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Vollweide auf Ackerland

Funktioniert die Vollweide auf Kurzrasen nur auf niederschlagsreichen Gründlandstandorten? Ein Praxisbeispiel aus Niederbayern zeigt, wie es geht.

Lesezeit: 6 Minuten

Die Weidehaltung vermittelt den Konsumenten ein Gefühl von artgerechter Nutztierhaltung, da die Tiere sichtbar sind und Weidegras die Futterbasis ist. Ein wachsender Anteil von Betriebsleitern beschäftigt sich daher mit einer professionellen Weidehaltung ihrer Rinder.

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Neben den Verbraucherwünschen müssen Weidehalter die Ansprüche der Tiere, des Pflanzenbaus, der Ökologie, der Arbeitswirtschaft und vor allem auch der Ökonomik, erfüllen. All diese Bedürfnisse werden am ehesten bei der Vollweidehaltung mit Kurzrasenweide befriedigt.

Vollweidehaltung bedeutet, dass die Tiere während der Hauptwachstumszeit des Aufwuchses ganztägig auf der Weide sind und kein oder maximal 10 % Ergänzungsfutter erhalten. Ausnahmen sind Futterknappheit vor allem bei anhaltender Sommertrockenheit. In der Gesamtbetrachtung der Ansprüche hat sich die Kurzrasenweide als die vorteilhafteste Weideform herauskristallisiert. Diese kann als Standweide oder als Umtriebsweide geführt werden. Ziel ist es dabei, die Gräser im 3-Blattstadium zu nutzen. Wird nämlich ein viertes Blatt von der Pflanze gebildet, stirbt das unterste bereits wieder ab. Die Kunst liegt in dieser Weideführung darin, mittels laufender Aufwuchsmessungen bzw. guter Beobachtung den täglichen Futterzuwachs mit dem täglichen Futterverzehr in Einklang zu bringen. Dadurch wird eine konstante Aufwuchshöhe gewährleistet. Dies geschieht in der Regel durch Anpassung des Flächenangebots. Wächst mehr Trockenmasse (TM) je ha Futterfläche zu als die Tiere verzehren, muss die Fläche verkleinert oder Koppeln übersprungen werden und umgekehrt. Diese Anpassung ist in der Regel dreimal pro Weidesaison nötig.

Weide auf Trockenstandort?

Lässt sich dieses Weidesystem, wie vielfach behauptet, nur in Lagen mit ausreichend Niederschlägen oder auch auf trockeneren Standorten realisieren? Was in der Praxis möglich ist, zeigt die Umsetzung im Betrieb von Beate und Peter Oberhofer in einem niederbayrischen Ackerbaugebiet im Landkreis Landshut mit jährlich 635 l/m2 Niederschlägen und einer mittleren Jahrestemperatur von 10,6 °C.

Der Betrieb Oberhofer wirtschaftet ökologisch und liegt auf 427 m über dem Meeresspiegel. Die Bodenart besteht weitgehend aus sandigem, schluffigem Lehm. Zunächst haben Oberhofers die hofnahen Ackerflächen in Weiden umgewandelt. Dieses Vorgehen sorgte bei Berufskollegen für großes Unverständnis. Aber: Ein guter Acker gibt auch eine gute Weide!

Zur Ansaat wählte der Milchviehhalter Deutsches Weidelgras und Wiesenrispe mit etwas Weißklee. Deutsches Weidelgras und vor allem die Wiesen-rispe zeichnen sich durch ein hervorragendes Bestockungsvermögen und eine sehr gute Resilienz aus. Das ist die Fähigkeit, nach längerer Trockenperiode bei aufkommender Feuchte wieder auszutreiben. Die Bestockung und somit die Bildung sehr dichter Pflanzendecken reduziert die Verdunstung.

Einstieg mit Jungvieh

Der Einstieg in die Weidehaltung begann zunächst nur mit dem Jungvieh, weil die Rinder und der Landwirt den Weidegang erst lernen müssen. In der Kälberaufzucht bis zur 12. Lebenswoche setzen Oberhofers eine Joghurttränke ein. Dazu füttern sie eine Trocken-TMR, die sie aus Luzerneheu, Körnermais, Getreide und Ackerbohnen sowie Biomelasse mischen. Die Kälber stellen sie dann ab April im vierten bis sechsten Lebensmonat auf Vollweide mit Kurzrasenweide um, ohne dass Kraftfutter ergänzt wird.

Im darauffolgenden Winter werden diese Rinder – bei entsprechender körperlicher Entwicklung – ab dem 14. Lebensmonat besamt und gehen im Folgesommer noch einmal unter Vollweidebedingungen auf eine Kurzrasenweide. Anschließend kalben die Tiere im Mittel mit 24 Monaten das erste Mal ab. Ein systematisches Parasitenmanagement ist auch im Biobetrieb notwendig. Damit die Hochlaktation nicht in die heißen Sommermonate fällt und sich der Hitzestress für die Kühe in Grenzen hält, entschied sich der Betriebsleiter für eine Herbstkalbung. Das führt dazu, dass die Kühe in den Wintermonaten am meisten Milch geben und in den Hitzemonaten Juli/August altmelkende bzw. trockenstehende Kühe auf den Flächen weiden.

