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RUW und RBW: Geplante Fusion verzögert sich

Von der angekündigten Fusion der Rinder-Union West (RUW) und der Rinderunion Baden-Württemberg (RBW) sind noch einige Fragestellungen offen.

Lesezeit: 8 Minuten

Ende Juni ging die Meldung durch die Fachpresse: Die Rinder-Union West (RUW) und die Rinderunion Baden-Württemberg (RBW) wollen fusionieren. Das Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben sprach zum aktuellen Stand der Verhandlungen mit mit den Geschäftsführern der RUW, Dr. Jürgen Hartmann und Dr. Michael Steinmann.

Wie kam es zur Überlegung der Fusion? Eigentlich ist die RUW doch gut aufgestellt, oder?

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Hartmann: Die RUW ist wirtschaftlich gut aufgestellt, spürt jedoch die anhaltenden Rückgänge in den Rinderbeständen und folglich die sinkenden Besamungs- und Vermarktungszahlen. Außerdem ist das Exportgeschäft für Zuchtrinder, in dem wir sehr stark waren, weitgehend weggebrochen. Dies drückt auf Umsatz und Ertrag. Eine Zusammenlegung innerhalb der deutschen Zuchtorganisationen ist daher ein Schritt in die richtige Richtung, um weiter gut aufgestellt zu bleiben. Vorstand und Aufsichtsrat beabsichtigen somit, das Unternehmen künftig wirtschaftlich und schlank aufzustellen. Dies geht selbstverständlich allein – aber mit einem Partner an der ­Seite, vielleicht besser.

Treiber der Gespräche soll die RUW gewesen sein. Warum der Blick in den Süden statt in den Norden oder Osten?

Steinmann: Das stimmt so nicht. Die RBW ist auf die RUW zugegangen. Natürlich haben wir auch andere Optionen geprüft. Diese erscheinen momentan jedoch nicht realistisch. Zu derartigen Gesprächen gehören immer zwei Partner mit gleichen oder ähnlichen Zielen.

Zwei Partner, die auf Augenhöhe agieren – so läuft es im Idealfall. Die RUW hat jedoch doppelt so viele Mitglieder wie die RBW. Auch die Mitarbeiterzahl ist bei ­Ihnen um einiges höher als bei den Kollegen in Baden-Württemberg. Auf den ersten Blick wirkt das nicht wie eine gleichgestellte Partnerschaft.

Hartmann: Die RUW ist im operativen Geschäft eindeutig umsatzstärker als die RBW. Im RUW-Einzugs­gebiet in NRW, Rheinland-Pfalz und im Saarland gibt es mit durchschnittlich mehr als 105 Herdbuch­kühen je Betrieb zudem eine deutlich größere Betriebsstruktur als bei der RBW. Die Betriebe dort halten im Mittel 55 Herdbuch­kühe. Somit stellen die Strukturunterschiede eine Herausforderung für die Organisation dar. Deshalb ist es wichtig, dem etwas kleineren Partner entgegenzukommen. Bei einer Unternehmensgründung werden fehlende Umsatzanteile durch höhere Sacheinlagen aus­geglichen. Diese Vermögenswerte sind bei der RBW sehr wohl vorhanden.

Aktuell ist eine ganze Reihe von Fragen noch offen." - Dr. Michael Steinmann

Laut Plan sollte die neue Organisation am 1. Januar 2023 an den Start gehen. Wie ist der aktuelle Stand?

Steinmann: Das war der ursprüngliche Plan. Aktuell ist eine ganze Reihe von Fragen noch offen. Somit ist das ursprünglich veranschlagte Zeitfenster nicht mehr zu halten. Zudem bestehen weitere Fragen zu Mitarbeiterübergängen, die geklärt werden müssen. Dies alles ist in der Aufarbeitung, teilweise mit externer Unterstützung und Beratung.

Noch im September 2020 startete die „PhönixGroup“. Mit dabei sowohl die RUW als auch die RBW. Alle Beteiligten sollten unabhängig und eigenständig bleiben. Warum der doch überraschend schnelle Schritt in Richtung Fusion zeitlich fast unmittelbar nach Gründung der besagten Gruppe?

