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Gruppenhaltung

Kälberhaltung in Paaren: Besser gemeinsam als einsam

Viel spricht dafür, trotzdem machen es nur wenige: Kälber früh paarweise oder in Kleingruppen halten. Voraussetzung ist, die grundsätzlichen Regeln einer guten Kälberaufzucht zu befolgen.

Lesezeit: 7 Minuten

Rinder sind Herdentiere. In der freien Wildbahn wachsen sie bei ihrer Mutter auf. Sie beschäftigen sich aber auch schon früh mit gleichaltrigen Kälbern.

So verwundert es nicht, was Studien seit Jahren zeigen: Auch kleine Kälber brauchen sozialen Kontakt. Er hilft ihnen zu lernen und angemessen miteinander umzugehen. Außerdem können sich Kälber, die zu­sammen mit Artgenossen aufwachsen, leichter an Veränderungen anpassen. Dieses erlernte soziale Verhalten mündet in einer besseren Stressresistenz und einer besseren Futteraufnahme.

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Mehrere amerikanische Studien zeigen, dass Kälber in Gruppen mit zwei bis acht Tieren, verglichen mit solchen in Einzelhaltung, mehr oder gleich viel, jedoch nie weniger, fressen. Sie hatten im Schnitt um 113 g höhere tägliche Zunahmen in der Tränkezeit und ein um 2,27 bis 4 kg höheres Gewicht beim Absetzen. Außerdem verbesserte die Paar- oder Gruppenhaltung in der Tränkephase die Stressresistenz der Kälber während des Absetzens.

Leitfaden soll Bedenken ausräumen

Trotzdem halten sich die Bedenken gegen die frühe Paarhaltung beständig: Landwirte fürchten unerwünschte Verhaltensweisen wie gegenseitiges Besaugen und die Übertragung von Krankheiten.

Die amerikanische Wissenschaftlerin Jennifer van Os fasste deshalb die wichtigsten Tipps für die Aufzucht von Kälbern in Paaren oder Kleingruppen in einem Leitfaden zusammen. Alle Empfehlungen basieren auf wissenschaftlichen Ergebnissen. Den Leitfaden hat das Innovationsteam Milch Hessen zusammen mit der Lehr- und Versuchsanstalt Hofgut Neumühle übersetzt und be­arbeitet. Den vollständigen Kälber­leitfaden „Paarweise Aufzucht“ finden Sie hier: www.milchhessen.de/kaelber-paarweise-aufzucht

Wir stellen die wichtigsten Aspekte für die Praxis vor.

Grundsätze befolgen

Kranke Kälber sind die Folge von Problemen bei der Kolostrumversorgung, der Fütterung, der Hygiene, den Haltungsbedingungen oder der vorbeugenden Pflege und Überwachung. Die Krankheiten entstehen meist durch eine Kombination dieser Faktoren.

Die Haltungsform ist nur einer davon. Wenn jedoch weitere Faktoren nicht ideal sind, können auch bei der paarweisen Haltung Probleme auftreten. Bevor sich ein Betrieb also für die frühe Paar- oder Gruppenhaltung entscheidet, sollte er einen Überblick über den Gesundheitszustand seiner Kälber haben und die Grundsätze der Aufzucht gesunder Kälber befolgen. Dazu gehören:

Kolostrum: Kälber sollten innerhalb von zwei Stunden nach der Geburt mindestens 3 l Kolostrum aufnehmen. So werden die Immunfaktoren der Mutter auf das Kalb übertragen. Ob ein Kalb genug Immunglobuline aufgenommen hat, lässt sich mit einem Bluttest mittels Refraktometer überprüfen. Dafür sollten mind. zwölf Kälber, möglichst zwischen 24 Stunden nach der Kolostrumaufnahme und 48 Lebensstunden (max. bis zum 7. Lebenstag), getestet werden.

Voraussetzung für die Umstellung auf Paarhaltung ist, dass weniger als 10 % der Kälber in die Kategorie „schlecht“ (Serum-Brix < 8,1 %) fallen. Der Anteil der Kälber in der Kategorie „ausgezeichnet“ (Serum-Brix > 9,4 %) sollte über 40 % liegen.