Im Hinblick auf die Kraftfuttereffizienz ermöglicht die „Gleichschaltung“ der Herde eine sehr effiziente Milchproduktion in den Wintermonaten (siehe Übersicht 1). Ziel des Kraftfuttereinsatzes soll eine zusätzliche Gesamtfutteraufnahme des Tieres sein. Allerdings wird jedes kg Kraftfutter nicht zu einer 100 %igen Aufnahmesteigerung führen, da immer ein Teil des Grobfutters „verdrängt“ wird.

Dieser Effekt steigt im zunehmenden Laktationsverlauf. Konkret führt zu Laktationsbeginn 1 kg Kraftfutter zu einer Mehraufnahme an Gesamtfutter von 0,5 bis 0,7 kg TM. Ab Mitte der Laktation sind diese Effekte deutlich geringer. Diesen Effekt nutzt Peter Oberhofer mit der saisonalen Abkalbung optimal aus, da die Kühe ab Weideaustrieb kein Kraftfutter mehr erhalten. Das Weidegras reicht, um die Kuh mit 25 kg Tagesleistung ausreichend zu versorgen. Bei zunehmender Sommertrockenheit entsprechend weniger.

Die Kalbesaison beginnt Mitte Oktober. Im „alten“ Jahr, sprich bis Dezember, sollen mindestens 80 % der Tiere abgekalbt haben. So können im August bereits die ersten Tiere trockengestellt und bei Bedarf auf hofentfernte Flächen verbracht werden. Dieses Vorgehen entlastet die hof-nahen Weiden und bietet den verbleibenden laktierenden Tieren bei nachlassendem Zuwachs ein ausreichendes Futterangebot.

7 ha Luzerne zur Trocknung

Im Winter wird eine für die frischlaktierenden Kühe konzipierte TMR gefüttert. „Kühen kann man Vielfressen antrainieren“, so die Erfahrung von Peter Oberhofer. Kühe in passender Kondition, die den ganzen Sommer über ihr Futter auf der Weide suchen müssen, fressen auch in der nachfolgenden Stallperiode aggressiver.

Als Anpassung an die sich ständig ausdehnende Sommertrockenheit baut Peter Oberhofer 7 ha Luzerne an. Die Aufwüchse trocknet er am Betrieb mit der Abwärme der eigenen 75 kW-Biogasanlage. Auch das Beimengen von Luzerne in die TMR fördert die Futteraufnahme. Die durchschnittliche Futterration für die Wintersaison 2020/21 finden Sie in Übersicht 2.

Hohe Futteraufnahme

Die Ration reicht rechnerisch für etwa 30 kg Milch je Kuh und Tag. Wie bereits erwähnt, weisen die Kühe eine deutlich höhere Futteraufnahme auf als rechnerisch unterstellt. Bei der Futteranpassung werden die Anteile der Einzelkomponenten beibehalten und nur die Gesamtfuttermenge erhöht oder gesenkt. Mit dieser Strategie erreicht der Betrieb in den Wintermonaten eine sehr hohe Milchleistung bei moderatem Aufwand. Im März beginnt der Weideaustrieb und ab Mitte April wird die Herde komplett auf Vollweide um-gestellt.

Den 70 Kühen steht eine Weidefläche von 23 ha zur Verfügung. Die Milchleistung der Kühe passt sich im Verlauf des Sommers dem Laktationsstand und dem Futterangebot an (s. Übersicht 3). Einen kleinen „Luxus“ gönnt sich die Familie. Ab September wird bis zum Beginn der neuen Abkalbesaison nur noch einmal am Tag vormittags gemolken. „Wir genießen diese Zeit und können uns so voll auf die Herausforderungen der bevorstehende Kalbesaison vorbereiten“, freut sich Beate Oberhofer über die gewonnene Freiheit.

Zeit für Urlaub

„In dieser Zeit können wir unbesorgt einen Urlaub bzw. Tagesausflüge mit unserer kleinen Tochter verwirklichen, da das einmalige Melken meine Eltern allein übernehmen können. Es fallen ja sonst keine Arbeiten wie Besamung, Kalbung oder Kälberfüttern an“, fügt Peter Oberhofer noch hinzu. Auf Grund des guten Biomilchpreises und der geringen Produktionskosten während der Weidehaltung verzichten Oberhofers auf eine Melkpause in dieser Zeit.

Wir halten fest

Vollweidehaltung von Milchkühen ist auch in Ackerbauregionen bei genügend Fläche am Hof möglich. Wichtig ist die Abstimmung des Systems auf den Einzelbetrieb.Bewährt haben sich Herbst-/Winterkalbung und Vollweide. Die Jungrinder sind in das System komplett einzubeziehen. Es zeigt sich, dass mit Weide Geld zu verdienen ist.

Unser Autor: Siegfried Steinberger, Institut für Tierernährung, LfL

Dieser Artikel erschien in der Maiausgabe von top agrar Südplus 05/2021. Jetzt testen.

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