Hartmann: Die PhönixGroup ist eine Kooperation von Zuchtorganisationen, die einen Anteil von rund 60 % an der Holstein-Population in Deutschland ausmachen. Die RUW ist wiederum mit einem Anteil von etwa 50 % der Zuchtarbeit sowie der vielen engagierten Züchter der bei Weitem wichtigste Partner und somit Grundpfeiler innerhalb von Phönix. Der Schritt in Richtung ­Fusion könnte eine perspektivische Weiterentwicklung für die gesamte Gruppe sein. Dies ist aber eher eine langfristige Option.

Sie nennen sinkende Kuh­zahlen und steigende Kosten als logische Konsequenz der bevor­stehenden Fusion. Synergieeffekte sollen genutzt werden. Wie wird das konkret aussehen und welche Vorteile entstehen dadurch für die Mitglieder?

Steinmann: Im operativen Geschäft finden sich tatsächlich nur wenig spürbare Synergien. Die operativen Kerngebiete liegen mehr oder weniger an den jeweils gegenüberliegenden Außengrenzen der Einzugsgebiete. Somit werden die Vorteile der Mitgliedsbetriebe im täglichen Geschäft überschaubar sein. Ein neues Unternehmen in Form einer GmbH muss es schaffen, die entstehenden ertragssteuerlichen Nachteile gegenüber der heutigen RUW in der Rechtsform der Genossenschaft auszugleichen. Das gelingt durch eine straffe Organisation und erforderliche Ertragssteigerungen. Für die Ausgangsorganisationen RUW eG und RBW e. V. sowie deren Rest­vermögen wird es eine enorme Herausforderung sein, die es zu meistern gilt.

Eine weitere Herausforderung sind sicherlich die Entfernungen: Zwischen Münster und Herbertingen liegen mehr als 600 km. Wird es zukünftig nur noch einen Hauptsitz geben und wenn ja, wo?

Steinmann: Die neue Organisation wird ihren Unternehmenssitz in Münster haben, dem wirtschaftlichen Schwerpunkt eines künftigen Unternehmens. Der RBW-Standort Herbertingen bleibt als Verwaltungsstandort erhalten.

Auch die Zusammenlegung der Vermarktungsstandorte könnte eine Folge der Fusion sein. Das wird von Mitgliedern mit Skepsis betrachtet. Befürchtungen liegen nahe, dass künftig weite Wege überwunden ­werden müssen, um beispielsweise an den Auktionen teilzunehmen. Wie sieht dafür die Planung aus?

Hartmann: Die Auktionsstandorte der RUW sind bereits zusammengelegt worden. Mit Hamm, Krefeld und Fließem haben wir moderne und funktionierende Vermarktungszentren geschaffen. Und auch die Besamungsstation in ­Borken zählt zu den modernsten Standorten in Deutschland und Europa. Hieran wird sich nichts ändern. Bei der RBW hingegen ­stehen Vermarktungsstandorte zur Disposition, genauso wie eine Wartebullenhaltung Lindenhof. Die Konsolidierung ist ein dringend erforderlicher Schritt für die RBW. Auf der anderen Seite betreibt die RBW mit ihren Vermarktungsstand­orten Ilshofen im Norden und Bad Waldsee im Süden funktionsfähige Einrichtungen und auch der Sexing-Standort ist brandneu.

Mitte 2023 gehen Sie, Dr. Hartmann, in den Ruhestand. Ist eine Doppelspitze mit ­Ihnen, Dr. Steinmann, und dem ­derzeitigen RBW-Geschäftsführer Dr. Alfred Weidele vorgesehen?

Steinmann: So ist es vorgesehen und geplant.

Durch die Fusion sollen künftig auch die Zuchtprogramme verschiedener Rassen breiter aufgestellt werden. Rassen mit kleineren Populationen wie Brown Swiss, die im Süden häufiger vertreten sind, profitieren so von dem Zusammenschluss. Auch neue Vermarktungswege im Norden für beispielsweise Fleckvieh und Braunvieh sollen durch die „Hochzeit“ entstehen. Ist das Ihrer Meinung nach überhaupt im Moment von Interesse bei hiesigen Züchtern?

