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Staatliche Tierhaltungskennzeichnung als wirtschaftliche Perspektive?

Die staatliche Tierhaltungskennzeichnung soll eine wirtschaftliche Perspektive für landwirtschaftliche Betriebe bieten. Beim DBV-Symposium übten Praktiker und Milchverarbeiter Kritik.

Lesezeit: 4 Minuten

„Ich brauche die staatliche Tierhaltungskennzeichnung eigentlich nicht“, erklärte Markus Driehsen auf die Frage, wie notwendig er als landwirtschaftlicher Praktiker den staatlichen Ansatz bewertet. Dr. Ophelia Nick hatte zuvor in ihrem Eingangsstatement beim Fachforum Milch des Deutschen Bauernverbands (DBV) im Rahmen der Grünen Woche erklärt, dass die amtierende Bundesregierung, anders als die Vorgänger, die staatliche Tierhaltungskennzeichnung durchsetzen wolle. „Wir als Bundesregierung wollen die Betriebe unterstützen und Planungssicherheit schaffen, die über unsere Legislaturperiode hinausgeht“, erklärte sie bei der DBV-Veranstaltung mit dem Titel „Tierwohl in der Milchviehhaltung: Mehr Transparenz durch Kennzeichnung und Digitalisierung?“.

Ziel: Den Ansprüchen der Verbraucher gerecht werden.

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Die verbindliche Tierhaltungskennzeichnung sei auf einem guten Weg, der allerdings nicht gerade, sondern kurvig und mit vielen Hürden versehen sei. „Mit dem staatlichen Tierhaltungskennzeichen wollen wir den Ansprüchen der Verbraucher gerecht werden und mehr Transparenz schaffen, aber auch Verlässlichkeit und eine Perspektive für landwirtschaftliche Betriebe bieten“, so die parlamentarische Staatssekretärin für Ernährung und Landwirtschaft. Die Grünen-Politikerin zeigte sich überzeugt, dass sich Märkte verändern und der Aspekt Nachhaltigkeit immer mehr an Bedeutung gewinnen werde.

Markus Driehsen ist Milcherzeuger und Direktvermarkter in Nordrhein-Westfalen und schilderte seine Bedenken bei der anschließenden Podiumsdiskussion:

Die staatliche Tierhaltungskennzeichnung bedeutet für mich einen höheren bürokratischen Aufwand und damit mehr Kosten. - Markus Driehsen

In die gleiche Kerbe schlug Christian Schramm von der Molkerei Zott. „Das staatliche Tool verursacht Kosten, die uns jegliche Wettbewerbsfähigkeit nehmen“, so der Bereichsleiter Milcheinkauf. Er griff außerdem den Punkt Transparenz auf: Privatwirtschaftliche Kontrollen wie die der Initiative Tierwohl (ITW) würden gut funktionieren, staatliche dagegen häufig Mängel aufweisen.

"Perfect Match"

Prof. Dr. Harald Grethe von der Technischen Universität Berlin sprach dagegen von einem „perfect match“ zwischen privatwirtschaftlichem und staatlichem Instrument: „Die Privatwirtschaft ist mit der ITW schon vor langer Zeit losgelaufen“, erklärte der Wissenschaftler. Die Politik komme nun spät hinterher. „Ich bin dennoch überzeugt, dass beide Kennzeichen gut nebeneinander herlaufen können“, beschrieb er seinen Standpunkt. Die Wirtschaft brauche den Staat, um in die Breite zu kommen. Der Staat wiederum könne etwas, was die Privatwirtschaft nicht kann, nämlich auch die Gastronomie und Großverbraucher in die Pflicht nehmen.

Christian Schramm befürchtet, dass das zusätzliche Logo auf der Milchpackung, was aus Marketingsicht nicht nur dem Logo eines Bestattungsunternehmens gleiche, sondern auch noch gegenläufig zu Haltungsform laufe, zu noch mehr Verwirrung bei Verbrauchern führt. Problematisch sei außerdem, dass ausländische Ware, wie italienischer Mozzarella von der Kennzeichnung nicht betroffen ist. Dr. Ophelia Nick griff die Kritik auf und erklärte, dass der Staat kein Marketing macht, sondern informiert. Die deutsche Bundesregierung könne das Ausland außerdem nicht zwingen, das Tierhaltungskennzeichen einzuführen. „Wir hoffen aber, dass wir im europäischen Raum eine Wettbewerbsgleichheit erzielen können“, so die gelernte Tierärztin.

Deutschland ist Gunststandort

Scharfe Kritik erntete sie für ihre Aussage „Wir möchten, dass weniger Tiere besser gehalten werden“ von dem Bayerischen Bauernpräsident Günther Felßner, der sich am Publikumsmikrofon zu Wort meldete: „Wir haben in Deutschland und Europa einen Gunststandort für Tierhaltung. Es wäre auch aus Sicht des Klimaschutzes fatal, wenn wir die Tierhaltung von hier in andere Regionen verlagern, die deutlich mehr Ressourcen benötigen, um Lebensmittel herzustellen.“

Markus Driehsen betonte in diesem Zusammenhang: „Je höher die Leistung der Kuh, desto geringer der CO2-Fußabdruck.“ Deutschland stehe im internationalen Vergleich gut dar. Prof. Dr. Harald Grethe wies darauf hin, dass es nicht pauschal besser ist, die Milchleistung zu steigern: „Wichtig ist, dass die Leistung aus dem Grundfutter kommt und nicht aus Sojaimporten. So kann sogar eine geringere Milchleistung von Vorteil sein.“

Fakt ist, dass 50 % der klimaschädlichen Gase aus der Tierhaltung stammen. - Dr. Ophelia Nick

Mit diesem Statemant konterte die Grünen-Politikerin auf die Kritik zu Tierzahlobergrenzen. „Ich bin ausgebildete Tierärztin und stolz auf die deutsche Landwirtschaft. Aber wir wissen alle, dass auch nicht überall alles gut ist“, erklärte sie. Das Problem der aus Sicht der Bundesregierung zu hohen Tierzahlen könne sich durch die Wiedervernässung der Moore ggf. von selbst lösen, so Prof. Dr. Harald Grethe. Denn das hätte zur Folge, dass zahlreiche Betriebe weniger Kühe halten müssen.

„Insbesondere dort, wo die Kosten für mehr Tierwohl hoch sind, brauchen Landwirte Förderung“, so der Wissenschaftler. Die Rindermast habe dabei mehr Bedarf als milchviehhaltende Betriebe. Laut Dr. Ophelia Nick arbeitet eine Arbeitsgruppe gerade an einem Finanzierungskonzept. „Wir sind da dran“, versicherte sie und ergänzte: „Bis die Kennzeichnung im Rinderbereich eingeführt wird, ist es noch etwas hin.“

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