Biosicherheit: Auch wenn die Paare untereinander vollen Kontakt haben, lässt sich mit diesen Maßnahmen die Einschleppung von Krankheiten und die Ausbreitung zu den anderen Paaren oder Gruppen reduzieren: Stallpersonal und Besucher bewegen sich von den jüngsten zu den ältesten Tieren; Flüssigkeiten, die aus den Kälberboxen austreten, sollten nicht in Bereiche des Personenverkehrs gelangen; beim Umgang mit Kälbern saubere Kleidung und Einweghandschuhe tragen; um kranke Kälber möglichst zuletzt kümmern.

Einstreu: Tränkekälber liegen mehr als die Hälfte der Zeit. Anfänglich sollte die Box für jedes Kalb 30 cm hoch mit Stroh eingestreut werden. Die Einstreu bildet eine Barriere zwischen dem Kalb und Flüssigkeiten, die Krankheitserreger bergen. Zusätzlich ist eine ordnungsgemäße Entwässerung unter jeder Art von Einstreu entscheidend. Um eine trockene, saubere Oberfläche zu gewährleisten, sollten, täglich oder jeden zweiten Tag, jeweils mindestens 1 bis 1,5 kg frische Einstreu hinzugefügt werden.

Hygiene: Eine gute Hygiene sorgt dafür, dass sich Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger nicht übermäßig vermehren. Dazu trägt z. B. die gründliche Reinigung und Desinfektion von Kälberfütterungsanlagen und Tränkeeinrichtungen bei. Hütten oder Buchten sollten vor dem Einstallen neuer Kälber gereinigt werden.

Hochdruckreiniger lösen Biofilme nicht wirksam auf und vernebeln Krankheitserreger. Besser geeignet ist ein Schaumreiniger mit niedrigem Druck und einem ätzenden Reinigungsmittel oder ein Wasserschlauch und eine Scheuerbürste. Nach der Reinigung kann ein mind. einwöchiger Leerstand den Kreislauf von Infektionskrankheiten wirksam unterbrechen.

Wenn die Hygiene überfordert, gilt es zu priorisieren: Konzentrieren Sie sich auf beste Hygiene im Abkalbebereich, bei Transportgeräten für Kälber, bei Flüssigfutter- und Mischgeräten und bei der Haltung im Alter von bis zu drei Wochen.

Gruppengröße hat Grenzen

Auch große Kälbergruppen lassen sich managen. Jedoch zeigen Untersuchungen, dass mit der Gruppengröße das Risiko für Krankheiten steigt. So hatten Kälber in Gruppen mit bis zu sechs bis acht Kälbern seltener Atemwegs- und Durchfallerkrankungen als solche in Gruppen mit 15 Kälbern oder mehr. Bei automatischen Fütterungssystemen emp­fehlen Experten nicht mehr als 15 bis 20 Kälber pro Sauger. Eine ungerade Anzahl von Kälbern ist kein Problem.

Ab wann in Gruppen?

Die Empfehlungen verschiedener Experten reichen von der Paarbildung von Kälbern innerhalb der ersten 3 bis 14 Lebenstage bis zum Alter von etwa 21 Tagen. Auch in der Praxis geht die Strategie in den USA auseinander: Einige Betriebe fassen die Kälber am Tag der Geburt in Paaren oder Gruppen zusammen. Andere bringen sie in den ersten Tagen oder Wochen noch einzeln unter.

Für das Zusammenstellen innerhalb der ersten zwei Lebenswochen spricht jedoch einiges: Kälber, die schon im Alter von null bis zehn Tagen in Gruppen mit zwei bis sechs Tieren standen, hatten in Studien eine bessere Festfutteraufnahme und/oder bessere Wachstumsleistung als in Einzelhaltung. Stehen sie hingegen erst ab einem Alter von sechs Wochen zusammen, ließ sich kein Vorteil mehr wissenschaftlich absichern.

Altersunterschied?

