-Szene lohnen: Hier entstehen stetig neue „out of the box“-Ansätze, wie mit krummem Gemüse oder nicht vermarktbarem Obst neue Produkte oder Wertschöpfungsketten kreiert werden können. Eine Auflistung regionaler Start-ups ist in dieser Übersicht zusammengefasst.

Ein Ansatz sind auch die überregionalen Plattformen, die Rohstoffe vermitteln oder eine Suchanfrage nach bestimmten Produkten ermöglichen. Diese agieren vor allem auf B2B-Ebene. Aber auch auf Verbraucherebene gibt es Angebote wie Boxen mit überschüssigen Lebensmitteln aus Primärproduktion, Verarbeitung und Gastronomie, die vergünstigt, z. B. per App, zu erwerben sind.

In sogenannten „Dialogforen Primärproduktion“ vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) und dem Thünen-Institut in Kooperation mit Demobetrieben wurden weitere praxistaugliche Lösungen erarbeitet. Ein Überblick.

Getreide: Qualitätsverluste minimieren

Bei den Demonstrationsbetrieben im Getreidebereich steht vor allem die Lagerhaltung im Fokus. Welche Verluste fallen hier an und welche Reduktionsmaßnahmen werden bereits wie umgesetzt? Auch Substanzverluste während der Lagerung von Weizen bei unterschiedlicher Behandlung der Rohware im Lager werden aktuell gemessen und verglichen.

Laut Maximilian Stork, Beratungsring Ackerbau Rheinhessen/Pfalz, führt vor allem eine nicht ordnungsgemäße Lagerung des Getreides zu Verlusten. Deshalb seien eine Belüftung und Getreidevorreinigung sowie eine Siebreinigung entscheidend.

Wichtig sei auch, das Lager vor dem Befüllen zu reinigen und Restmengen zu vermarkten, um so Kapazitäten für die nächste Ernte zu schaffen. Auch müssen Schadstellen bekämpft und die eingelagerte Ware regelmäßig kontrolliert werden. Dass sie einwandfrei sein muss, verstehe sich von selbst.

Im Bereich der Vorernte sollte entsprechend der Vorgaben der Düngeverordnung gedüngt werden und Pflanzenschutz gezielt eingesetzt werden. Mitarbeiterschulungen, Kontrolle der Feuchtigkeit im Getreide, saubere Arbeitsgeräte und die richtige Einstellung des Mähdreschers sind essenziell, um Verluste zu minimieren.

Ein Label für Obst und Gemüse

Dass Betriebe nach wie vor hohe Qualitätsanforderungen bei Produkten erfüllen müssen, betont Dr. Marion Schweckhorst von der Erzeugergenossenschaft Landgard Obst & Gemüse, die einer der Demonstrationsbetriebe ist. Unter der Eigenmarke „IssSo“ vertreibt die Landgard daher Obst und Gemüse mit optischen Schäden, das z. B. durch Hagelschäden beeinträchtigt ist.

Gewöhnlich landen die geschmacklich einwandfreien Produkte in der Mosterei oder auf dem Kompost, weil sie handelsüblichen Kriterien und den geltenden Schönheitsnormen nicht entsprechen. Laut Schweckhorst gehe es neben ökologischen, ökonomischen auch um wertschätzende Aspekte der Arbeit der Erzeuger im Gartenbau und deren Anerkennung.

Insekten als Teil der Kreislaufwirtschaft

Und wenn sich Lebensmittelreste trotzdem nicht vermeiden lassen? Möglicherweise könnten Insekten Teil der Lösung sein. So will etwa das Start-up Alpha Protein GmbH in seiner automatisierten Insektenfarm Nebenströme für die Insekten nutzen. „Hierzulande fallen jährlich mehrere Millionen Tonnen Getreide-, Obst- und Gemüsereste an, die wir als Futtermittel für Insekten einsetzen können“, so Ngo. Alpha Protein hat sich auf die Aufzucht von Mehlwürmern spezialisiert. Das so gewonnene Insektenmehl wollen Ngo und sein Team künftig als Alternative zu Soja und Fischmehl im großen Maßstab anbieten.

Anteil nicht vermarktbarer Milch senken

Landwirt Mirko Graff, Milcherzeuger und Biogasanlagenbetreiber aus Simmerath in NRW ist einer der Demobetriebe im Bereich Tier. Auf seinem Betrieb wurden verschiedene Aspekte hinsichtlich Nachhaltigkeit überprüft. So konnte Graff den Einsatz von Antibiotika bei seinen Milchkühen nach eigenen Angaben deutlich reduzieren und dadurch den Anteil an nicht vermarktbarer Milch vermindern. „Das eingesetzte Ergänzungsfuttermittel ist nicht günstig, aber das ist der Milchverlust auch nicht. Grundsätzlich halte ich es für sehr gut, wenn man auf dem Betrieb keine Antibiotika einsetzt“, sagt Graff.

Bilderkennung gegen Verluste bei Obst und Gemüse

Auf den Einsatz moderner Software setzt die B2B-Plattform Invisible Foods. Sie nutzt eine Bilderkennung für Obst und Gemüse, die zukünftige auch Landwirten zur Verfügung stehen soll. Warenüberschüsse sollen damit identifiziert und über eine Plattform für Abnehmer sichtbar gemacht werden.

„Ein Matching-Algorithmus findet dann den Kunden, der genau diese Qualität und diese Reifestufe abnehmen kann – und zwar rechtzeitig“, so Mitgründerin Helena Gebhart. Ware, die heute beim Großhändler verloren gehe, soll stattdessen als Rohstoff für die Verarbeitungsindustrie genutzt werden können und beispielsweise zu Saft oder Püree werden.

Weitere Informationen zu den Dialogforen und Kontaktinformationen finden Sie bei der DLG.

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