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Biomilch bleibt Verlustgeschäft

Der Bio-Milchpreis hat sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Dass er jedoch weiterhin die Kosten nicht deckt, zeigt erst die Vollkostenrechnung.

Lesezeit: 3 Minuten

Unsere Autoren: Dr. Otto Volling und Sören Binder von der Bioland-Fachberatung

Bio-Milchviehbetriebe können ihre Kosten zumeist nicht decken. Zu diesem Ergebnis kommt die Bioland-Fachberatung, die in drei aufeinanderfolgenden Jahren die Vollkosten von bundesweit 21 Bio-Milchviehbetrieben ausgewertet hat.

Nach den Preissteigerungen im Wirtschaftsjahr 2021/2022 ging es im Wirtschaftsjahr 2022/2023 noch stärker bergauf. Um die wirtschaftliche Situation der Bio-Milchviehbetriebe realistisch zu bewerten, muss man aber die Erlöse gegenüberstellen. Erhoben wurden die Daten der Wirtschaftsjahre 2020/2021 bis 2022/2023 von Bioland und dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen. Alle Angaben sind Nettowerte und beziehen sich auf die energiekorrigierte, verkaufte Milch.

Produktionskosten gestiegen

Die Produktionskosten pro Kuh sind um 323 € angestiegen vom Wirtschaftsjahr 2020/2021 zum Wirtschaftsjahr 2021/2022 und um weitere 734 € zum Wirtschaftsjahr 2022/2023.

Futterkosten belasten Milch

Die Kostensteigerung ist vor allem durch höhere Futter- und Personalkosten entstanden. Zwar haben die Betriebe die Kraftfuttermenge pro Kuh und Jahr nicht wesentlich verändert. Weil der Preis für 100 kg Kraftfutter im Betrachtungszeitraum von 43 € über 47 € auf 56 € gestiegen ist, gingen die Kosten im Schnitt der ausgewerteten Betriebe um mehr als 200 € nach oben.

Das Grobfutter ist im Wirtschaftsjahr 2022/2023 mit 330 € pro Kuh um über 20 % teurer geworden. Im Wirtschaftsjahr 2021/2022 wurde bereits eine Steigerung von 117 € beobachtet. Ursache für die gestiegenen Grobfutterkosten sind die niedrigen Erträge zur Ernte 2022.

Weniger Milch bei gleichem Kraftfuttereinsatz

Pro Großvieheinheit mussten die Tierhalter mehr Fläche beernten, die Kosten pro Hektar sind ungefähr gleichgeblieben. Augenscheinlich enttäuschten nicht nur die Erträge, sondern auch die Qualitäten des Grobfutters: Die Milchmenge pro Kuh und Jahr ist in den vergangenen beiden Wirtschaftsjahren insgesamt um knapp 270 kg gesunken.

Den Kraftfutteraufwand haben die Milchviehhalter dagegen kaum verändert, sie fütterten im Mittel der drei Wirtschaftsjahre 18,5 dt pro Kuh. Daraus ergibt sich eine Grobfutterleistung von 3.437 kg. Die höchste Grobfutterleistung erzielten die Betriebe im Wirtschaftsjahr 2021/2022 mit 3.533 kg bei einem Kraftfutteraufwand von 17,7 dt.

Höhere Löhne

Für die auf 143 € je Kuh gestiegenen Personalkosten ist der höhere Lohnansatz für Familienarbeitskräfte ausschlaggebend. Im Wirtschaftsjahr 2022/2023 wurden in der Auswertung 26 € pro Betriebsleiterstunde veranschlagt, 2021/2022 waren es 23,50 €. Diesen Lohnansatz kalkuliert die Landwirtschaftskammer NRW für Landwirtschaftsmeister und berücksichtigt die gestiegenen Lebenshaltungskosten der vergangenen Jahre.

Doch sind nicht nur die Kosten gestiegen, auch die Erlöse pro Kuh haben sich erhöht: Der durchschnittliche Erzeugerpreis für Bio-Milch ist in den beiden vergangenen Wirtschaftsjahren erst um 3,9 ct und dann um 8,1 ct angestiegen.

Erlöse für Fleisch und Milch

Berücksichtigt man zudem die Erlöse für Schlachtkühe, ergibt sich ein Mehrerlös von insgesamt 12,8 ct pro kg Milch. Die Kostensteigerungen von 14,7 ct pro kg Milch können dadurch nur teilweise kompensiert werden.

Das kalkulatorische Betriebszweigergebnis für die Milchkühe bleibt negativ, sodass Bio-Milchviehbetriebe nicht kostendeckend arbeiten können. Die Auszahlungspreise der Bio-Molkereien liegen weiterhin stark auseinander, was die Ergebnisse der Einzelbetriebe deutlich prägt: Wer eine Molkerei mit niedrigem Auszahlungspreis beliefert, kann die gestiegenen Kosten nicht ausgleichen.

Kraftfutter und Diesel stark verteuert

Zur Entwicklung der Kosten im laufenden Wirtschaftsjahr 2023/2024 gibt es noch keine aussagekräftigen Daten. Einzelne Positionen haben sich weiter verteuert wie Maschinenkosten, andere Betriebsmittel wie Mischfuttermittel sind günstiger geworden.

Die Erzeugerpreise für Milch und Fleisch sind auf einem niedrigen Niveau ins laufende Wirtschaftsjahr gestartet und bisher unwesentlich angestiegen. Darum müssen aktuell Bio-Milcherzeuger:innen mit einem höheren Verlust pro Milchkuh kalkulieren.

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