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Kälber: Darum sollten Sie bei Lungenproblemen schnell handeln

Lungenerkrankungen können schon nach wenigen Tagen zu irreparablen Schäden führen. Wichtig ist vorzubeugen sowie kranke Kälber früh zu erkennen und zu behandeln.

Lesezeit: 6 Minuten

Die zahlreichen Ursachen für Atemwegsprobleme bei Kälbern sind bekannt. Und dennoch zählen Erkrankungen des Rindergrippekomplexes immer noch zu den Hauptabgangsursachen von Kälbern im Alter bis fünf Monate. Die Gründe liegen unter anderem im Aufbau der Kälberlunge, im Immunstatus und in den Haltungs- und Managementbedingungen während der Aufzucht.

Die Rinderlunge ist stark in Segmente unterteilt. Das kann im Falle ­einer Erkrankung dazu führen, dass Lungenabschnitte nicht ausreichend ­be­lüftet werden. Ein betroffener Lungenabschnitt kann dauerhaft Schaden nehmen, wenn Erreger das Gewebe angreifen und nicht schnell genug bekämpft werden. Ein gängiges Problem ist außerdem eine ungenügende Kolostrumversorgung. Sie kann dazu führen, dass sich das Kalb nur ungenügend gegen Infektionserreger wehren kann. Ein suboptimales Stallklima, Zugluft, wenig Einstreu und hohe Belegdichte sind weitere Faktoren, welche die Kälbergesundheit schwächen können.

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Teils saisonal-, teils ­durch Gruppierung ausgelöst

Kälbergrippe tritt einerseits gehäuft bei nass-kalten Wetterlagen auf. Während die Tiere trockene Kälte eher gut vertragen, kann eine hohe Luftfeuchtigkeit verbunden mit relativ niedrigen Temperaturen die Erkrankung begünstigen. Entsprechend treten viele Erkrankungen im Spätherbst oder Frühjahr auf. Neben dieser Form der saisonalen Kälbergrippe gibt es die Crowding-assoziierte Form. Ursache ist das Gruppieren von Kälbern aus verschiedenen Herkunftsbetrieben mit unterschiedlichem Gesundheitsstatus. Stress, Zugluft, Hunger und Durst während des Transports sowie die Keime „fremder“ Kälber begünstigen Atemwegserkrankungen zusätzlich. Das spiegelt sich auch im Begriff der Faktorenerkrankung wider: Kälbergrippe entsteht durch das Zusammenspiel von unbelebten und belebten Faktoren.

Bedingungen entscheiden

Infektionserreger sind auch bei gesunden Kälbern auf den Schleimhäuten der oberen Atemwege nachweisbar. Es gibt bakterielle und virale Erreger von Lungenentzündungen. Diese Erreger führen aber nicht zwangsläufig zu einer Erkrankung. Sollte es jedoch zu einer Erkrankung kommen, kann diese einen milden Verlauf nehmen und ohne Behandlung ausheilen. Kommen Faktoren wie schadgasreiche Luft, unzureichende Tiefe der Einstreu, hohe Belegungsdichte oder schlechter Immunstatus hinzu, besteht das Risiko einer Infektion. Diese kann sich innerhalb weniger Tage zu einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung entwickeln. Zu den Erregern von Lungenentzündungen beim Kalb zählen unter anderem das Bovine Respiratorische Syncytialvirus (BRSV) und das Parainfluenza-3 Virus (PI-3), die Bakterienarten Pasteurella multocida, Mannheimia haemolytica und Mycoplasma bovis.

Infektionsdruck senken

Da die meisten Atemwegsinfektionen durch ein Zusammenspiel verschiedener Managementfaktoren entstehen, liegen hier auch die Hebel zur Vermeidung von Infektionen. Bei guter Haltung ist auch die Abwehrbereitschaft des Organismus hoch und der Infektionsdruck gering. Mit einem hohen Medikamenten- und Impfstoffeinsatz lassen sich Bestandsprobleme hingegen nicht dauerhaft lösen. Wichtig ist beispielsweise eine niedrige Ammoniakkonzentration im Liegebereich. Dies setzt eine geringe Belegungsdichte mit mehr als 3 m² Stallfläche pro Kalb sowie häufiges Entmisten und reichlich Stroheinstreu voraus. Ein zugfreier Rückzugsbereich, insbesondere für kleine Kälber, und eine ausreichende Kolostrumversorgung sowie eine dem Alter angepasste Fütterung stärken die Konstitution der Kälber.

Auch die Gruppengröße hat einen Einfluss auf die Kälbergesundheit. Hier sollte die Obergrenze bis zu einem Alter von fünf Monaten bei zehn Kälbern pro Gruppe liegen und die Gruppen sollten möglichst im Rein-Raus-Verfahren zusammengestellt werden.

Symptome früh erkennen

Das frühzeitige Erkennen und systematische Behandeln von akut erkrankten Kälbern muss die prophylaktischen Maßnahmen ergänzen. Nur so lassen sich gravierende Organveränderungen und eine Ausbreitung der Erkrankungen vermeiden. Pro- oder metaphylaktische Behandlungen mit Antibiotika sind aufgrund der weltweiten Problematik der Antibiotikaresistenzen nicht mehr zeitgemäß.

