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topplus Tipps für festliegende Rinder

Wenn die Kuh nicht mehr aufsteht

Eine festliegende Kuh ist immer ein Notfall im Betrieb. Klare Abläufe und die richtigen Hilfsmittel bringen die besten Ergebnisse für Mensch und Tier.

Lesezeit: 6 Minuten

Wenn Kühe nicht mehr selbstständig aufstehen können, kann das viele Ursachen haben. Fakt ist, dass je nach Ort und Zustand der Kuh einige Schritte notwendig werden, um diese Situation zu lösen. Wie Landwirtinnen und Landwirte vorgehen können, ohne Tierschutz, Sicherheit und Arbeitswirtschaftlichkeit aus den Augen zu verlieren, erklärt Dr. Theresa Scheu vom Hofgut Neumühle (Rheinland Pfalz). Die Tierärztin beschäftigt sich seit Jahren mit dem kritischen Thema.

Schnell gelesen

Festliegende Kühe sind ein Notfall. Zwei bis vier Stunden nach Auffinden ­sollten diese gesichert, versorgt und ­tierärztlich untersucht sein.

Ein trittfester Untergrund, Witte­rungsschutz und Wasser sowie Futter sind Basis der weiteren Versorgung.

Der Pflegeaufwand bei länger fest­liegenden Kühen ist hoch. Zusätzlich zum Heben ist bis zu sechsmal täglich Wenden wichtig.

Das Tierwohl steht trotz aller Bemühungen an erster Stelle. Besteht nach Absprache mit dem Tierarzt keine Aussicht auf Heilung, sollte das Tier eingeschläfert werden. 

Für sie ist klar: Beim richtigen Umgang mit jedem Einzelfall sind Tempo, Diagnose, Aufstallung und Pflegeaufwand entscheidend. „Der Umgang mit kranken bzw. verletzten Einzeltieren im landwirtschaftlichen Betrieb ist ein Indikator für Mitgefühl mit dem ‚genutzten‘ Tier!“

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1. Was muss in den ersten vier Stunden passieren?

„Vom Auffinden bis zur gesicherten und versorgten Kuh sollten maximal zwei bis vier Stunden Zeit vergehen“, sagt Theresa Scheu. Denn grundsätzlich gibt es primäre und sekundäre Ursachen für das Festliegen. Zu den primären zählen z. B. Hypocalcämie, schwere toxische Mastitiden und Ausgrätschen. Sekundäre Ursachen entstehen unter anderem durch das Liegen an sich und Aufstehversuche: Druckstellen, Risse, Brüche und Quetschungen. In einer australischen Studie mit mehr als 200 Tieren wurde festgestellt, dass 84 % der festliegenden Kühe Folgeschäden hatten und insgesamt 72 % aufgrund dessen eingeschläfert werden mussten.

Stößt ein Landwirt auf eine festliegende Kuh sollte daher ein routinierter Betriebsablauf einsetzen: Je nach Ort kann es wichtig sein, das Tier zuerst vor anderen Kühen zu schützen und die Umgebung zu sichern. „Dafür reichen z. B. oft schon Spanngurte oder Tore zwischen den Liegeboxen“ sagt Scheu. Dann gilt es, das Allgemeinbefinden der Kuh zu bewerten: Ist die Kuh matt, apathisch und „nicht ansprechbar“, dann ist unverzügliche Hilfe (Infusionen usw.) an Ort und Stelle wichtig. Wirkt die Kuh wach, reagiert und liegt in Brust-Bauchlage, bleibt die Zeit zu entscheiden, ob das Tier zuerst geborgen werden kann. In beiden Fällen sollte der Tierarzt gerufen werden.

2. Wie birgt man eine Kuh ­sicher aus dem Stall?

Je nachdem wo eine Kuh im Stall festliegt, kann die Bergung aufwendig sein. Wichtig ist: Kühe dürfen nicht über den Boden geschleift oder an Kopf und Gliedmaßen gezogen werden. „Ich plädiere zudem immer dazu, als erstes ein Vergrittungsgeschirr bzw. Fußfessel anzulegen um weitere sekundäre Schäden zu vermeiden“, sagt Scheu. Zudem rät die Tierärztin dazu, die Kuh mit einem Halfter zu sichern. Und: Eine Kuh, bei der nach Abstimmung mit dem Tierarzt klar ist, dass sie eingeschläfert wird, sollte möglichst nicht mehr lebend transportiert werden.

