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topplus Milchviehhaltung

Diese Erfahrungen machten Rinderhalter mit Liegeboxen auf dem Laufhof

In Baden-Württemberg haben einige Milchviehhalter ihre Laufhöfe mit Liegeboxen ohne Überdachung und mit erhöhten Fressplätzen ausgestattet. Hier die ersten Erfahrungen.

Lesezeit: 5 Minuten

Unsere Autorin:Prof. Dr. Barbara Benz von der Hochschule für Umwelt und Wirtschaft in Nürtingen-Geislingen beschreibt in ihrem Beitrag Erfahrungen aus der Praxis mit strukturierten Laufhöfen.

Einfach draußen sein, ohne auf Futter, Liegeboxen und Rückzugsorte zu verzichten – das ist das Angebot an Milchkühe, die in einem Stall mit angegliedertem strukturierten Laufhof untergebracht sind. Dort haben sie nicht nur die Möglichkeit, Klimareize zu erleben. Sie können abgesehen vom Melken alle Verhaltensweisen ausüben, die auch im Stall möglich sind. Dazu gehört das Futterangebot und dieselbe Struktur an Funktionsbereichen.

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Dass Kühe Liegeboxen schätzen, liegt nicht nur an den bequemen Bodenbelägen. Die Abtrennungen zwischen den Liegeboxen bieten Schutz vor Artgenossinnen und ersetzen damit Sozialabstände. Die Kühe nutzen die Liegeboxen auch im Stall nicht nur zum Liegen.

Etwa drei Stunden täglich dienen sie zusätzlich als Rückzugsort zum Stehen und Wiederkauen. Ob die Tiere dabei vollständig oder nur mit den Vorderfüßen in den Boxen stehen, entscheidet vor allem die Positionierung des Nackensteuers. Selbstverständlich hat das Liegen Priorität. Da aber im Vergleich zum naturnahen Lebensraum die Futtersuche entfällt, ist Zeit übrig. So gehört das Stehen in den Boxen zum normalen Verhaltensrepertoire der Kühe.

Boxen sind nicht überdacht

Der Unterschied auf dem strukturierten Laufhof liegt darin, dass die Boxen nicht überdacht sind, denn sonst wäre es kein richtiger Freigeländezugang. Die Tiere können also weiterhin ihren Aufenthaltsort unter freiem Himmel wählen, wie es die Definition des Laufhofes vorsieht.

Die Boxen auf dem Laufhof sollten allerdings unbedingt so konstruiert sein, dass die Kühe diese zum vollständigen Stehen nutzen können, wenn sie dies aufgrund der Witterung bevorzugen. Bezüglich der Abmessungen und Steuereinrichtungen gibt es keine Unterschiede zu den Liegeboxen im Stall. Die Boxen sind in der Regel ca. 3 m lang und 1,25 m breit. Wichtigste Voraussetzung, dass die Kühe gut stehen können, ist das niedrig positionierte flexible ­Nackensteuer. Wird dieses auf 85 bis 90 cm Höhe (in der Boxenmitte gemessen) eingestellt, dann steuert es die stehende Kuh vorne am Buggelenk, und für den Kopf ist darüber genügend Raum.

Bei schönem Wetter werden die Boxen gerne auch zum Ruhen im Liegen genutzt. Dadurch entsteht indirekt eine Art Unterbelegung im Stall. Das wird eigentlich sogar empfohlen, ist fördertechnisch und wegen der hohen Kosten für umbauten Raum in der Praxis aber kaum umsetzbar.

Die Boxen können Landwirte direkt im Anschluss an den Stall installieren, gleichzeitig können Sie auf den letzten, innenliegenden Quergang verzichten. Dadurch lenken sie die Tiere gezielt auf den Laufhof. Zudem entstehen keine Sackgassen und das Gebäude kann auch etwas kürzer ausfallen.

Erhöhte Fressstände

Neben den nicht überdachten Liegeboxen zeichnen sich strukturierte Laufhöfe durch erhöhte Fressstände aus. Diese sind in Abhängigkeit von der Fressabtrennung und Reichweite der Kuh nach vorne ca. 1,55 m lang und 0,75 cm breit, wobei nur an jedem zweiten Fressplatz eine Abtrennung benötigt wird. Die Podeste sollten wie im Stall ca. 15 bis 18 cm hoch sein, damit sie möglichst wenig durch hochspritzenden Schmutz verdreckt werden. Ein Gefälle von ca. 3 % in den Liegeboxen und Fressständen unterstützt das Abtrocknen der Flächen.

Wie für die Hochboxen ist auch für die Fressstände ein verformbarer, synthetischer Bodenbelag vorzusehen. Weil die Klauen der Kühe unterschiedlich lang sind, sollten sie während der Fress- und Ruhezeiten in der Box unbedingt maximal entlastet werden. Dann ist der Aufenthalt auf dem Laufhof ­insgesamt klauenfreundlich. Denn die Laufflächen werden regelmäßig gereinigt und die Boxen sowie Fressstände bleiben bei korrekten Abmessungen und Steuereinrichtungen sauber.

Entmistung Automatisierbar

Aus arbeitswirtschaftlicher Sicht sind Laufhöfe normalerweise problematisch. Denn wie die Quergänge im Stall sind diese in der Regel von Hand zu reinigen. Das ist praktisch nur morgens und abends zu den Stallzeiten möglich. Besser wäre es, verschmutzte Laufflächen deutlich häufiger zu entmisten. Im Stall sollten die stark verschmutzten Fressgänge sogar stündlich abgeschoben werden. Das dient der Klauengesundheit, der Tiersauberkeit und verringert außerdem Ammoniakemissionen.

Damit hierzu stationäre Entmistungsanlagen zum Einsatz kommen können, wird im Stallbau auf durchgängige Achsen geachtet. Ein strukturierter Laufhof ermöglicht es, die vorhandenen Entmistungs- und Futterachsen einfach fortzuführen. Abwürfe können dennoch im Stall verbleiben, wenn Betriebe Wendeklappschieber einsetzen.

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Baden-Württemberg

Sonderförderung für strukturierte Laufhöfe

In Baden-Württemberg wurde das System der strukturierten Laufhöfe innerhalb des EIP agri Bauen in der Rinderhaltung entwickelt und in Praxisbetrieben umgesetzt und ausgewertet. Die Betriebe sind durchweg begeistert von der Lösung.

Da diese Laufhöfe nicht nur das Tierwohl und die Arbeitswirtschaft verbessern, sondern durch die geringer verschmutzten Flächen Ammoniakemissionen einsparen, bietet Baden-Württemberg seit 2022 eine Sonderförderung im Agrarinvestitionsprogramm an. Betriebe mit strukturierten Laufhöfen erhalten einen um 5 % höheren Zuschuss für die Gesamtmaßnahme. Das soll Anreize schaffen, Laufhöfe mit Boxen zu strukturieren, wobei diese 30 bis 50 % der Fläche einnehmen dürfen. Die Förderung deckt die Mehrkosten für den zusätzlichen Beton, die Bodenbeläge und die Trennbügel in etwa ab. 

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