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Wölfe in Deutschland: Schafhalter in Not

Die Wolfspopulation ist nach Überzeugung von Schäfern und Landwirten längst groß genug. Nun müsse es um den Schutz der Nutztiere gehen.

Lesezeit: 5 Minuten

Schon beim ersten Feldtag „Wolf und Weidetierhaltung“ hatten Tierhalter vor zwei Jahren auf die dramatischen Konsequenzen des wachsenden Wolfbestandes für die Freilandhaltung von Nutztieren aufmerksam gemacht. Nach Auffassung des Umweltbeauftragten beim Deutschen Bauernverband (DBV) und Präsidenten des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Eberhart Hartelt, waren die 24 Monate seitdem aus Sicht der Betroffenen verschwendete Zeit, da sich seitdem wenig getan hat, außer dass die Zahl der Beutegreifer unvermindert angestiegen ist.

Hartelt zufolge vermehren sich die Wölfe in Deutschland jedes Jahr um rund 30 %. Er gehe selbst auf Grundlage der „euphemistischen Zahlen“ der Naturschutzverbände von bis zu 2 000 Raubtieren in Deutschland aus, bilanzierte der DBV-Umweltbeauftragte beim 2. Feldtag auf dem Rinder- und Pferdehof „Bauer Zorn“ in Berlin. Laut Besitzerin Heike Zorn sind die Fleischfresser selbst am Rande der Großstadt kein unbekannter Anblick mehr.

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Dass die amtlich erhobene jährliche Zahl der Risse bei Weidetieren mit bundesweit rund 4 000 Fällen zuletzt leicht gesunken sein soll, ist für den Berufsschäfer und Vorsitzenden der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL), Alfons Gimber, kein Grund zur Erleichterung. Er wies darauf hin, dass viele Schäfer wolfsbedingte Schäden aus Angst vor Repressalien gar nicht mehr anzeigten. Mitunter sei es so, dass Halter nach Wolfsangriffen an den Pranger gestellt würden, egal, was sie zuvor an Herdenschutzmaßnahmen auf den Weg gebracht hätten, verdeutlichte Gimber.

Er hat freiwillig seine Schutzzäune von 90 cm auf 1,05 m aufgestockt, will aber nicht noch mehr in solche Maßnahmen investieren. Nach Überzeugung des VDL-Vorsitzenden ist eine Koexistenz zwischen Wolf und Weidetieren allein durch Herdenschutzmaßnahmen nicht machbar. Er und Hartelt pochen deshalb auf eine grundsätzliche Änderung beim Umgang mit dem Wolf in Deutschland.

Problemtiere schnell entnehmen

Hartelt erneuerte auf dem Feldtag die Forderung von DBV und VDL nach einem Bestandsmanagement für den Wolf und leichtere Entnahmen von Problemtieren. Zudem solle endlich realistisch gezählt festgestellt werden, dass der günstige Erhaltungszustand für die deutsche Wolfspopulation mit den eingangs genannten Tierzahlen längst erreicht sei. Überfällig sei auch die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht, betonte der DBV-Vize. Dies bedinge eine Lockerung des strengen Schutzstatus für den Wolf auf europäischer Ebene durch eine Umstufung des Wolfes von Anhang IV in Anhang V der Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Richtlinie.

Für unumgänglich halten Hartelt und Gimber ferner die Festlegung wolfsfreier Regionen, in denen die Einwanderung und Ansiedlung des Beutegreifers aktiv unterbunden wird. Sie denken dabei insbesondere an Deichgebiete und Almen, aber auch bestimmte Grünlandstandorte. Herdenschutz sei hier selbst mit höchstem Aufwand nicht effektiv, argumentieren sie. Deshalb müsse der Wolf ferngehalten werden, wolle man für die Weidehaltung noch eine Zukunft.

