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topplus Hanfstroh regional verwerten

Premiumpellets aus Hanfstroh

Die Vermarktung von Hanfstroh ist eine Herausforderung. Landwirte aus Nordhessen haben jetzt eine Lösung gefunden, die Faserfraktion zu verwerten.

Lesezeit: 6 Minuten

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen im "Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben".

"Lange haben wir an der Technik getüftelt, ausprobiert, wieder umgeplant und neue Anläufe genommen. Nun ist es endlich ­soweit: Unsere Produktion von Premium-Hanfstrohpellets geht in Serie“ – als Uwe Roth die neue Pelletierungsanlage der Hanfanbauer Werra-Meißner GbR präsentiert, ist seine Freude deutlich zu spüren. Schließlich haben die in der GbR zusammengeschlossenen Landwirte nach mehreren Jahren Entwicklungsarbeit eine interessante Verarbeitungsschiene für ihr Hanfstroh gefunden.

Die ganze Pflanze verwerten

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„Dazu muss man wissen, dass das Stroh beim Hanf kein Ernterest ist, der als organische Masse auf dem Feld verbleibt. Vielmehr wird der Nutzhanfanbau in unserer Region erst dann ökonomisch interessant, wenn sich neben den Hanfsamen oder -nüssen auch die Faserfraktion der Pflanze vermarkten lässt“, erklärt Roth: „Beide Bestandteile, Samen und Faser, müssen ihren Teil zur Wertschöpfung beitragen. Ansonsten reicht die Marktleistung je Hektar Anbaufläche im Wettbewerb der Kulturen nicht aus“, weiß der Fachmann, der als Landwirt selbst GbR-Mitglied der ersten Stunde ist und hauptberuflich die Geschäfte des Kreisbauernverbandes (KBV) Werra-Meißner führt.

Für die Hanfnüsse haben die nordhessischen Landwirte mittlerweile einige Absatzkanäle aufgetan: Die nährstoffreichen Samen gehen beispiels­weise an Ölmühlen oder auch direkt als Speiseöl in die Lebens­mittelschiene. Ein weiterer Teil wird als Vogelfutter vermarktet, denn die Hanfnüsse sind unter anderem bei Taubenzüchtern als Leistungsfutter sehr beliebt.

Problematischer ist die Verwertung des Hanfstrohs. In den ersten Anbaujahren wurde dieses an ein Unternehmen in der Uckermark geliefert, welches daraus im Aufschlussverfahren technische Fasern und ökologische Baustoffe herstellt. Doch der Transport war aufwendig und die Qualität des nordhessischen Hanfstrohs entsprach nicht immer den Anforderungen des Verarbeiters. Die Strohernte aus dem Jahr 2019 beispielsweise musste die Hanfanbauer-GbR komplett zurücknehmen.

„Das war der Moment, in dem wir uns intensiv Gedanken über eine regionale Verwertungsmöglichkeit für das Hanfstroh gemacht haben“, blickt Uwe Roth zurück. Es reifte die Idee, das Stroh zu Pellets zu verarbeiten, um das leichte, aber voluminöse Ausgangsmaterial in einen transportwürdigen Zustand zu überführen, ohne dessen positive Eigenschaften zu verlieren.

Versuche und Rückschläge

Außerdem wollten die Hanfanbauer ein Produkt auf den Markt bringen, das nicht nur für wenige, hoch spezialisierte Abnehmer interessant ist.

Die technische Umsetzung der Hanfstrohpelletierung gestaltete sich allerdings schwieriger als angenommen. Hanffasern sind sehr zäh und reißfest. Das haben die Landwirte schon beim Strohpressen gemerkt: „Wir haben mehrere Rundballen-Fabrikate eingesetzt. In der Standardausführung war keine dem Hanfstroh auf Dauer ­gewachsen. Spätestens wenn sich das Stroh um die beweglichen Teile wickelt, steht die Technik still“, beschreibt Hanfpionier Roth die Herausforderung.

Mittlerweile setzen die Hanfanbauer speziell präparierte Pressen mit verstärkten Einzelteilen ein und die Strohernte gelingt planmäßig.