Als typisches erstes Krankheitssymptom haben Kälber hohes Fieber (> 40,0 °C). Weitere Symptome treten meist erst 24 bis 48 Stunden später auf. Die Tiere liegen vermehrt und bei genauerem Hinsehen erkennt man bei vielen bereits einen leicht erhöhten Tränenfluss und eventuell einen wässerigen Nasenausfluss. Die Atemfrequenz und die Atemintensität sind zunächst mäßig erhöht. Die Tränkeaufnahme kann in diesem Stadium noch völlig normal sein. Eine Therapie sollte aber sobald wie möglich erfolgen, wenn erste Symptome erkennbar sind.

Denn innerhalb von einigen Tagen entwickelt sich eine Entzündung der oberen Atemwege. Die Atemfrequenz kann jetzt mit 50 bis 100 Atemzügen pro Minute deutlich erhöht sein. Gesunde Kälber machen 30 bis 45 Atemzüge pro Minute.

Kommt beispielsweise zusätzlich zu einer viralen Erstinfektion eine bakterielle Sekundärinfektion hinzu, können sich die Krankheitszeichen deutlich verschlechtern. Ein Hinweis auf eine Verschlechterung ist der zunehmend schleimige und eitrige Nasenausfluss. Tierärztinnen und Tierärzte können mit dem Stethoskop verstärkte Atemgeräusche während der Ein- und Ausatmung wahrnehmen.

Erfolgt keine passende Behandlung, kann die Infektion fortschreiten und zum Tod führen oder chronisch werden. Chronisch erkrankte Kälber fressen schlecht, haben einen reduzierten Allgemeinzustand, husten und können unter Atemnot leiden. Teils sind eine gestreckte Kopf-Hals-Haltung sowie abgespreizte Vordergliedmaßen zu beobachten. So versucht das Kalb, besser Luft zu bekommen. Diese Kälber sind durch die lange Krankheitsdauer auch bei intensiver Therapie nicht mehr vollständig zu heilen und entwickeln sich häufig zu Kümmerern.

So handeln bei Erkrankungen

Ist in einer Gruppe von beispielsweise zehn Kälbern ein Tier behandlungswürdig erkrankt, sollten Landwirte bei allen anderen neun Kälbern sofort Fieber messen und falls nötig Behandlungen einleiten. Außerdem kann die Trennung eines erkrankten Kalbes von (noch) gesunden Kälbern die Ausbreitung der Infektion verhindern.

Der Erregernachweis

Die Vermeidung von Erkrankungen durch eine einwandfreie Haltung und Fütterung sollte immer im Vordergrund stehen. Im Krankheitsfall stehen verschiedene diagnostische Methoden zur Verfügung. Sie helfen, über die Art der Behandlung zu entscheiden und eine Prognose zum Krankheitsverlauf geben zu können.

Es ist zwar relativ einfach, Erreger in Körpersekreten oder auf Schleimhäuten nachzuweisen. Einige Krankheitserreger sind auch bei gesunden Kälbern normale Schleimhautbewohner. Dadurch ist es schwer zu sagen, welcher Erreger für die akut vorliegende Erkrankung verantwortlich ist.

Nasentupfer und Lungenspülprobe: Mittels tiefem Nasentupfer oder der sogenannten Luftröhren- oder Lungenspülprobe lassen sich Erreger nachweisen. Problematisch bei dieser Form der Probenentnahme ist aber, dass unter Umständen nur die harmlose Begleitflora der Schleimhäute nachgewiesen wird, die mit dem eigentlichen Krankheitsgeschehen nichts zu tun hat.

Lungenultraschall: Mittels Ultraschall lassen sich Veränderungen im Lungengewebe sichtbar machen. Für die Methode ist ein Ultraschallgerät nötig und sie ist anspruchsvoll. Zugleich liefert sie neben der klinischen Allgemeinuntersuchung nicht zwangsläufig entscheidende zusätzliche Informationen.

Sektion: Eine Sektion verendeter oder euthanasierter Kälber kann zusätzliche Informationen vermitteln und verdeutlichen, wie sehr das Lungengewebe vom Entzündungsgeschehen geschädigt worden ist.

Erkrankungen der Atemwege können bei Kälbern schwerwiegend sein und den Verlust des Tieres bedeuten. In jedem Fall sollten Landwirte versuchen, durch eine engmaschige Tierbeobachtung im Zusammenspiel mit idealer Kolostrumversorgung, adäquater Aufstallung und tiefem Stressniveau eine Erkrankung zu vermeiden.

Wenn der Allgemeinzustand von der Norm abweicht, gilt es schnell Fieber zu messen und tierärztlichen Rat einzuholen. Zugleich ist die Fieberkontrolle bei Kontaktkälbern nötig. So lassen sich zusätzlicher Arbeitsaufwand, Tierleid und wirtschaftliche Einbußen vermeiden.

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