Bei nicht befahrbaren Stallbereichen, kann man die Kuh auf eine dicke Schleppmatte (z. B. Liegeboxenmatratze) umlagern und diese Matte samt Kuh dann über den Boden ziehen. Ist der Ort mit Maschinen erreichbar, stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung: So können Landwirte Rinder und kleinere Kühe oft in der Hofladerschaufel transportieren. „Das ist eine sehr gute Lösung, wenn es passt“, sagt die Tierärztin.

Beckenklammern nur mit Bedacht nutzen

Alternativ braucht der Betrieb einen passenden Hebegurt. In geeigneten Geschirren können Kühe hängend getragen werden. Bekannt sind diese aus der Bergrettung. Wichtig ist dabei eine gute Verteilung der Last. „Auch ein umgebautes Bigbag kann in der Not funktionieren und ist besser als einzelne Seile oder Klammern zum Transport“, sagt die Tierärztin.

Gerade die Beckenklammer ist weitläufig bekannt und auf vielen Betrieben vorhanden. Beim falschen Einsatz sind Schäden allerdings vorprogrammiert. Denn die Beckenklammer dürfen Tierhalter nur zum kurzen Anheben der Kuh nutzen. Dann muss das Tier selbst Last aufnehmen oder durch andere Tragevorrichtungen unterstützt werden. „Die Klammer hilft beim Aufstehen, nicht beim Transportieren“, betont Scheu.

3. Welche Umgebung passt? 

Ist die Kuh aus dem Stall geholt, muss sie in eine geeignete Umgebung gebracht werden. Wichtig sind zunächst Trittfestigkeit und ein Witterungsschutz. Gewachsener Boden auf einer Grasfläche bietet der Kuh ebenso halt wie mit Sand oder Hackschnitzel gepolsterte Hofflächen oder Tiefstreuställe mit sehr fester Matratze. Selbst Kühe, die nicht stehen können, „krabbeln“ oft über den Boden und geraten so schnell in die ungünstige Froschlage. Daher ist es wichtig die Kuh je nach Ort zusätzlich mit Gattern, Treibwagen oder Strohballen einzugrenzen.

4. Wie versorgt man eine ­festliegende Kuh?

Nach der Bergung beginnt der langwierigste Teil. Steht die Kuh nach der Erstversorgung auf dem festen Untergrund selbstständig, reicht es, sie zunächst mit Wasser und Futter zu versorgen, regelmäßig zu kontrollieren und zu melken. Ist die Kuh wach und aufmerksam, aber steht weiter nicht auf, sollte der Tierarzt nochmals nach Knochenbrüchen, Bänderrissen Hüftschäden usw. suchen.

Wenn Mediziner und Landwirt die Entscheidung getroffen haben, dass eine weitere Versorgung Sinn macht, hat der Betrieb einen Intensivpatienten auf dem Hof. „Viel Arbeit fällt in den ersten 12 bis 24 Stunden an. Dann startet ein täglicher Pflegezyklus. Denn medizinisch ist in dem Moment das Meiste ausgeschöpft“, sagt Theresa Scheu. Zusätzlich zu Futter, Wasser und Melken sollten Landwirte die Kuh mindestens vier bis sechs Mal täglich wenden. Anheben macht dann Sinn, wenn die Kühe selbst die Motivation dazu zeigen und mit Hilfe durch das Geschirr auch selbst Last mit den Beinen aufnehmen. Kühe, die noch gar keine Last aufnehmen, sollte man laut Scheu auch nicht heben.

5. Wann ist Einschläfern die bessere Alternative?

Die Entwicklung in den nächsten Tagen ist entscheidend. Die Tierärztin berichtet von ihren Leitfragen: „Besteht eine realistische Chance, dass das Rind so geheilt werden kann, dass die Lebensqualität nicht durch Schmerzen oder Leiden beeinträchtig ist. Und ob die vorgesehene Nutzung des Tieres innerhalb eines angemessenen Zeitraums wieder möglich ist?“ Denn Studien haben gezeigt: Wenn eine Kuh länger als fünf Tage festliegt, ist die Chance auf Heilung gering (siehe Übersicht). Ist eine Kuh länger als 48 Stunden apathisch und matt, sind die Heilungsaussichten ebenso klein. Weitere Signale sind Fressunlust und keine Aufstehmotivation. Auch die Seite des Tierhalters findet Scheu wichtig: „Eine adäquate Versorgung braucht viel Zeit und Ruhe.“ Wer das nicht gewährleisten kann, solle im Sinne des Tieres entscheiden.

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