Spezialtechnik entwickelt

Das extrem zähe Hanfstroh ist aber nicht nur schwer in Ballen zu pressen. Für die geplante Pelletierung muss es zunächst gemahlen werden. Und auch das war eine He­rausforderung, erklären Stefanie Wittich-Vogel und Freya Fehr, die das Projekt Hanfanbau beim Kreisbauernverband begleitet haben. ­Eine zunächst dafür geleaste, mobile Pelletieranlage brachte nicht den erhofften Erfolg. Der Durchsatz war mit 250 kg Pellets je Stunde zu gering, die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben. Doch glücklicherweise hatten die Hanffreunde Kontakt zu einem Maschinenbauer in der Region, den der technische Ehrgeiz gepackt hatte, das Problem zu lösen. Mit viel persönlichem Engagement und fachlichem Geschick gelang es schließlich, eine Spezialmaschine zusammenzustellen, die jetzt in der Lage ist, das Hanfstroh fein zu zerkleinern, es weiter zu fördern und im zweiten Teil der Anlage zu Pellets zu verpressen. Die Durchsatzleistung beträgt nun etwa 7 t/Tag. Mit einer Voll­arbeitskraft als Maschinen­führer lassen sich also etwa 1500 t Pellets pro Jahr herstellen, rechnet Uwe Roth vor.

Das alles hat indessen seinen Preis: Rund 750.000 € hat die in Wanfried in Nachbarschaft zur Biogasanlage installierte Technik bislang gekostet – inklusive des 230-kW-Eigen­strom­gene­rators. Diese Investition wäre ohne die großzügige Förderung im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft EIP-Agri nicht möglich gewesen, bedankt sich Uwe Roth für die Unterstützung.

Trotz Förderung sind die neun beteiligten Landwirte mit dem Bau der Pelletierungsanlage jedoch erheblich in Vorleistung gegangen. Daher gilt es jetzt, die Produktion hochzufahren und die Vermarktung auf breite ­Füße zu stellen. „Die Qualität unserer Pellets bietet jedenfalls großes Potenzial“, findet Roth.

Sehr gute Saugfähigkeit

Zuversicht schöpfen die Hanfpioniere unter anderem aus der sehr guten Feuchtigkeitsbindung der Hanfstrohpellets. Schon vor dem Einstieg in die Pelletierung haben sie die Saugfähigkeit der Ware im Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (LHL) von unabhängiger Stelle untersuchen lassen. Dabei zeigte sich, dass die Wanfrieder Hanfstrohpellets in puncto Feuchtigkeitsbindevermögen sehr gute Ergebnisse erzielen. Im Labortest waren sie sowohl herkömmlichen Zellulose-Produkten, als auch Pellets aus Dinkelspelzen deutlich überlegen.

Das ist vor allem beim Einsatz der Pellets als Tiereinstreu ein wichtiges Argument. So gibt es positive Rückmeldungen von Pferdehaltern und aus der Heimtierbranche. Gute Effekte sind zudem in der Geflügel­haltung zu erwarten: Mit ihrer extrem hohen Saugfähigkeit sind die Pellets prädestiniert für den Einsatz in Betrieben, die die Fußballengesundheit der Masthähnchen, Puten oder Legehennen fördern wollen. „Interessierte Betriebe können sich gerne bei uns melden“, so Roth: Die Pellets gibt es in 1000-l-Bigbags, aber auch als Sackware. Um den Vertrieb auszuweiten, ist zudem ein Onlineshop in Arbeit.

Neben der Verwendung als Einstreu können die Pellets beispielsweise als organisches Beschäftigungsmaterial für Schweine eingesetzt werden. Auch als Nährboden für (private) Championkulturen sind sie geeignet. Es gibt sogar Interessenten aus der Autoindustrie, die sich vorstellen können, aus den Pellets Formpressteile für die Innenausstattung oder Batteriegehäuse für Elektroautos zu fertigen.

Hanfanbau ausdehnen

Die Ideen sind da, jetzt muss produziert werden. Zunächst wollen Uwe Roth und seine Berufskollegen die rund 4500 Hanfstrohballen aus den vergangenen Jahren verarbeiten. Um die Pelletierungs­anlage auszulasten, soll der Nutzhanfanbau auf Dauer jedoch ausgebaut werden: „Etwa 300 ha Hanf als Hauptfrucht bräuchten wir jährlich“, so Roth – dreimal so viel wie bislang. Es gibt also Potenzial für mehr Nutzhanfanbau in der ­Region. „Für die Pelletherstellung könnte sich übrigens auch der Zwischenfruchtanbau von Hanf eignen“, bringt der Landwirt eine weitere Variante ins Spiel. Hanf bietet eben viele Möglichkeiten.

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