Das jüngste und das älteste Kalb sollten nicht mehr als 14, idealerweise aber höchstens sieben Tage, auseinander liegen. So lassen sich Gesundheitsrisiken und Futterkonkurrenz minimieren. Wenn pro Woche nur ein bis zwei Kälber geboren werden, ist ggf. die Bildung von Paaren passender. Daraus ergibt sich auch, dass automatische Tränkesysteme für kleinere Betriebe nicht sinnvoll sind.

Stabile Gruppen

Die dynamische Gruppenhaltung, bei der immer wieder neue Kälber in die Gruppe kommen und andere diese verlassen, ist nicht zu empfehlen. Sie begünstigt das Auftreten von Krankheiten und geringere tägliche Zunahmen. Stabile Gruppen verringern hingegen den sozialen Stress. Als stabile Gruppen werden auch solche bezeichnet, die sich innerhalb von sieben Tagen langsam füllen, aber später zusammen ausgestallt werden. Nach dem Absetzen sollte diese Zusammensetzung möglichst beibehalten werden.

Wie füttern?

Milchmenge: Wenn Kälber eine Mahlzeit mit Milch oder Milchaustauscher beginnen, regt die verdaute Laktose im Dünndarm ihr Saugverhalten an. Das Bedürfnis zu saugen hält danach noch mind. 20 Minuten lang. In der Regel trinken die Kälber ihren Eimer jedoch innerhalb weniger Minuten leer. Sie beginnen dann, an Gegenständen in ihrem Stall oder auch an Körperteilen anderer Kälber zu saugen. Das hat die Funktion, die Verdauung und Sättigung zu fördern, indem es die Ausschüttung von Verdauungshormonen und -enzymen anregt. Durch die Verfütterung von höheren Milchmengen (10 bis 12 l/Tag) lässt sich das gegenseitige Besaugen reduzieren.

Nuckeldurchfluss: Zudem spielt die Länge der Mahlzeiten eine Rolle. Daher sind neben einer höheren Tränkemenge auch Nuckel mit langsamen Durchflussraten sinnvoll. Flaschen oder Nuckeleimer sollten nach der Mahlzeit nicht sofort entfernt werden, damit Kälber noch Zeit haben, ihren Sauginstinkt zu stillen. Alternativ macht es Sinn, dafür einen weiteren Nuckel zur Verfügung zu stellen. Besonders wichtig ist das, wenn sie aus einem offenen Eimer ohne Nuckel trinken. Dabei können sie ihren Saugreflex nicht stillen.

Konkurrenz um Milch

Kälber ziehen es vor, gleichzeitig zu Fressen und zu Trinken. Das heißt, für zwei Kälber sollten zwei Nuckeleimer und zwei Fressplätze zur Verfügung stehen. Diese können an gegenüberliegenden Enden des Stalles angebracht werden. Außerdem reduzieren langsam fließende Nuckel das Konkurrenzverhalten.

Heu plus Kraftfutter

Im Vergleich zur alleinigen Gabe von Kraftfutter, erhöht das Fressen von Heu und Kraftfutter die Pansengröße und reduziert den Säuregehalt.

Checkliste: So gelingt die paarweise Aufzucht

Gute Versorgung mit hochwertigem Kolostrum ist Bedingung: max. 10 % der Kälber mit schlechter IgG-Konzentration im Blutserum (Serum Brix < 8,1 %)

Einschleppung und Verbreitung von Erregern vermeiden; vom jüngsten zum ­ältesten Kalb arbeiten

Ausreichend saubere Einstreu: alle ein bis zwei Tage 1 bis 1,5 kg Stroh pro Tier nachstreuen

Eine Woche Leerstand nach der Reinigung und Desinfektion von Tränken, ­Boden und Aufstallung

Paar- oder Kleingruppenbildung innerhalb der ersten zwei Lebenswochen

Altersunterschied in einer Gruppe max. 14, besser aber 7 Tage

Stabile Gruppen: nach und nach füllen, zusammen umstallen

Saugreflex stillen: mögl. 10 –12 l Milch/Tag, schwergängige Nuckel, keine Schalentränken für Milch; gleichzeitiges Trinken ermöglichen

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