Sorgen der Schäfer endlich ernstnehmen

Nicht gelten lassen will Gimber das Argument, wonach der Wolf schließlich nach wie vor unter dem besonderen Schutz des EU-Rechts stehe. Dies gelte für Länder wie Frankreich oder Finnland ebenfalls, dennoch würde der Bestand dort auf ein erträgliches Maß reduziert, erklärte der VDL-Vorsitzende, der bundesweit rund 20 000 Schafhalter vertritt. Er sicherte den Willen der Tierhalter zur Kooperation bei der Suche nach einer Lösung zur Koexistent von Nutztieren und Wölfen zu. Dafür müsse die Politik aber auch die Sorgen und berechtigten Forderungen der Halter ernstnehmen, verlangte Gimber.

Beim FDP-Bundestagsabgeordneten Karl-Heinz Busen rannte der Schäfer damit offene Türen ein. Er stellte fest, die FDP verlange seit Jahren, dass der Wolf ins Jagdrecht überführt wird. Auch sei er der Überzeugung, dass der günstige Erhaltungszustand beim Wolf in Deutschland längst erreicht sei. Auch Busen kritisiert das aktuelle Verfahren zur Bestandserhebung und nannte es regelrecht „idiotisch“, dass amtlicherseits bei einem Rudel oft von nur zwei Tieren ausgegangen werden, während die Erfahrung auf deutlich umfangreichere Rudelgrößen hinweise.

Almbauern vor dem Aus

Unterstützung für die Belange der Tierhalter kam auch von CDU und CSU im Bundestag. CSU-Agrarsprecher Artur Auernhammer berichtete von Almbauern deren diesjähriger Almabtrieb wegen der zunehmenden Belastungen durch Wolfsangriffe ihr letzter gewesen sei. Viele Andere stünden ebenfalls vor dieser Entscheidung, warnte Auernhammer. Die Folgen wären für Natur und Tourismus dramatisch. Auch der CSU-Politiker plädiert deshalb für leichtere Entnahmen und die Verhinderung der Wolfsansiedlung in Regionen wie den Almgebieten. Die schleswig-holsteinische CDU-Abgeordnete Astrid Damerow sieht im Norden ähnliche Gefahren für den Deichschutz und den dortigen Tourismus, sollte der Wolf die Schafhaltung im Küstenbereich weiter unter Druck setzen. Noch mehr Förderprogramm sind nach ihrer Einschätzung keine Lösung, da oft zu bürokratisch. Damerow appellierte deshalb an die Bundesregierung, beim Wolfsmanagement in die Gänge zu kommen.

Herdenschutz verbessern

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Franziska Kersten verteidigte den Herdenschutz indes als probates Mittel zur Koexistenz von Wolf und Weidetier. Sie verwies dazu auf Erfahrungen aus Sachsen-Anhalt, wo mit 1,2 m hohen Zäunen und mit „einer vernünftigen Stromstärke“ Übergriffe gesenkt werden konnten, obwohl dort die Zahl der Rudel in der Zwischenzeit weiter gestiegen sei.

Unterstützung signalisierte Kersten bei der Erhebung genauerer Bestandszahlen zum Wolf. Auch sie kann beispielsweise nicht nachvollziehen, wieso junge Wölfe erst ab einem Alter von 24 Monaten als adultes Tier gezählt werden. Hier müsse man zu klareren Zahlen kommen, so die SPD-Politikerin.

Skeptisch bleibt sie hingegen, was die Übernahme des Wolfs ins Jagdrecht angeht. Hierdurch könne es auch zu einer „Verkomplizierung“ des Problems kommen, gab Kersten mit Hinweis auf die zahlreichen beteiligten Behörden zu bedenken. Besser geeignet wären nach ihrer Auffassung gute regionale Vorgaben zur Entnahme von auffälligen Tieren. Gimber erteilte Forderungen nach noch höheren Zäunen eine klare Absage. Diese seien aufwändig und teuer zu installieren, windanfällig und immer noch keine Garantie gegen Wolfsangriffe, so der Schäfer. Entweder der Beutegreifer lasse sich von 1,05 m hohen Zäunen abhalten oder er müsse entnommen werden.

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