Hartmann: Die RUW bietet ihren Mitgliedsbetrieben neben der mit Abstand dominierenden Kernrasse Holsteins bereits heute ein breites Rassespektrum. Hierzu kooperiert die RUW zum Beispiel seit Jahren erfolgreich mit dem Besamungsverein Neustadt a. d. Aisch (BVN) in Bayern bei der Rasse Fleckvieh. Auch weitere Rassen, insbesondere Fleischrassen, sind im Portfolio. Hier besteht schon lange eine enge Bindung an das Fleischrinder-Herdbuch (FHB) in Bonn. Diese vertrauensvolle Zusammenarbeit muss erhalten bleiben.

Fleischrassen für Mastkreuzungen beziehen wir seit Jahren von der fran­zösischen Organisation Auriva. Die Erweiterung des Rassenanteils bei Fleckvieh oder die zusätzliche Rasse Brown Swiss stellen jedoch kein Pro­blem für die RUW dar. Für die Fleckviehzüchter in Baden-Württemberg besteht sicherlich ein interessanter Absatzmarkt für Bullenkälber in West­falen. Auch die Vermarktung von Holstein-Zuchttieren Richtung Süden wird spürbar intensiviert werden können. Davon profitieren in erster Linie die Absatzmöglichkeiten über unsere Auktionsplätze.

Kommt es zu der Fusion, sind künftig vier Bundesländer in einem Verband vereint. Erhoffen Sie sich dadurch ein höheres Gewicht auch in Richtung politischem Mitspracherecht?

Hartmann: Das wird sich zeigen. Die RUW ist auf nationaler Ebene im Bundesverband Rind und Schwein (BRS) und weiteren Verbänden und Organisationen, auch auf europäischer Ebene, heute schon gut vernetzt. Die Entscheidungen innerhalb dieser Gremien finden ohnehin demokratisch statt. Dieses Prinzip haben wir jahre­lang gelebt. Natürlich wird durch die neue Unternehmensgründung unser Gewicht innerhalb der vernetzten deutschen Rinderzucht erheblich größer.

Mit der entstehenden neuen Größe werden wir aber auch auf Augenhöhe mit anderen wichtigen europäischen Zuchtorganisationen agieren können. Das wird sich vor allem im operativen Geschäft widerspiegeln – beispielsweise bei der Beschaffung von konkurrenzfähigen Zuchtprodukten. Ob der landespolitische Einfluss wächst, kann nur schwer abgeschätzt werden. Bisher wurde bei uns die Rinderzucht eher als Randerscheinung abgetan, wenig beachtet und schon gar nicht gefördert.

Nochmal zurück zur Aussage, sich schlanker und effizienter aufzustellen. Kosteneinsparungen sind bei Fusionen oberstes Gebot. Muss das Personal bangen, dass auf ihrem Buckel künftig gespart wird?

Steinmann: Das ist nicht unbedingt zu erwarten, wenngleich das Ziel besteht, die Verwaltung möglichst schlank zu halten. Eine weiter­hin gute Präsenz bei den Mitgliedsbetrieben steht klar im Vordergrund.

Bevor es konkret wird, müssen die Vertreter beider Verbände der Fusion zustimmen. Wird es Ihrer Meinung nach grünes Licht geben oder besteht die Gefahr, dass die Fusions­gespräche noch platzen?

Steinmann: Die Gespräche folgen einem klaren Grundsatz. Dieser lautet: Gründlichkeit vor Schnelligkeit sowie eins nach dem anderen. Zunächst müssen alle offenen Fragestellungen beantwortet und in Teilbereichen noch Lösungen für zurzeit ungeklärte Sachfragen gefunden werden. Hier ist Sorgfalt gefragt. Auch die Wirtschaftlichkeit muss gegeben sein. Erst wenn alle Hürden genommen sind, ­geben Vorstand und Aufsichtsrat grünes Licht für eine Beschlussvorlage für die Vertreter. Bis dahin wird es noch dauern. Alles andere sind lediglich Zwischentöne.

Noch abschließend: Wie wird die neue Organisation heißen? Hat das Kind schon einen Namen?

Hartmann: Das Kind ist noch nicht auf der Welt. Somit hat es auch noch keinen Namen. Vorstellbar wäre, die Bezeichnung, die ohnehin schon in beiden Verbänden vorhanden ist, als Hauptnamen ­anzunehmen.

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